Die Dürresituation in Deutschland spitzt sich zu: 156 von 288 Grundwasserpegeln sind derzeit niedrig, sehr niedrig oder extrem niedrig. Das zeigt das Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS) der Bundesanstalt für Gewässerkunde.
Trotz der Niederschläge am vergangenen Wochenende fallen auch die Pegelstände der deutschen Flüsse weiter: Der Pegel des Rheins lag am Montagmorgen bei 173 Zentimetern in Duisburg-Ruhrort, nur 20 Zentimeter über dem historischen Tiefstwert von Oktober 2018.
Andernorts sind Flussabschnitte nicht mehr schiffbar. Kommunen verhängen Entnahmeverbote. Und die Bundesanstalt für Gewässerkunde sieht bis Anfang September keine Entspannung für die Wasserstraßen. Die Folgen von Dürre und Wasserknappheit treffen Wirtschaft, Industrie und zunehmend auch die kommunale Wasserversorgung.
Schifffahrt unter Druck
Auf dem Rhein können die Schiffe zum Teil nur ein Fünftel ihrer üblichen Ladung transportieren. "Auf dem Rhein fahren die Schiffe ja immer mit etwas Wasser unter dem Kiel, und wenn kein Wasser mehr da ist, wird es schwierig für Schifffahrt und Industrie", sagte Ocke Hamann von der Industrie- und Handelskammer Nordrhein-Westfalen dem WDR. Das habe direkte Folgen für Lieferketten und Produktionskosten entlang der wichtigsten deutschen Wasserstraße, erklärte Hamann.
Noch kritischer ist die Lage an der Oberweser. Dort können in Teilabschnitten keine Schiffe mehr fahren. Grund ist der gesunkene Füllstand der Edertalsperre in Nordhessen, die die Oberweser im Sommer mit Wasser stützt. Die Talsperre ist zu weniger als 30 Prozent gefüllt und gibt seit vergangener Woche nur noch die Mindestmenge ab. "Eine Regulierung der Oberweser ist mit Einstellung der Stützung durch die Talsperre nicht mehr möglich", erklärte Jens Köhne vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser gegenüber der dpa. Eine Besserung sei vorerst nicht in Sicht.

Kommunen verbieten Wasserentnahme
Die anhaltende Trockenheit zwingt Kommunen bundesweit zum Handeln. Die Stadt Chemnitz etwa hat am vergangenen Freitag die Entnahme von Wasser aus Bächen und Flüssen verboten. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende Oktober. Auch im Landkreis Aschaffenburg gilt seit vergangener Woche eine entsprechende Allgemeinverfügung bis Ende August. In beiden Fällen ahnden die Behörden Verstöße mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld.
München hatte bereits Mitte Juli reagiert: Seitdem verbietet die Stadt das Befüllen privater Pools, das Wässern von Rasenflächen und das Waschen von Fahrzeugen. Die Münchner Verfügung gilt bis Anfang August.
Auf ZFK-Anfrage teilten die Stadtwerke München mit, dass der Wasserverbrauch mittlerweile deutlich gesunken sei. Aber: "Die vereinzelten Regenschauer der letzten Tage reichen bei Weitem nicht aus, um die fehlenden Niederschläge der vergangenen Monate auszugleichen", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Wasser-Taskforce beobachte die Lage weiter und wolle bei Bedarf über eine Verlängerung der Maßnahmen entscheiden.
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Schon im Juni hatte Dresden ein Wasserentnahmeverbot ausgesprochen, das bis zum 31. Oktober gilt. Zu wenig Regen hat auch dort zu niedrigen Pegelständen geführt, die kommende Niederschläge nach Ansicht der Wasserbehörde nicht mehr ausgleichen können.
Am Montag lag der Wasserstand der Elbe bei 55 Zentimetern, wie das Portal Pegel Online von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt zeigt. Dabei liegt der Mittelwert für den Fluss bei 156 Zentimetern.
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Auch Grundwasserpegel sinken
Die Trockenheit macht sich nicht nur an der Oberfläche bemerkbar, auch die Grundwasserbestände stehen unter Stress. Der Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt vom 24. Juli zeigt das Ausmaß: 81 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen verzeichnen niedrige Werte, bei den tieferen Grundwasserstockwerken sind es 74 Prozent. Das laufende Abflussjahr weist ein Niederschlagsdefizit von 32 Prozent auf. Bereits das vergangene Jahr war zu trocken. Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern sei gewährleistet, teilte das Landesamt mit. Die Lage bleibe aber angespannt.
Auch in Hessen zeigt sich ein auffälliger Trend: Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie verzeichnet, dass in den letzten zwei Wochen 84 Prozent der Grundwasserstände gesunken sind. Derzeit gelten in Hessen 17 Prozent der Stände als niedrig und 36 Prozent als sehr niedrig.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt wenig Anlass zur Hoffnung: "Es wäre schon gut, wenn innerhalb von ein paar Tagen ein ganzer Monatsniederschlag als mäßiger Landregen fallen würde", sagte DWD-Meteorologe Andreas Brömser der dpa. Dieser sei aber nicht in Sicht. Stattdessen werden die Temperaturen laut DWD-Vorhersage wieder steigen, was die Situation wegen zunehmender Verdunstung verschärfen kann.
Für die Trinkwasserversorgung ist die Situation zwar angespannt, aber noch unter Kontrolle: Hessenwasser, das rund 2,4 Millionen Menschen im Rhein-Main-Gebiet versorgt, betont, dass die vorhandenen Grundwasserressourcen derzeit ausreichend sind. Doch eine Sprecherin des Unternehmens machte klar: "Wir rechnen auch in Zukunft mit ausgeprägten Hitzewellen und dadurch ausgelösten längeren Spitzenlastphasen mit Tagesspitzenmengen auf sehr hohem Niveau." Die Wasserinfrastruktur müsse resilienter werden, dafür brauche es höhere Investitionen.
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Klimawandel: Verdunstung treibt die Dürre
Nicht nur der ausbleibende Regen treibt die Dürre hierzulande und in Europa: Auch die durch Hitze gestiegene Verdunstung trägt erheblich zur aktuellen Trockenperiode bei. Das zeigt eine aktuelle Studie der World Weather Attribution (WWA), an der auch Forschende des Deutschen Wetterdienstes beteiligt waren. "Mit steigenden Temperaturen nimmt der 'Durst' der Atmosphäre rasch zu und entzieht Flüssen, Seen, Stauseen und Böden Feuchtigkeit", erklärte Dominik Schumacher vom Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich.
Die Studie zeigt: Sollte die globale Erwärmung auf 2,8 Grad Celsius steigen, könnten intensive Dürrebedingungen doppelt so häufig auftreten. "Am alarmierendsten ist, dass diese Bedingungen bereits bei einer Erwärmung von 1,4 Grad Celsius auftreten", warnte Mariam Zachariah vom Imperial College London.
