Im Zentrum der vom Hochwasser stark betroffenen Stadt Stolberg bei Aachen müssen die Bürger noch tagelang ohne Trinkwasser aus den Leitungen auskommen. Nach Auskunft der Feuerwehr dauere es auf einem Teil der Rathausstraße noch drei bis vier Tage, bis Techniker an die Leitungen können, um die Trinkwasserversorgung zumindest provisorisch wiederherzustellen, sagte eine Sprecherin des regionalen Wasserversorgers Enwor am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die Straße sei voll mit Trümmern, das Zentrum Stolbergs nach dem Unwetter verwüstet. Trinkwasserbehälter sollen den Menschen im Alltag helfen.
Andere Teile der 57.000-Einwohner-Stadt konnten hingegen wieder an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden. Das Wasser aus den Leitungen sollte aber abgekocht werden, weil Schmutzwasser in das System gelangt sein könnte – hierzu gebe es Laboruntersuchungen, so die Sprecherin. Nicht alle Schäden in der Stadt konnten vollständig repariert werden – es werde mit Provisorien gearbeitet, um die Haushalte wieder ans Netz zu bringen.
Reparatur der Leitungen
Das Wassernetz in Bad Neuenahr-Ahrweiler wird sukzessive auf Zuschaltmöglichkeit und Leckagen untersucht. Der Wiederaufbau eines komplett leitungsgebundenen Wassernetzes wird lange dauern, teilt die Stadtverwaltung mit. Daher werde aktuell eine Wasser-Notversorgung in den unversorgten Bereichen aufgebaut.
Die außergewöhnliche Hochwassersituation habe dazu geführt, dass das Uferfiltrat vom Flusswasser beeinträchtigt wird, informiert die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW). Das führe – trotz einer an sich bewährten mehrstufigen Trinkwasseraufbereitung in den Wasserwerken Mülheim/Styrum-Ost und -West – zu einer Trübung des Trinkwassers, die kontinuierlich ansteigt. Die RWW desinfiziert das Wasser mit Ozon, UV-Licht sowie Chlor in extrem hoher Konzentration. Es sei mit gravierenden Geschmacks- und Geruchsveränderungen zu rechnen.
Abkochgebot in vielen Gemeinden
Zusätzlich hat das Gesundheitsamt Mülheim bis auf Weiteres vorsichtshalber ein Abkochgebot angeordnet. Es betrifft ganz Mülheim sowie Teile von Oberhausen und Bottrop. Weitere Bereiche im Versorgungsgebiet von Ratingen, Velbert, Wülfrath und Heiligenhaus sind – je nach den dortigen Netzverhältnissen – betroffen. Die RWW bietet auf ihrer Webseite eine Trinkwasseranalyse an – bei Eingabe der eigenen Adresse könne man hier überprüfen, ob man selbst von verunreinigtem Trinkwasser betroffen ist.
Die SWB Regional Ver- und Entsorgung in Adenau hat in den letzten Tagen deutliche Erfolge in den betroffenen Unwettergebieten des Zweckverbands Eifel-Ahr zu verzeichnen: Es sei gelungen, die Transportleitung zum Pumpwerk Dorsel in Betrieb zu nehmen, wie es in einer Meldung der SWB Regional heißt.
Mobile Aufbereitungsanlagen
Seit Samstag werden viele Hochbehälter gefüllt, so dass für zahlreiche Orte wieder die volle Versorgung zur Verfügung steht. In Reifferscheid soll eine Trinkwasseraufbereitungsanlage eingesetzt werden, um aus örtlichen Brunnen den intakten Hochbehälter zu füllen. Bis dahin werden Tankwagen eingesetzt.
Kritisch sei die Situation in den von der Flutwelle am stärksten betroffenen Orten, teilt der SWB Regional mit. Hier sei das Transport- und Verteilsystem in Teilen nahezu vollkommen zerstört. Ein Wiederaufbau sei in angemessener Zeit nicht möglich. Hier werden deshalb weiterhin Wasserfässer und -container sowie mobile Aufbereitungsanlagen eingesetzt und – wo möglich – mit intakten Leitungsabschnitten verbunden.
Verschmutzung mit Öl
Durch das Hochwasser der vergangenen Tage ist es zu einer Verschmutzung der Wuppertalsperre im Oberbergischen Kreis gekommen. Sie dient der Brauchwasserversorgung und als Hochwasserschutz. Nach Informationen der Bezirksregierung Köln waren mehrere Betriebe im südlich gelegenen Hückeswagen überflutet worden. Dabei waren verschiedene Stoffe, darunter auch Öl, ausgetreten.
Über die Wiebach-Vorsperre floss das Öl dann laut Mitteilung in die Hauptsperre. Derzeit werden Luft- und Wasserproben genommen und untersucht. Der Wupperverband untersagt deshalb derzeit die Freizeitnutzung der Talsperre, wie Bootstouren, Angeln, Baden und Tauchen. (hp mit Material von dpa)

