Daniel Scheiböck-Ortner, Gründer des Start-ups Green Sentinel

Daniel Scheiböck-Ortner, Gründer des Start-ups Green Sentinel

Bild: © Green Sentinel

Früher landete Klärschlamm häufig auf den Feldern. Inzwischen wird es in Deutschland zumeist verbrannt.

Das österreichische Start-up Green Sentinel könnte beides verbinden. Es hat nach eigenen Angaben ein mehrstufiges Verfahren entwickelt, bei dem aus Klärschlamm nicht nur wertvolle Rohstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium zurückgewonnen werden, sondern auch CO2-neutraler Brennstoff entsteht. Dessen Heizwert soll höher sein als der von Braunkohle. "Dieser Ansatz ist weltweit einzigartig", sagt Daniel Scheiböck-Ortner (24) und Gründer des Start-ups.

Stationäre und mobile Anlagen

Bis Ende des Jahres sollen die ersten Anlagen fertig sein. Seit gut einer Woche ist das Unternehmen auf Werbetour. Gut ein Dutzend Interessenten soll es schon geben, sagt Scheiböck-Ortner.

Kunden haben die Wahl zwischen stationären und mobilen Anlagen. Stationäre Anlagen würden fest verbaut, erklärt Scheiböck-Ortner. Wie hoch die Investitionen dafür sind, hänge von der Beschaffenheit der Kläranlage ab.

Mehrfache Entlastung

Mobile Anlagen dagegen würde das Start-up oder ein anderer Betreiber zu den Kläranlagen fahren, führt Scheiböck-Ortner aus. Das junge Unternehmen bereite dann mobil und auf Dienstleistungsbasis den Schlamm auf. "Die Mietvariante ist insbesondere für Kleinkläranlagen geeignet, für die sich [ein Kauf] erst in einem zu langen Zeithorizont rechnen würde", sagt er.

"Kläranlagen werden mit unseren Anlagen gleich mehrfach entlastet", erläutert Scheiböck-Ortner. "Sie müssen sich nicht mehr um die Schlammbehandlung kümmern und sparen Entsorgungskosten." Er rechnet vor: In der konventionellen Entsorgung koste eine Tonne Klärschlamm zwischen 300 und 500 Euro. Mit den Anlagen von Green Sentinel dagegen könnten Kläranlagenbetreiber bis zu 70 Prozent der Entsorgungskosten einsparen. Zudem könnten sie die anfallenden Produkte vermarkten. So würde aus der kostenaufwendigen Klärschlammentsorgung ein gewinnbringendes Geschäftsmodell, sagt Scheiböck-Ortner. Das Start-up rechne damit, dass die Anlage nach spätestens drei Jahre amortisiert sei. Die ersten Anlagen rechneten sich sogar schon nach eineinhalb Jahren.

Erste Anlagen in Deutschland

Helfen dürfte dem Start-up auch die novellierte Klärschlammverordnung der deutschen Bundesregierung. Demnach dürfen große Kläranlagen (Größenausbau von mehr als 100.000 Einwohnern) ab 2029 ihren Klärabfall nicht mehr als Dünger verkaufen, sondern sind verpflichtet, Phosphor zurückzugewinnen. Dasselbe gilt drei Jahre später auch für mittlere Kläranlagen (Größenausbau von mehr als 50.000 Einwohnern). Bereits bis Ende 2023 müssen Kläranlagenbetreiber ein entsprechendes Konzept vorlegen.

Tatsächlich dürften die ersten Anlagen der Österreicher zuerst in Deutschland zum Einsatz kommen, erzählt Scheiböck-Ortner – genauer in Bayern. "In Deutschland ist der Leidensdruck höher als in Österreich, wo die Auflagen noch nicht so streng sind", sagt er. (ab)

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