Diclofenac ist als Wirkstoff in Schmerz- und Rheumamitteln enthalten, immer häufiger findet sich die Chemiekalie jedoch auch im Nebenarm des Rheins. Im Rahmen des langfristigen Untersuchungsprogramms „Spurenstoffagenda Erft“ kontrolliert der Erftverband den gleichnamigen Fluss auf Medikamentenrückstände und schafft mit mehreren Machbarkeitsstudien die Grundlage für eine vierte Reinigungsstufe.
Der Verband hat insgesamt 150 Stoffe – Arzneimittel, Pestizide und Röntgenkontrastmittel sowie deren Abbauprodukte – auf ihre Konzentration im gereinigten Abwasser und in der Erft untersucht. Dabei wurden sowohl Proben vor als auch hinter den Abläufen von zehn Kläranlagen entnommen. Das Ergebnis: Während Rückstände von Antibiotika, Betablockern und Korrosionsschuztmitteln nicht nachgewiesen werden konnten, war der Befund von Diclofenac positiv.
70 Prozent weniger Spurenstoffe im Rheinarm
Die Studie zeigt jedoch auch, dass sich die Konzentration des Rheumawirkstoffs bis zur Erftmündung um rund 70 Prozent reduzierten lässt, wenn alle zehn Kläranlagen einen weiteren Reinigungsschritt in ihr Wasseraufbereitungsverfahren integrieren. Durch die Nachrüstung von Ozonung, Adsorption oder anderen Maßnahmen der vierten Stufe könnten je 80 Prozent der Spurenstoffe zurückgehalten beziehungsweise abgebaut werden.
In Anbetracht dieser Messergebnisse veranlasste der Verband Machbarkeitsstudien für alle zehn untersuchten Kläranlagen. Dabei wird die Zugabe von Ozon oder Aktivkohle zur Elimination von Schadstoffen in den Blick genommen. Ziel der Studien ist es, die Umsetzbarkeit für die jeweilige Anlage zu untersuchen und die beste Technik auszuwählen. Auch die Gesamtkosten und die Kosten pro Kubikmeter Abwasser werden für eine mögliche Umsetzung einkalkuliert.
Teilstormbehandlung billiger, aber dennoch effizient
Zwischen zehn und 20 Cent müssen die Kläranlagenbetreiber pro Kubikmeter Abwasser je nach Technik und vorhandenem Verfahren einplanen. Damit die Nachrüstung günstiger wird, kann statt einer Vollstrombehandlung auch über eine Teilstrombehandlung nachgedacht werden. Dabei werden "nur" 80 Prozent des gereinigten Abwassers in einer vierten Reinigungsstufe nachbehandelt. Es zeigt sich, dass der Wirkungsgrad einer Vollstrombehandlung nur rund zwei Prozent höher ist als der Wirkungsgrad der Teilstrombehandlung, jedoch eine rund 40 bis 50 Prozent höhere Investition notwendig wäre.
Das Forschungsprojekt „Spurenstoffagenda Erft“ läuft bereits seit dem Jahr 2016 und dauert insgesamt 18 Monate. Die Kosten betragen rund 650 000 Euro, wobei das Land Nordrhein-Westfalen 80 Prozent der Summe über Fördergelder trägt. (ls)


