Die schöne Seite des Klimawandels: Das Wetter ist warm, viele Menschen gehen deshalb gerne ins Freibad – und treffen dort auf eine Infrastruktur, die zunehmend an ihre Grenzen kommt. Nach einer Erhebung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 94 Einrichtungen kämpfen die Betreiber mit einem wachsenden Sanierungsstau, unpassenden Förderprogrammen und einem Fachkräftemangel, der sich strukturell verfestigt. Viele Stadtwerke erwirtschaften im Bäderbereich Verluste, die nur durch die Möglichkeiten des steuerlichen Querverbunds tragbar sind.
Eintritt stabil, Pommes gedeckelt
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Trotz der großen Probleme konnten mehr als drei Viertel der Betreiber (77 Prozent) ihre Eintrittspreise in der Saison 2026 stabil. Allerdings gab es auch keine einzige Reduzierung und 23 Prozent mussten Erhöhungen vornehmen.
Auch beim "inoffiziellen Preisindex" des Freibadsommers bleibt es moderat: In 97 Prozent der Bäder kostet die Portion Pommes rot-weiß höchstens 5,50 Euro, in 15 Prozent sogar weniger als 3,50 Euro.
Beim Besucheraufkommen erwarten 69 Prozent der Betreiber 2026 ähnliche Zahlen wie im Vorjahr, 29 Prozent rechnen mit mehr Gästen. 2025 kamen im Schnitt 70.000 Besucher pro Freibad, nach 75.000 im Jahr 2024.
Fast jedes zweite Freibad sanierungsbedürftig
Doch der Blick nach vorn fällt düster aus: 73 Prozent der Badbetreiber gehen davon aus, dass sich ihre finanzielle Lage in den nächsten fünf Jahren verschlechtern wird. Nur 7 Prozent erwarten eine Verbesserung. Und jeder fünfte Betreiber (21 Prozent) erwägt, kurz- oder mittelfristig ein Bad schließen zu müssen.
Wie ernst die Lage im Bestand ist, zeigt die Investitionsumfrage des Verbands: 45 Prozent der Freibäder in Deutschland sind umfassend sanierungsbedürftig – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren (2025: 38 Prozent, 2024: 35 Prozent). Bei weiteren 31 Prozent stehen kleinere Reparaturen an. Nur knapp jedes vierte Freibad (24 Prozent) ist bereits saniert und in gutem Zustand.
"Gerade jetzt, wenn Millionen Menschen die Freibäder nutzen, zeigt sich ihre Bedeutung für unsere Städte und Gemeinden. Umso besorgniserregender ist, dass inzwischen fast jedes zweite Freibad umfassend saniert werden muss", warnt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.
Finanzierung bleibt die größte Hürde
58 Prozent der Badbetreiber sehen sich bei Sanierungen mit Hindernissen konfrontiert, vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. An der Spitze steht mit weitem Abstand die Finanzierung: 90 Prozent nennen fehlende Finanzierungsmöglichkeiten oder nicht passende Fördermittel als zentrales Problem (2025: 88 Prozent). Dramatisch zugelegt haben die Baukosten als Hemmnis: 76 Prozent der Betreiber führen sie inzwischen an – 2025 waren es erst 29 Prozent.
Dabei stemmen viele Betreiber bereits erhebliche Eigenanstrengungen: Mehr als jeder Dritte (36 Prozent) investiert über 15 bis 30 Prozent seines Budgets in Sanierungen, weitere 32 Prozent wenden 8 bis 15 Prozent auf. Für die kommenden fünf Jahre sehen 64 Prozent in Sanierungsstau und fehlenden Mitteln die größte Herausforderung, gefolgt vom Fachkräftemangel (58 Prozent) und den Anforderungen an energieeffiziente, klimafreundliche Bäder (43 Prozent).
Der VKU appelliert deshalb an Bund und Länder, die Förderbedingungen zu verbessern. Hohe Eigenanteile, Finanzierungslücken und Programme, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen, erschwerten notwendige Sanierungen. Die im Koalitionsvertrag verankerte Milliarde Euro für Sportstätten wertet Liebing als Schritt in die richtige Richtung – aber: "Wir brauchen bessere und besser ausgestattete Förderprogramme für den Erhalt unserer Schwimmbäder."
Fachkräftemangel verfestigt sich
Zur maroden Bausubstanz kommt die angespannte Personallage. Zwar hatten 58 Prozent der Betreiber zum 1. Mai alle Stellen besetzt (2025: 62 Prozent). Doch 28 Prozent meldeten noch mehr als zehn Prozent offene Stellen, und in jedem zehnten Betrieb waren sogar mehr als 30 Prozent der Planstellen unbesetzt (2025: 8 Prozent).
"Der Fachkräftemangel bleibt damit ein strukturelles Problem und verfestigt sich", so Liebing. Die hohe Nachfrage treffe auf ein knappes Angebot an Badpersonal – ein Trend, den der demografische Wandel weiter verschärfen könne. Dennoch wollten die Betreiber 2026 alles daransetzen, Schließungen und verkürzte Öffnungszeiten zu vermeiden.
KI am Beckenrand
Entlastung könnte künstliche Intelligenz bei der Wasseraufsicht bringen – doch die Dynamik stockt. Nur noch 29 Prozent der Badbetreiber planen den KI-Einsatz in den kommenden drei Jahren, nach 34 Prozent im Vorjahr. Und das, obwohl 82 Prozent derjenigen, die KI bereits zur Wasseraufsicht nutzen, gute Erfahrungen gemacht haben.
Als Hemmnisse nennen die Skeptiker vor allem ungeklärte Rechtsfragen (71 Prozent) und Kosten (64 Prozent). Im Freibad ist die Technik zudem teurer und komplexer als im Hallenbad, weil mehr Kameras benötigt werden.