Eva Exner, Fachbereichsleiterin Planung und Bau Netze der Berliner Wasserbetriebe

Eva Exner, Fachbereichsleiterin Planung und Bau Netze der Berliner Wasserbetriebe

Bild: © Berliner Wasserbetriebe

Bei der geborstenen Leitung im Ortsteil Berlin-Wedding handelte es sich um eine Hauptversorgungsader der Innenstadt. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Wie es zu dem Bruch kommen konnte und welche Schlüsse die Berliner Wasserbetriebe (BWB) daraus ziehen, erläutert die Netzbau-Chefin Eva Exner.

Alle Wasserversorger kämpfen mit einer alternden Infrastruktur. Der Bruch der Wasserleitung in der Berliner Seestraße an Silvester hat nicht nur die betroffenen Einwohner, sondern vermutlich auch Ihr Unternehmen geschockt. Welche Folgerungen ziehen Sie daraus?

Die Bilder waren angesichts der Rohrdimension von 76 Zentimetern innen und entsprechend viel Wasser schon eindrücklich, aber Rohrbrüche kommen trotz vorausschauender Instandhaltung und Netzerneuerung vor. Die Seestraße sah plötzlich so aus, wie sie heißt.

Aber wir haben das durch das Zusammenwirken vieler bei uns in dieser Nacht Diensthabenden sehr schnell im Griff gehabt, etwa 70 Minuten nach der Schadensmeldung kurz vor 20 Uhr war der Wasseraustritt gestoppt und damit der Netzdruck wieder da und die rund 250.000 betroffenen Haushalte wurden wieder normal versorgt.

Wie hoch sind die Investitionen für 2025 in die Erneuerung der Infrastruktur?

Wenn Sie darunter unsere Rohr- und Kanalnetze verstehen, dann sind das fast 280 Mio. Euro, wenn wir die Wasser-, Klär- und Pumpwerke und sonstigen Anlagen dazurechnen, dann sind es rund 640 Mio. Euro, was dem halben Gesamtumsatz von 2023 entspricht.

Werden Sie Anpassungen an dem geplanten Programm, zum Beispiel neue Priorisierungen, vornehmen?

Nicht aus diesem Anlass, denn der "Silvester-Rohrbruch" hat zwar spektakuläre Bilder produziert, aber die Zahl der Rohrschäden liegt mit rund 500 pro Jahr in unserem 7862 Kilometer langen Trinkwasserrohrnetz weiter auf einem historisch niedrigen Niveau.

Dazu kommen ja noch mal 9769 Kilometer Kanäle und 1190 Kilometer Abwasserdruckleitungen. Wir haben also 18.821 Kilometer Netze, was mehr als der Strecke von Berlin nach Neuseeland entspricht.

Wie ist insgesamt der Zustand der Rohrsysteme in Berlin?

Unsere Netze funktionieren. Die Ver- und Entsorgung sind sicher, unsere Wasserverluste mit drei Prozent auf einem Niveau, das in Deutschland die Spitze markiert. Die Erneuerung, Sanierung und Renovierung der Netze ist eine permanente Aufgabe, bei der aber Alter allein nicht das entscheidende Kriterium ist. Wir füttern unsere Datenbanken permanent mit Angaben zu Größe, Zweck, Material, Hersteller, Charge, Bodenart, Verkehrsbelastung, Alter, bisherigen Auffälligkeiten usw. Diese gewichtete Gesamtbetrachtung sagt uns, wo wir ranmüssen und wo wir noch Zeit haben.

Wie viele Kilometer sind bereits saniert? Wie viele Kilometer müssen ausgetauscht werden?

Im Jahr erneuern und sanieren wir zwischen 120 und 130 Kilometer Netze. Dabei folgen wir Strategien für die Einzelnetze, bei denen bei den Trink- und Abwasserdruckleitungen im Moment die großen Leitungen im Mittelpunkt stehen und bei den Kanälen sich die Sanierungsstrategie am Zustand der Haltungen nach Auswertung der Kamerabefahrung orientiert.

Diese Investitionen sind immer eine Gratwanderung zwischen Ver- und Entsorgungssicherheit, störenden Eingriffen in den öffentlichen Raum und Gebührenwirksamkeit. Ich denke, dass wir da ganz ordentlich ausbalanciert sind.

Welche Erkenntnisse haben Sie zu den Ursachen des Rohrbruchs in der Seestraße?

Noch keine. Wir gehen von Materialermüdung aus. Das Rohr wird in diesem Jahr 97 Jahre alt, war aber bisher noch nicht verhaltensauffällig. Wir werden aber ein Stück aus dem Schalenbruch an die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) mit der Bitte um Untersuchung geben, wie wir es bei größeren Rohrbrüchen immer wieder tun.

Unsere Leitungen im Boden, unser verborgener Schatz, ist vielen Belastungen ausgesetzt, auch dadurch, dass wir und andere Infrastrukturbetreiber mit unseren Arbeiten immer wieder Bewegung in den Boden bringen und weil Verkehrslasten steigen. Weil das so ist, tun wir viel, damit Schäden vergleichsweise selten bleiben. Aber: Das, was nach einem Rohrbruch geschieht – aufgraben und erneuern –, ist dasselbe wie bei einer geplanten Investition. Nur das Initial ist ein anderes.

Die Fragen stellte Elwine Happ-Frank

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