André Bähler, Verbandsvorsteher vom Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE). Der Verband fördert aus den Tiefen des Urstromtals in Märkisch-Oderland Trinkwasser und versorgt damit etwa 170.000 Menschen. Auch die Tesla-Fabrik soll bald zu den Abnehmern gehören.

André Bähler, Verbandsvorsteher vom Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE). Der Verband fördert aus den Tiefen des Urstromtals in Märkisch-Oderland Trinkwasser und versorgt damit etwa 170.000 Menschen. Auch die Tesla-Fabrik soll bald zu den Abnehmern gehören.

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) entsorgt vorerst weiter die Abwässer der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin. Die Beschlussvorlage von Verbandsvorsteher André Bähler, die Abnahme von Abwasser wegen überschrittener Grenzwerte zu stoppen, wurde vertagt, wie der Vorsitzende der Verbandsversammlung, Henryk Pilz, am Freitag mitteilte. Zuvor hatten die Zeitungen «B.Z» und «Tagesspiegel» berichtet.

Pilz, der auch Bürgermeister der Kleinstadt Erkner ist, trat nach der Sondersitzung der 16 Mitgliedskommunen des WSE mit sofortiger Wirkung als Verbandsversammlungsvorsitzender zurück. «Ich bin nicht mehr bereit, in der Konstellation die Verbandsversammlung nach außen hin zu vertreten», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Tesla hatte vor Einleitungsstopp gewarnt

Aus einer WSE-Beschlussvorlage geht hervor, dass Tesla dem Wasserverband zufolge «ständig und in erheblicher Weise» Abwassergrenzwerte überschreite. Das betreffe die Werte für refraktären Phosphor sowie für Gesamtstickstoff.

Der US-Elektroautobauer Tesla hatte den WSE vor einem Entsorgungsstopp beim Abwasser gewarnt. «Ihnen ist bekannt, dass der Stopp einer Einleitung der Abwässer der Gigafactory zu einem Produktionsstopp der Gigafactory führen würde. Ein solcher Beschluss verursacht täglich einen Schaden in Millionenhöhe», hieß es in einem Schreiben des Unternehmens an WSE-Chef Bähler und den Vorsitzenden der Verbandsversammlung.

Unterschiedliche Grenzwerte

Zuvor hatten die Behörden betont, dass sie keine Gefahr für die Bevölkerung sehen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur lag der Wert für Phosphor seit der Eröffnung der Fabrik vor fast zwei Jahren fünfmal über dem behördlichen Grenzwert, vier Überschreitungen gab es bezogen auf den Vertrag mit WSE. Die Werte gehen auf eigene Messungen von Tesla zurück, die dem Landkreis vorliegen.

„Aufgrund der Stoffe, bei denen eine Überschreitung aufgetreten sein soll – refraktärer Phosphor und Stickstoff –, können Gefahren für die Gesundheit und die öffentliche Trinkwasserversorgung ausgeschlossen werden», heißt es beim Landkreis Oder-Spree auf Anfrage. Der «Stern» hatte zuvor berichtet, bei Messungen im Auftrag des Wasserverbands habe Tesla 40 Mal den Phosphor-Grenzwert überschritten – dabei liegt allerdings ein anderes Limit als das behördliche zugrunde.

Umweltschützer fordern von Politik Ausbau-Stopp von Tesla-Werk

Umweltschützer haben die Politik in Brandenburg unterdessen aufgefordert, die Erweiterungspläne des US-Autobauers Tesla in Grünheide bei Berlin zu stoppen. Bis dahin wollen sie den Wald neben der Fabrik von Milliardär Elon Musk besetzt halten, um eine Rodung zu verhindern, wie sie am Wochenende ankündigten. «Unser Protest hat gerade erst angefangen und wird noch größer werden», sagte Lou Winters vom Bündnis «Tesla den Hahn abdrehen» am Samstag.

Die 80 bis 100 Umweltaktivisten aus vielen Ecken Deutschlands bauten ihr am Donnerstag aufgeschlagenes Protestcamp mit zehn Baumhäusern aus. Sie sahen sich vor allem durch Zuspruch auch von Anwohnern gestärkt.

(dpa/hp/hoe)

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