Abwasser

Wiener Öko-Kraftwerk versorgt Kläranlage mit Strom

Die Anlage erzeugt rund 80 Mio. kWh Strom. Rund die Hälfte davon fließt ins Wiener Versorgungsnetz. Wie die Anlage genau arbeitet:
06.04.2021

Die sechs Faulbehälter mit Nachklärbecken sind das markanteste Detail der Klärschlammanlage der Ebswien.

Mikroorganismen sorgen in Wien für sauberen Strom und Wärme. Möglich macht das ein riesiges Öko-Kraftwerk der Wiener Kläranlage. Dieses produziert ökologische Energie aus Klärschlamm, dem Restprodukt der Abwasserreinigung, wie die Stadt Wien mitteilt.

Nach Inbetriebnahme der Schlammbehandlungsanlage im Sommer 2020 läuft das Öko-Kraftwerk Kläranlage seit Jahresende im Vollbetrieb. Die Kläranlage erzeugt die für die Reinigung des Wiener Abwassers benötigte Energie selbst. Darüber hinaus produziert es einen Überschuss an sauberem Strom und sauberer Wärme.

Strom für rund 30.000 Haushalte

Somit wird die Kläranlage von einem der größten Energieverbraucher der Stadt zum energiepositiven Betrieb. Die Schlammbehandlung soll mithelfen, Wien bis 2040 zur klimaneutralen Stadt zu machen, heißt es. Pro Jahr produziert der Kommunalentsorger Ebswien in der Schlammbehandlungsanlage bis zu 78 Mio. kWh Strom.

Das entspricht dem Stromverbrauch von mehr als 30.000 Wiener Haushalten. Rund 80 Prozent davon (63 Mio. kWh) und knapp die Hälfte der erzeugten Wärme (40 von 82 Mio. kWh) benötigt die Kläranlage zur Abwasserreinigung selbst. Der Überschuss an Öko-Energie wird in die Wiener Versorgungsnetze eingespeist.

Lagerung in Faulbehältern

Die Schmutzstoffe im Klärschlamm werden dabei auf 38 Grad Celsius erwärmt und kommen in riesige Faulbehälter. Sechs jeweils 30 Meter hohe Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von 75.000 Kubikmeter. Während des 25 Tage dauernden Faulungsprozesses entsteht Klärgas, das zu zwei Drittel aus dem energiereichen Methan (CH4) besteht.

20 Mio. Kubikmeter davon entstehen jährlich in den Faulbehältern der Ebswien. Der ausgefaulte Schlamm wird aus den Faulbehältern abgezogen und verbrannt. Das Klärgas gelangt über Filteranlagen von den Gasbehältern in Blockheizkraftwerke, wo es als Brennstoff für riesige Gasmotoren dient. Dabei entsteht nicht nur mechanische Energie, sondern auch Wärme, die für Heizung und Warmwasserbereitung verwendet werden kann. (jk)