Ernste Minen beim WBV "Am Wiehen" (v.li.n.re.): Susanne Brants (Technische Betriebsführung WBV), Christian Antl (Bürgermeister Löhne), Lars Bökenkröger (Bürgermeister Bad Oeynhausen) und Andreas Waßmann (Bürgermeister Hille)

Ernste Minen beim WBV "Am Wiehen" (v.li.n.re.): Susanne Brants (Technische Betriebsführung WBV), Christian Antl (Bürgermeister Löhne), Lars Bökenkröger (Bürgermeister Bad Oeynhausen) und Andreas Waßmann (Bürgermeister Hille)

Bild: © Sophia Schäfer/Stadt Löhne

Seit gut einer Woche ist es sehr heiß in Deutschland, die Prognosen sagen auch für diese Woche Tagestemperaturen von vielerorts über 30 Grad voraus. Das setzt die Wasserversorger unter Druck. Selbst im grundsätzlich begünstigten Voralpenland haben die Stadtwerke München an die Bürger appelliert, sparsam mit Wasser umzugehen. Denn im Vergleich zu einem "normal temperierten" Junitag liegt der Wasserverbrauch in der bayerischen Landeshauptstadt aktuell um rund 20 Prozent höher.

Auch die Mainzer Stadtwerke rufen zu weniger Verbrauch auf. Die Fördermengen der drei Wasserwerke reichen zwar grundsätzlich noch aus, den Bedarf zu decken, aber beim Wasserwerk Petersaue, das Uferfiltrat aus dem Rhein nutzt, führen die rückläufigen Wasserstände dazu, dass erste Brunnen auf der Rheininsel trockenlaufen.

Weitere Versorger haben ihre Wasserampel bereits auf "Gelb" gestellt. Dazu gehört beispielsweise der Wasserbeschaffungsverband Usingen im südhessischen Hochtaunuskreis oder die VGW in Rhea-Wiedenbrück im Osten Nordrhein-Westfalens.

"Rote" Wasserampel wurde nicht beachtet

Besonders hart ist der Wasserbeschaffungsverband (WBV) in Hille in Ostwestfalen-Lippe betroffen. Dort hat sich die Versorgungssituation stark zugespitzt. Der WBV hatte deshalb am 19. Juni die Wasserampel auf "Rot" gestellt. Nun wird sie auf "Ausnahmezustand" geschaltet.

Das haben die Bürgermeister der Mitgliedskommunen Michael Kasche (Hüllhorst, zugleich Verbandsvorsteher), Lars Bökenkröger (Bad Oeynhausen und stellvertretender Verbandsvorsteher), Christian Antl (Löhne) und Andreas Waßmann (Hille) am Montag, 22. Juni, beschlossen.

Der WBV "Am Wiehen" beliefert als Vorliefertant die Kommunen mit Trinkwasser. Die rund 100.000 Bürger:innen in dem Gebiet erhalten das Wasser von ihren Versorgungsunternehmen vor Ort. Gleichzeitig wird eine ordnungsbehördliche Verordnung erlassen, die ab Mittwoch, 24. Juni, in den vier Kommunen umgesetzt wird.

Ampelschaltung "Ausnahmezustand"

Ein Ausnahmezustand wird dann festgestellt, wenn eine besondere Gefahrenlage für die Trinkwasserversorgung festgestellt wurde, das heißt, dass die Versorgung kurz oder länger ganz ausfallen würde. In einem solchen Fall wird von der Kommune eine ordnungsbehördliche Verordnung beschlossen. In dieser wird genau festlegt, was bei der Trinkwassernutzung noch erlaubt ist und was nicht. Bei Verstößen wären die Mitarbeitenden des Ordnungsamts befugt, ein Ordnungsgeld zu verhängen.

Die Schaltung der Wasserampel auf "Rot" wurde laut dem WBV zu wenig beachtet. Die Abgabemenge im Verbandsgebiet habe sich laut einer Pressemeldung wenig reduziert. Am Tag davor, am Donnerstag, 18. Juni, wurden in den vier Verbandsgemeinden rund 20 Millionen Liter Trinkwasser verbraucht. Am Freitag, 19. Juni, lag der Wert sogar noch darüber, nämlich bei über 20,2 Millionen Litern.

Selbst am Sonntag, 21. Juni, wurde ein Abgabewert von rund 19,9 Millionen Litern erreicht, obwohl Regenfälle und kühlere Temperaturen zu verzeichnen waren, was zum Beispiel eine
Gartenbewässerung unnötig gemacht haben könnte.

Die Abgabemengen hätten damit neue Dimensionen erreicht, heißt es in der Mitteilung. Dies führe dazu, dass die Hochbehälterstände beim WBV kontinuierlich sinken, weil deutlich mehr Wasser entnommen wird, als durch eigene Förderung und Zulieferung nachfließen kann.

Bußgelder bei Verstößen

Mit der ordnungsbehördlichen Verordnung wollen die Verantwortlichen nun gegensteuern. Es ist verboten, Trinkwasser zum Waschen von Fahrzeugen zu verwenden, zur Außenreinigung von Gebäuden und Terrassen, zum Befüllen von Pools, Zisternen oder sonstigen Speichern oder zur Garten- beziehungsweise Rasenbewässerung.

Verstöße können von den Ordnungsämtern mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro geahndet werden. Ziel ist es, dass der Füllstand im zentralen Hochbehälter des WBV 1,50 Meter nicht unterschreitet, andernfalls drohten erhebliche, langwierige Schäden im technischen System, so der WBV.

Ausweitung der Beschaffung nicht möglich

Der WBV hat laut eigenen Angaben alle verfügbaren Möglichkeiten genutzt, um mehr Trinkwasser ins Versorgungsnetz zu bekommen. Die Förderung aus den eigenen Brunnenanlagen wurde so weit wie möglich erhöht.

Alle Zulieferer lieferten nach Können und Vermögen – "teils an der Grenze des Möglichen", wie der WBV betont. Über zusätzliche Partner wurde kurzfristig ein außerordentlicher Mehrbezug
von über 650.000 Litern pro Tag organisiert.

"Auf unserer Beschaffungsseite sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft", so Verbandsvorsteher Kasche. "Und jeder Tag mit solchen außergewöhnlich hohen Verbräuchen führt dazu, dass unsere Hochbehälter erheblich an Füllstand verlieren." Das sei "eine sehr ernste Lage".

"Unsere Appelle an die Bevölkerung haben das Bewusstsein der Menschen zwar geschärft, den Spitzenverbrauch aber nicht ausreichend senken können", so Kasche weiter. "Dass selbst der Regen den Verbrauch kaum gedreht hat, zeigt das Ausmaß: Die Verbrauchsmengen haben ein Niveau erreicht, das sich allein über Freiwilligkeit nicht mehr beherrschen lässt."

Ausnahmezustand könnte noch länger dauern

Deshalb bleibe jetzt nur das Instrument der ordnungsbehördlichen Verordnung. "Diesen Schritt gehen wir nicht leichtfertig. Aber die Zahlen lassen uns keine Wahl: Wir müssen die Versorgung für alle schützen – und das geht jetzt nur noch mit verbindlichen Regeln", stellt der Verbandsvorsteher fest.

Wie lange der Ausnahmezustand beim WBV "Am Wiehen" andauern wird, ist offen. Neben den aktuellen Spitzenverbräuchen bleibe die Gesamtsituation aufgrund dauerhaft geringerer Trinkwassermengen einzelner Zulieferer angespannt. Die Verordnung könne deshalb weit über die akute Hitzeperiode hinaus bestehen bleiben, bis sich die Versorgungslage nachhaltig stabilisiert hat, so der Wasservorlieferant in der Mitteilung.

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