Die Pandemie bedeutet auch für Versorgungsunternehmen deutliche Einschnitte ins Tagesgeschäft.

Die Pandemie bedeutet auch für Versorgungsunternehmen deutliche Einschnitte ins Tagesgeschäft.

Bild: © Romolo Tavani/AdobeStock

Kann das Corona-Monitoring über den Abwasserpfad zu einem die Pandemie begleitendend Früh- und Entwarnsystem entwickelt werden? Können mit einem solchen System Virusmutationen frühzeitig aufgespürt werden? Kann mit einem Abwassermonitoring die Dunkelziffer über belastbare Modellberechnungen ermittelt werden? Zur Beantwortung dieser bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie wichtigen Fragen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall mit der Vernetzung der nationalen und internationalen Forschung zu dieser Thematik beauftragt.

Ende dieses Jahres sollen konkrete Antworten vorliegen. „Bis zur Praxistauglichkeit eines solchen Abwasser-Monitoringsystems ist es noch ein sehr langer Weg. Durch die Vernetzung der Forschergruppen und durch den frühzeitigen Austausch der Erkenntnisse hoffen wir jedoch, viel schneller ans Ziel zu kommen”, hebt Johannes Lohaus, Sprecher der DWA-Bundesgeschäftsführung, die Bedeutung des Vorhabens hervor.

Digitale Auftaktveranstaltung

Die DWA hat das Projekt CoroMoni „Aufbau einer Kommunikationsplattform zum Thema Abwassermonitoring zur Bestimmung des Sars-CoV-2-Infektionsgrades der Bevölkerung” mit einer digitalen Auftaktveranstaltung offiziell gestartet. Neben Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden nahmen Vertreter des Robert-Koch-Instituts, des Umweltbundesamtes und der Europäischen Kommission teil.

Forschungsprojekte zum Nachweis von Corona-Infektionen über den Abwasserpfad laufen bereits seit dem Frühjahr des letzten Jahres sowohl in Deutschland als auch in vielen anderen Staaten. Die DWA arbeitet beispielsweise seit April 2020 gemeinsam mit dem UFZ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig sowie der TU Dresden intensiv diesbezüglich zusammen. Klare Erkenntnis: Das Virus ist im Abwasser nicht lebensfähig, eine Infektionsgefahr über den Abwasserpfad besteht nicht.

Möglichkeiten des Monitoring

Die Erbinformationen des Virus können im Abwasser aber definitiv an verbliebenen RNA-Fragmenten nachgewiesen werden, über den Abwasserpfad lassen sich Infektionen im Einzugsgebiet bereits vor dem Ausbruch einer Infektionswelle feststellen. Dem Virus einen Schritt voraus zu sein bedeutet, Hotspot-Regionen frühzeitig zu identifizieren, Virus-Mutationen vor einer massiven Ausbreitung aufzuspüren und die Wirkung von Lockdown-Maßnahmen schneller bewerten zu können.

Corona-Monitoring über den Abwasserpfad fungiert dann als pandemiebegleitendes System, von der Früherkennung über die Mutationsaufspürung bis zur Entwarnung. Dabei auch im Fokus: Kann das System aufwendige und kostspielige Massentestungen mit hohem Anteil negativer Ergebnisse ergänzen oder sogar ersetzen?

Vorbereitung für spätere Pandemien

Bezüglich des Epidemie-Potenzials über Abwasser gab es in den Niederlanden bereits vor der Corona-Pandemie Erfahrungen mit dem Nachweis von Erregern wie Enteroviren. Das Land hat daher bereits die notwendigen Strukturen aufgebaut, um das System flächendeckend zu nutzen.

Auch für die aktuellen Projekte gilt laut DWA, dass die derzeitigen Forschungsaktivitäten sich nicht allein auf Corona beschränken dürfen und werden. Die Erkenntnisse dienen auch als wertvolle Grundlage für mögliche zukünftige Epidemien bzw. Pandemien. (hp)

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