Auch wenn Kläranlagen einen großen Teil des durch Waschpulver verursachten Glyphosats zurückhalten, gelangt noch eine beträchtliche Menge in die Gewässer.

Auch wenn Kläranlagen einen großen Teil des durch Waschpulver verursachten Glyphosats zurückhalten, gelangt noch eine beträchtliche Menge in die Gewässer.

Bild: © Lightfield Studios/AdobeStock

Das Herbizid Glyphosat ist sehr umstritten, da es vermutlich krebserregend ist. Es verunreinigt Oberflächengewässer rund um den Globus. Bei der Untersuchung von langfristigen Zeitreihen der Konzentration des Düngemittels in Flüssen in Europa und den USA hat nun ein Forscherteam um Carolin Huhn, Professorin für Effektbasierte Umweltanalytik an der Uni Tübingen, ermittelt, dass die Haupteintragsquelle in Flüsse und Seen möglicherweise nicht die Landwirtschaft ist.

Das Glyphosat könnte durch kommunales Abwasser in die Umwelt gelangen. Die  Experten vermuten, dass Glyphosat als Umwandlungsprodukt von sogenannten Aminopolyphosphonaten (AMPA) entsteht. Dieser Stoff wird in europäischen, aber nicht in US-amerikanischen, Waschmitteln verwendet, heißt es in der auf „Research Square“ veröffentlichten Analyse mit dem Titel „Stammt die Glyphosat-Kontamination in europäischen Gewässern nicht von Herbiziden?“ Dabei handelt es sich um ein Preprint, das noch nicht begutachtet wurde.

Glyphosat-Verbot führt nicht zu Rückgang

Bei der Analyse von Wasser-Datenreihen hat die Forschergruppe in den USA eine recht klare Korrelation zwischen Düngeperioden auf landwirtschaftlichen Flächen und dem Nachweis in Fließgewässern ermittelt. Messdaten in Europa weisen andere Merkmale auf: Dort gibt es die typischen landwirtschaftlichen Eintragsmuster kaum oder gar nicht.

Zum Beispiel zeigten sich in den für Glyphosat wichtigen Anwendungszeiten bei Vorsaatbehandlungen im Frühjahr und Spätsommer/Herbst keine höheren Nachweise im Wasser als sonst üblich. Auch die Vorgaben zur Reduzierung und zum Verbot von Glyphosatanwendungen vor der Ernte schlugen sich nicht in den Daten nieder. Selbst das vollständige Verbot von Glyphosat in Luxemburg hatte keine Auswirkung auf das Vorkommen in Gewässern.

Glyphosat als Abbauprodukt von Waschmitteln

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass in Europa eine ziemlich konstante Quelle sowohl für Glyphosat als auch für AMPA vorhanden sein muss. Doch woher stammt das Pestizid? Die wichtigste Erkenntnis sei ihr auf einem Kongress gekommen, als sie einen Vortrag über PFAS hörte, berichtet die Forscherin Huhn dem Onlinemagazin „Spektrum“.

„Ein Referent erläuterte, dass die kleinen, kritischen PFAS aus langkettigen Vorläufern entstehen. Das war der Schlüssel für mich zu sagen: Glyphosat ist gar nicht die Quelle. Sondern wir haben einen Stoff, aus dem Glyphosat und AMPA entstehen“, erklärt Huhn. Nun haben die Wissenschaftler die Hypothese aufgestellt, dass sowohl Glyphosat als auch AMPA aus einem gemeinsamen Vorläufer gebildet werden, der in Haushalten verwendet wird. Dabei könnten es sich um chemisch verwandte Waschmittelzusätze handeln, die Aminomethylphosphonaten (AMP).

Eintrag über Kläranlagen

Als Quelle haben die Forscher Abwasseraufbereitungsanlagen lokalisiert. Doch auch wenn Kläranlagen 80 bis 90 Prozent dieser Stoffe zurückhalten, gelangt noch eine beträchtliche Menge in die Gewässer. Im Fokus weiterer Untersuchungen stehen nun die Wasserenthärter, die handelsüblichen Waschmitteln zugesetzt sind. (hp)

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