Seit Juli dieses Jahres ist die Wasserver- und Abwasserentsorgung in Rostock und in Umgebung wieder in kommunaler Hand. Nach 25 Jahren löste die kommunale Nordwasser GmbH den privatwirtschaftlichen, zur Remondis-Gruppe gehörenden Anbieter Eurawasser Nord ab. Im Interview mit der ZfK spricht das Nordwasser-Führungsduo Michaela Link (Kaufmännische Geschäftsfüherin) und der scheidende Technische Geschäftsführer Wolf-Thomas Hendrich über den Aufbau des neuen Unternehmens:
Was waren im Fall von Nordwasser die wesentlichen Erfolgsfaktoren für den Aufbau eines komplett neuen Wasserver- und Abwasserentsorgers?
Allem voran ist sicher die frühzeitige Planung und Vorbereitung zu nennen. Mit Gründung der Nordwasser GmbH im Jahr 2015 konnten alle nötigen Unternehmensstrukturen aufgebaut werden und durch den recht langen Planungshorizont von gut drei Jahren überlegte, nachhaltige Entscheidungen getroffen werden, wie beispielsweise die Auswahl geeigneter IT-Lösungen.
Darüber hinaus sind die Zugehörigkeit zum städtischen Unternehmensverbund Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding GmbH (RVV) und die damit verbundenen Synergien zu betonen. Nicht zuletzt konnten wir durch unsere proaktive Kommunikation gegenüber unseren zukünftigen Mitarbeitern und den Kunden des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV) frühzeitig Vertrauen auf- und Unsicherheiten abbauen.
Welche Erfahrungen haben Sie bei der Rekommunalisierung gemacht, die gegebenfalls auch anderen kommunalen Unternehmen, die künftig vor so einer Herausforderung stehen, hilfreich sein könnten?
Das Ende eines Vertragsverhältnisses und die damit verbundene Regelung von Rechten und Pflichten bei einem Betriebsübergang 25 Jahre bei Vertragsabschluss vorauszusehen, ist verständlicherweise für die Vertragsparteien schwierig. Auch deshalb ist es ungemein wichtig, genau diese Vertragsinhalte vorab möglichst detailliert zu beschreiben. Selbstverständlich ist es eine große Herausforderung, auch technische Entwicklungen (zum Beispiel Entwicklung in der IT) vorauszusehen. Dennoch sollte es immer der Anspruch sein, die Übergabe wesentlicher Informationen hinsichtlich Zeitpunkt und Art, wie beispielsweise Übersichten über Lieferanten- und Dienstleistungsverträge, Betriebs- und Geschäftsausstattung oder auch Daten aus Geoinformationssystemen exakt zu beschreiben, um spätere Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden und die Betriebsführung für das übernehmende Unternehmen zu erleichtern.
Wie hoch ist der Bekanntheitsgrad der neuen Unternehmensmarke Nordwasser in Rostock und welche Marketingmaßnahmen waren am effektivsten, um die Bekanntheit und die Akzeptanz zu erhöhen?
Über mehrere Kommunikationskanäle und mit einem professionellen Markenauftritt konnten wir bereits fast ein Jahr vor dem Betriebsübergang die Bekanntheit und Akzeptanz der Nordwasser GmbH anstoßen: unter anderem mit einer interaktiven Website, einem Begrüßungsschreiben an alle Kunden des WWAV, einer emotionalen City-Light-Kampagne und ausgewählten Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel die Präsenz auf Veranstaltungen und Messen. Unser Slogan "erfrischend regional" wurde von unseren eigenen Mitarbeitern geschaffen und wir versuchen, dieses Motto in allen Unternehmensbereichen mit "Leben zu erfüllen". Wichtig war im Vorfeld auch die regelmäßige Präsenz in Presse, Funk und im regionalen TV.
Im Vorfeld der Rekommunalisierung wurden immer wieder eine transparentere Kostenstruktur und ein deutlich effizienteres Modell als das bisherige privat-öffentliche Betreibermodell (PPP) herausgestellt. Was ist an Ihrem Modell effizienter und wie konkret sind die jüngsten Gebührensenkungen möglich gewesen?
Es sind mehrere Aspekte anzuführen. Besonders augenfällig sind die Synergien im städtischen Firmenverbund. Hier konnten durch gemeinsame Software-Lösungen, günstige Einkaufkonditionen oder auch die gemeinsame Nutzung eines Kundencenters bereits nachvollziehbare Effekte erzielt werden.
Ganz entscheidend ist auch das Wesen unseres Betriebsführungsvertrages. Dieser basiert auf der für kommunale Unternehmen anzuwendenden LSP-Kalkulation (Leitsätze für die Preisermittlung auf Grund von Selbstkosten) und sichert damit die Prüf- und Vergleichbarkeit sowie die Transparenz – nicht zuletzt für unseren Auftraggeber WWAV.
Die Trinkwasserversorgung in Rostock soll unabhängiger von der Warnow werden, klimatische Veränderungen sollen noch stärker in die Strategien aufgenommen werden. Was planen Sie hier konkret und wo sehen Sie in nächster Zeit die größten Herausforderungen in Sachen Trinkwasserversorgung?
Die Themen sind nicht neu und wurden bereits in Trinkwasserkonzeptionen des Warnow Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV) betrachtet. Aktuell arbeitet die Nordwasser GmbH im Auftrag des WWAV an der Aufgabenstellung und Fortschreibung der Trinkwasserkonzeption für das Verbandsgebiet. Der WWAV wird darin strategische Antworten auf die künftigen Herausforderungen wie Bevölkerungszuwachs, steigende Trinkwassernachfrage durch Industrie und Gewerbe sowie die klimatischen und gesetzlichen Veränderungen geben.
Der Branchenverband Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft (BDE) hat Mitte 2017 eine Beihilfebeschwerde bei der EU eingereicht, bei einem Erörterungstermin hatte die EU-Kommission keine grundsätzlichen Einwände. Wann erwarten Sie eine abschließende Entscheidung der EU? Wie stark beeinträchtigt diese Restunsicherheit noch den weiteren Unternehmensaufbau der Nordwasser?
Der weitere Unternehmensaufbau schreitet planmäßig voran, wir sind hier in keinster Weise eingeschränkt. Die Geschäftsführung und die Gremien sind hier sehr zuversichtlich bezüglich des weiteren Verlaufes.
Herr Hendrich wechselt zum 1. Januar als neuer Geschäftsführer zu den Versorgungsbetrieben Hoyerswerda. Ist seine Nachfolge schon abschließend gelöst und bis wann soll hier ein Nachfolger/eine Nachfolgerin gefunden sein?
Unsere Gesellschafter befinden sich bereits im Auswahlprozess, um keine Zeit zu verlieren. Allem voran steht die fachliche und persönliche Eignung. Weiterhin haben wir eine engagierte Führungsmannschaft, so dass alle Themen auch zukünftig nahtlos weiter bearbeitet/verfolgt werden. (Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)
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Einen ausführlichen Artikel zum Aufbau des neuen Rostocker Wasserver- und Abwasserentsorgers lesen Sie in der Novemberausgabe der ZfK.

