Wasserversorger ersetzen immer öfter alte Wasseruhren durch elektronische Funkzähler. Das soll das Ablesen der Zählerstände vereinfachen. Denn mit Hilfe der neuen Technik muss kein Ableser mehr ins Haus kommen oder Hauseigentümer den Verbrauch per Postkarte oder Internet melden. «Dabei kommt es immer wieder zu Fehlern und Zahlendrehern», sagt Norbert Conrad, Technischer Geschäftsleiter des Zweckverbandes Wasserversorgung (RZV) in Glauchau.
Bei manchem Hausbesitzer muss er aber noch Überzeugungsarbeit leisten. Der Verband führt derzeit im Dorf Dennheritz im Landkreis Zwickau ein Pilotprojekt dazu durch. «Bis zum Ende des Jahrzehnts wird jeder unserer Kunden ein solches Smart Meter haben», prognostiziert Conrad.
Leipzig und Dresden sind schon weiter
Während der RZV in Glauchau die neue Technik erst erprobt, ist ihr Einsatz andernorts schon fortgeschritten. Die Leipziger Wasserwerke etwa rüsten seit 2017 um und verfügen schon über etwa 40.000 elektronische Zähler. «Das ist etwa die Hälfte aller unserer Hauswasserzähler», erläutert Sprecherin Katja Gläß. Bis 2028 sollen die alten mechanischen Wasseruhren in Leipzig komplett Geschichte sein. Die Dresdner Stadtwerke haben Anfang des Jahres mit der Umrüstung begonnen und nun nach eigenen Angaben etwa 6000 solcher Zähler im Stadtgebiet verbaut. Ziel sei eine flächendeckende Umrüstung, informiert Drewag-Sprecherin Nora Weinhold.
Der RZV führt sein Pilotprojekt deshalb in Dennheritz mit seinen rund 1300 Einwohnern durch, weil das Dorf eine Vielzahl an Abnehmern auf kleinem Gebiet vereint: Ein-, Mehrfamilienhäuser und Wohnblöcke ebenso wie Gewerbekunden und Agrarbetriebe. Rund 500 Zähler seien in den vergangenen Wochen ausgetauscht worden, sagt Conrad. Nur wenige Kunden hätten sich den neuen Geräten verweigert. Ihre Zahl liege «im einstelligen Bereich».
Vorbehalte beim Einbau
Mit Blick auf die modernen Zähler melden Verbraucher immer wieder Vorbehalte an, wie auch andere Wasserversorger in Sachsen und das Büro des Landesdatenschutzbeauftragten berichten. Mancher sieht etwa zusätzliche Strahlung mit Sorge. Andere hegen Bedenken, was die kleinen Geräte alles an Daten speichern, weiterleiten und was daraus ableitbar ist – etwa wann jemand im Haus ist und wie oft die Bewohner duschen. Andere sorgen sich, dass Funksignale nicht nur vom Wasserversorger, sondern auch von Dritten ausgelesen werden könnten.
Durch die Zähler der Wasserversorger werde der Verbrauch eines ganzen Hauses erfasst und nicht einzelner Wohnungen, Geschäfte oder gar Einzelpersonen, betont das Innenministerium in Dresden in einer Stellungnahme. «Die Anzahl der Fälle, in denen elektronische (Haus-)Wasserzähler personenbezogene Daten liefern, wird demnach sehr begrenzt sein.» Nur in solchen Fällen könne Einbau und Betrieb der modernen Zähler das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung tangieren.
Mehr Informationen für Nutzer
Unisono versichern die Wasserversorger, dass die Funksignale verschlüsselt seien und dabei auf höchste Sicherheitsstandards geachtet werde. Dabei werde sich auf Richtlinien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik gestützt. Weinhold: «Das gesendete Datenpaket gibt keine Rückschlüsse auf das persönliche Nutzungsverhalten der Kunden, denn übermittelt werden die Zählernummer, der Zählerstand und eventuelle Fehlermeldungen.»
Insgesamt sei das Informationsbedürfnis der Verbraucher bei dem Wechsel auf die neue Technik höher, berichtet Gläß. Diese Erfahrung hat auch Conrad gemacht. «Wenn man im Dialog bleibt, kann man aber Barrieren gut abbauen», sagt er. Kunden, die Angst vor der Strahlung hätten, verweise er auf die um ein Vielfaches geringere Belastung im Vergleich zu anderen Alltagsgeräten wie Handy oder Funkwecker. Nur in ganz wenigen Fällen sei das Funkmodul des Zählers abgestellt worden. „Die Datenübermittlung erfolgt nur zum Zweck, die Zählerstände festzustellen, abzurechnen und Analysen vom Versorgungsnetz durchzuführen, um Ihre Versorgung mit Trinkwasser noch wirtschaftlicher für die Zukunft zu gewährleisten“, informiert die Gemeinde Dennheritz die Bürger.
Umrüstung rechnet sich
Die neuen Zähler sind für die Wasserversorger teurer als herkömmliche mechanische Zähler. Dennoch bauen sie darauf, dass sich die Umrüstung langfristig rechnet – nicht nur durch weniger Aufwand bei der Ablesung, wenn die Daten per Funk im Vorbeifahren oder -gehen von Mitarbeitern elektronisch ausgelesen werden. Sie gehen auch davon aus, dass die Lebensdauer der Geräte höher ist. „Es wird eine Verlängerung der Eichfrist bis zu zwölf Jahren angestrebt“, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde. (dpa/hp)



