Der neue Wasser-Vorstand des DVGW, Wolf Merkel

Der neue Wasser-Vorstand des DVGW, Wolf Merkel

Bild: © WVGW/Schramm

Im November 2019 wurde Wolf Merkel zum neuen Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) berufen. Am Montag hat der 53-jährige Diplom-Ingenieur seine Arbeit in Bonn als hauptamtlicher Vorstand für das Ressort Wasser aufgenommen. Das erste Interview in seinem neuen Amt hat er unserer Redaktion gegeben.

Welcher Aspekt beim Thema Wasser liegt Ihnen besonders am Herzen?

Im Grunde genommen lässt sich die hohe Relevanz des Themas Wasser verkürzt in zwei Sätze fassen: Wasserversorgung ist Daseinsvorsorge. Und Daseinsvorsorge ist Zukunftssicherung. Wir brauchen das generationenübergreifende Schutzverständnis für unsere Wasserressourcen. Diesen Leitgedanken müssen wir in Öffentlichkeit und Politik jeden Tag aufs Neue vertreten. Ich möchte dazu beitragen, das Bewusstsein für den Wert des Wassers weiter zu schärfen. Denn leider gerät dies allzu oft in Vergessenheit, da Trinkwasser in Deutschland jederzeit und in hoher Qualität verfügbar ist. Der DVGW und seine Mitglieder – und hier kommt den kommunalen Unternehmen der Versorgungswirtschaft eine besondere Bedeutung zu – verstehen Wasserversorgung als generationenübergreifende Aufgabe. Sichere Trinkwasserversorgung ist das Ergebnis geschützter Ressourcen, naturnaher Aufbereitung und intakter Infrastruktur. Diese gilt es zu sichern und, wo erforderlich, auch anzupassen bzw. zu ertüchtigen.

Ist denn die Trinkwasserversorgung in Deutschland konkret gefährdet?

Es besteht nicht die Gefahr, dass morgen früh kein Wasser mehr aus unseren Hähnen kommt. Unsere Versorgung mit sauberem Trinkwasser sieht sich aber permanenten Herausforderungen ausgesetzt. So nehmen die Nutzungsansprüche verschiedenster Gruppen stetig zu, insbesondere die Landwirtschaft benötigt zukünftig mehr und nicht weniger Wasser. Wir sagen: Die öffentliche Wasserversorgung muss ganz klar Vorrang gegenüber konkurrierenden Nutzungsansprüchen haben. Dies muss auch im Vollzug klar umgesetzt werden. Anlass zur Sorge gibt uns auch das Thema Dürre – und dies nicht nur in den Sommermonaten. Schon im März wird sich abzeichnen, wie trocken der Juli und der August bei uns werden. Einzelne Kommunen – insbesondere im Osten und in der Mitte Deutschlands – sind hier in besonderem Maße negativ betroffen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Einzelne Hitzesommer wie 2018 und 2019 können wir bewältigen. Problematisch wird es, wenn daraus eine Folge mehrerer Trockenjahre wird.

Die neue EU-Kommissionspräsidentin hat den „Green Deal“ aufgerufen. Welche Erwartungen haben Sie mit Blick auf die Wasserversorgung? Und wie kann Deutschland sich auf europäischer Ebene einbringen?

Die Intention der Kommissionspräsidentin, Umweltschutz und damit auch den Schutz der Trinkwasserressourcen in den Fokus ihrer Arbeit zu stellen, begrüßen wir. Mit dem Vorsorge- und Verursacherprinzip gibt es ja bereits auch auf EU-Ebene eine Basis. Darauf muss jetzt aufgebaut werden. Die politischen Rahmenbedingungen müssen verlässlich geregelt werden. Landwirtschaft wird eine wichtige Rolle spielen, denn bisherige Bestrebungen, die gemeinsame Agrarpolitik umweltgerechter und somit gewässerschonender auszurichten, waren bislang nicht erfolgreich. Die Bundesregierung sollte sich hier mit starker Stimme einbringen. Der DVGW kann ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. Mit unserer technisch-wissenschaftlichen Expertise, mit Innovationen aus Forschung und Entwicklung sowie durch die Absicherung und Überwachung gestützt auf unser anerkanntes Regelwerk setzen wir unverzichtbare Impulse. Wir fühlen uns verpflichtet, diese Kompetenz zum Nutzen aller Menschen in Europa einzubringen.

Die Fragen stellte Philip Matthiessen.

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