Weltneuheit in Stuttgart: In der vergangenen Woche hat das mobile Hallenbad Aquabox im Stadtteil Zuffenhausen eröffnet. Die Schwimmhalle ist modular gebaut und kann vollständig abgebaut, zu einem neuen Standort transportiert und dort wieder aufgebaut werden. Die Aquabox dient als Ausweichfläche, während andere Bäder neu gebaut werden. Oberbürgermeister Frank Nopper sagte bei der Eröffnung, dass "die Bauzeit lediglich neun Monate beträgt".
Die Aquabox verfügt über ein 25 Meter langes Becken mit fünf Bahnen und einen Teilhubboden, mit dem die Wassertiefe einzelner Abschnitte gesenkt oder gehoben werden kann. Das Bad wird vorallem von Schulen und Vereinen genutzt. Zu festgelegten Zeiten kann auch die Öffentlichkeit in der Aquabox schwimmen. Betreiber sind die Stuttgarter Bäder, ein Eigenbetrieb der baden-württembergischen Landeshauptstadt.
Das erste Mal den Standort wechseln soll das Hallendbad 2029. Der gesamte Umzug inklusive Um- und Wiederaufbau werde voraussichtlich vier Millionen Euro kosten, erklärte der Betreiber zu ZFK. Das entspricht mehr als einem Viertel der Kosten für die Aquabox selbst. Wie viel weitere Umzüge kosten werden, ist noch offen.
Modulbau ermöglicht Abbau und Umzug
Die Aquabox besteht aus 46 vorgefertigten Holzmodulen, darunter: Foyer, Umkleiden, Toiletten, Duschen, Personalräumen und Technikflächen. Die Badehalle wurde als ergänzender Holzelementbau gebaut. Das Edelstahlbecken besteht aus einzelnen Segmenten, die vor Ort zusammengesetzt wurden.
Generalübernehmer des Projekts ist die Pool out of the Box GmbH. Die Architektur stammt von den in Stuttgart ansässigen 4a Architekten. Für den Holzmodulbau verantwortlich war das Schweizer Holzbauunternehmen Blumer Lehmann. Weitere Fachpartner waren unter anderem die Kannewischer Ingenieurgesellschaft, Zeller Bäderbau und Wassertechnik Wertheim.
Der Generalübernehmer Pool out of the Box gibt an, dass das Hallenbad von Beginn an für mehrere Standorte konzipiert wurde. Bei einem Umzug würden alle Module, Fassadenelemente, technische Anlagen und weitere Bauteile abgebaut, transportiert und am neuen Standort wieder montiert.
Lösbare Verbindungen und auf die Modulgrößen abgestimmte Technik sollen diesen Prozess ermöglichen. Welche Bauteile nach einem Umzug ersetzt oder angepasst werden müssen und welche Prüfungen vor der erneuten Inbetriebnahme erforderlich sind, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Nachhaltige Energieversorgung
Außerdem ist die Aquabox ausgestattet mit einer Wärmepumpe, einer Photovoltaikanlage, einer Anlage zur Wärmerückgewinnung und einer Wasseraufbereitung. Nach Angaben der Stuttgarter Bäder soll der Energieverbrauch "voraussichtlich 30 Prozent unter dem eines konventionellen Hallenbads" liegen. Belastbare Verbrauchswerte liegen kurz nach der Eröffnung noch nicht vor.
Die Aquabox ist ein offizielles Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 der Stadtregion Stuttgart (IBA'27). IBA'27-Intendant Andreas Hofer sieht in der Aquabox ein Modell für den Umgang mit alternder Infrastruktur. Ein System wie die Aquabox "überbrückt die Ausfallzeiten und findet am Ende sogar einen endgültigen Standort", sagte Hofer bei der Eröffnung.
Umzüge: Dauer und Kosten noch nicht fix
"Clever im allerbesten schwäbischen Sinne ist das Konzept deswegen, weil es eine Schwimmbad-Lösung für gleich drei Stadtbezirke darstellt", sagte Oberbürgermeister Nopper bei der Eröffnung. Bis Ende 2029 soll die Aquabox in Zuffenhausen bleiben, geben die Stuttgarter Bäder an. Danach soll sie nach Möhringen umziehen, um während des Neubaus des Hallenbads Sonnenberg als Ersatzwasserfläche zu dienen. Dieser Neubau soll 2032 fertiggestellt und eröffnet werden. Anschließend soll die Aquabox an ihren endgültigen Standort in Untertürkheim umziehen.
Für einen vollständigen Standortwechsel veranschlagt der Betreiber sechs bis neun Monate. Der Zeitraum umfasst Abbau, Transport, Wiederaufbau und Inbetriebnahme. Wie lange es tatsächlich dauern wird, wird die Praxis zeigen: "Da es sich bei der Aquabox um ein Pilotprojekt handelt, liegen für einen vollständigen Standortwechsel bislang noch keine belastbaren Erfahrungswerte vor", erklärten die Stuttgarter Bäder. Auch wie oft sich die Module tatsächlich versetzen lassen, ist derzeit noch nicht absehbar. Der Betreiber geht von maximal zwei Standortwechseln aus.
Die Aquabox soll zeigen, dass ein Hallenbad nicht zwangsläufig an einen einzigen Standort gebunden ist. Ob das Konzept technisch und wirtschaftlich trägt, wird sich wohl erst beim ersten Umzug 2029 zeigen.
Die Aquabox kostete die Stuttgarter Bäder 15,1 Millionen Euro, inklusive Planung, Genehmigungen, Bau und Inbetriebnahme. Die Umzüge sind nicht eingerechnet. Der erste Umzug nach Möhringen soll laut Betreiber vier Millionen Euro kosten. Die Kosten für den späteren Umzug nach Untertürkheim können noch nicht beziffert werden. Sollte der erste Umzug teurer werden als geplant, soll der Generalübernehmer Pool out of the Box die Mehrkosten tragen, sagt der Betreiber.