Blick auf die Gasbohranlage im August 2025 (Aufnahme mit Drohne): Unweit des idyllischen Ammersees haben Gasbohrungen stattgefunden.

Blick auf die Gasbohranlage im August 2025 (Aufnahme mit Drohne): Unweit des idyllischen Ammersees haben Gasbohrungen stattgefunden.

Bild: © Peter Kneffel/dpa

Die Messwerte sind unter Grenzwert, sagt das Bergamt Südbayern. Doch die neu ermittelte Grundwasser-Fließgeschwindigkeit von zehn Metern pro Tag revidiert alle bisherigen Annahmen für ein Notfallkonzept dramatisch. Die Werte wurden in der Nähe einer Gasbohrung ermittelt.

Trotz eines im vergangenen August festgestellten Anstiegs teils giftiger Substanzen im Grundwasser rund um eine Gasbohrung in Reichling gibt es nach Ansicht des Bergamts Südbayern keinen Grund zur Sorge.

"Aus keinem der bisherigen Untersuchungsergebnisse ergeben sich Anhaltspunkte für Gefahren für Mensch oder Umwelt. Anlass zur Änderung oder gar zum Widerruf bestehender Genehmigungen bestand daher nicht", teilte die Aufsichtsbehörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in München mit.

Kürzlich war bekanntgeworden, dass bei Messungen laut Wasserwirtschaftsamt Weilheim ein signifikanter Anstieg der Parameter von Zink, Barium und BTEX mit teils deutlicher Überschreitung der "Geringfügigkeitsschwellenwerte" (GFS) festgestellt worden war.

BTEX ist die Sammelbezeichnung für die leichtflüchtigen aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole. Diese giftigen Substanzen sind Bestandteile von Treibstoffen, Lösemitteln und Farben, die Böden und Grundwasser verunreinigen können. Benzol ist zudem als krebserzeugend eingestuft. Auch Barium gilt als giftig. 

Das Wasserwirtschaftsamt erklärte damals, dass durch die Erdarbeiten möglicherweise Schadstoffe mobilisiert wurden, die bereits von der ersten Kohlenwasserstoffbohrung vorlagen. 

Bessere Kommunikation zwischen den Ämtern

"Insgesamt gaben und geben die Messergebnisse zu keinem Zeitpunkt Anlass zu Besorgnis", hieß es nun vom Bergamt. Das Trinkwasser von Reichling aus der Quelle Erbistal und die umliegenden relevanten Messstellen würden weiterhin entsprechend den Auflagen "regelmäßig untersucht" und die Untersuchungsergebnisse durch ein unabhängiges Sachverständigenbüro sowie die Fachbehörden bewertet. "Die Messergebnisse lagen und liegen ausnahmslos weit unter jedem relevanten Grenzwert."

Dies gelte auch hinsichtlich besagter Messung im August 2025, als ein "kurzzeitiger Anstieg" der Parameter Barium, Zink und BTEX zu verzeichnet wurde. "Auch diese Messergebnisse bewegten sich immer noch weit unterhalb jedes relevanten Grenzwerts und gingen in kürzester Zeit auch wieder auf diejenige Schwankungsbreite zurück, innerhalb derer sich die Messergebnisse schon vor Beginn der Bohrung konstant bewegten", betonte das Bergamt.

Entwarnung gab es seitens des Bergamts auch hinsichtlich einer vom Wasserwirtschaftsamt bemängelten ungenügenden Übermittlung von Messergebnissen samt Bewertungen des Sachverständigen: "Die monierte Übermittlungsgeschwindigkeit bei der Dokumentation der Messergebnisse an das Wasserwirtschaftsamt ist seit September 2025 verbessert worden. Anlass zu ’Sanktionen’ bestand nicht."

Ferner seien alle fehlenden Unterlagen umgehend nachgereicht worden, hieß es jetzt vom Bergamt. "Die weiteren seither und bis zuletzt vorzulegenden Untersuchungsergebnisse, jeweils einschließlich Bewertung durch ein unabhängiges Sachverständigenbüro, hat der Vorhabenträger jeweils umgehend vorgelegt; insoweit sind uns insbesondere keine Beschwerden oder sonstigen Hinweise auf Verzögerungen bekannt geworden."

Gasbohrung: 72 Tage statt zwei Jahre

Weniger beruhigend ist in der Antwort des Bergamts aber ein anderes Detail: Das Grundwasser im Umfeld der Gasbohrung bewegt sich viel schneller als angenommen. "Derzeit wird von einer Grundwasser-Fließgeschwindigkeit von zehn Metern pro Tag ausgegangen", teilte das Bergamt mit. 

Im Notfallkonzept für den Trinkwasserschutz der Gemeinde war noch eine Fließgeschwindigkeit von nur einem Meter pro Tag angenommen worden, zwischenzeitlich hatte das Wasserwirtschaftsamt Weilheim nach Messungen eine Geschwindigkeit von mindestens drei Metern pro Tag errechnet. 

Die Fließgeschwindigkeit ist eine wichtige Kenngröße, da sie die mögliche Zeit für Schutzmaßnahmen an der Trinkwasserquelle bedingt. Je schneller das Wasser fließt, desto kürzer wäre im Falle von Verunreinigungen durch die Bohrung der Zeitkorridor für einen Eingriff.

Die Trinkwasserquelle ist rund 720 Meter vom Bohrloch entfernt – dies bedeutet, dass Schadstoffe schon nach 72 Tagen die Quelle erreichen könnten. Bisher hatte es immer geheißen, dass dies knapp zwei Jahre dauern dürfte.

Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit

Die Suche nach Erdgas in Reichling war fortwährend von massiver Kritik von Anwohnern begleitet worden. Von Anfang an hatte es etwa die Sorge gegeben, dass die Trinkwasserquelle verunreinigt werden könnte.

Hinter den Förderplänen steht das Unternehmen "Energieprojekt Lech Kinsau 1", das zu 80 Prozent im Besitz der MRH Mineralöl-Rohstoff-Handel mit Sitz in Düsseldorf ist und zu 20 Prozent von Genexco gehalten wird. 

Nachdem die Probebohrung im September 2025 abgeschlossen werden konnte, laufen derzeit Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit des Projektes. Der Betreiber hatte damals mitgeteilt, dass die Erkundungsbohrung "ohne Komplikationen sowie ohne Schädigung der Umwelt" erfolgt sei.
Das Unternehmen plante bisher immer eine Förderung von Erdgas über 10 bis 15 Jahre. Es wird eine Gasmenge von 400 bis 500 Millionen Kubikmetern vermutet; diese könnte den Gasbedarf von 10.000 bis 15.000 Haushalten decken.

Mehrere Umweltverbände wollen unterdessen die Forderung nach einem Bohrstopp in den Landtag einbringen. Fast 60.000 Menschen hätten eine Unterschriftenaktion dazu unterstützt, hieß es von den Verbänden im Vorfeld.

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