Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD)

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD)

Bild: © Carsten Koall/dpa

München, Potsdam und immer mehr Landkreise: Der Wassermangel in Deutschland verschärft sich und veranlasst Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zu einer aufrüttelnden Prognose. "Künftig werden wir ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland", sagte er dem "Spiegel". "Deutschland war bisher ein wasserreiches Land, aber das ändert sich gerade."

Nach Dresden und München sah sich am Mittwoch mit Potsdam die nächste Landeshauptstadt gezwungen, Wasserentnahmeverbote zu erlassen. Bis Anfang Oktober ist demnach die Wasserentnahme aus Gräben, Flüssen und Seen untersagt.

Potsdam, Dresden und München mit Wasserentnahmeverboten

Der Hintergrund: die anhaltende Trockenheit. "Im Land Brandenburg lagen die Niederschläge im März 64 Prozent unter dem langjährigen Mittel, im Mai 19 Prozent unter dem Mittel und im Juni 40 Prozent unter dem Mittel", teilte die Stadt mit.

Potsdam steht damit in einer wachsenden Reihe von Kommunen mit Wasserauflagen. Nach Informationen des Regionalsenders RBB verboten 14 Landkreise und vier kreisfreie Städte in Brandenburg die Nutzung von Wasser aus Seen und Flüssen. Teils gelten die Auflagen für das ganze Kreisgebiet, teilweise sind sie örtlich begrenzt. Auch mehrere sachsen-anhaltinische Landkreise reagierten mit Allgemeinverfügungen.

Zuvor hatte die Stadt München weitreichende Einschränkungen erlassen. Private Pools dürfen nicht mehr befüllt werden, auch das Rasensprengen und Abpumpen von Wasser aus Seen und Flüssen sind verboten. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 50.000 Euro. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) begründete den Schritt damit, dass "nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling" die Ressourcen der Münchner Wasserversorgung "derzeit äußerst strapaziert" seien.

München: Maßnahmen zeigen Wirkung

Die Maßnahmen in der bayerischen Landeshauptstadt zeigten inzwischen Wirkung. Der Verbrauch sei am Mittwoch auf unter 330 Millionen Liter gesunken und damit wieder in einen durchschnittlichen Bereich gerutscht, teilte ein Stadtwerke-Sprecher auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Während der Hitzetage Ende Juni hatte der Verbrauch bei etwa 400 Millionen Liter am Tag gelegen – nach einem ungewöhnlich trockenen Frühjahr, in dem sich wenig Trinkwasser bildete.

Der jetzt gesunkene Verbrauch zeige "auf jeden Fall eine Änderung im Nutzungsverhalten", teilte der Stadtwerke-Sprecher mit. Er schränkte aber ein: "Inwieweit dies durch die Regelungen der Allgemeinverfügung oder auch durch einen Rückgang des Bedarfs aufgrund der vereinzelten Niederschläge bedingt ist, lässt sich für uns nicht im Detail nachvollziehen."

Entspannung könnte kurzfristig Regen bringen. Allerdings warnt der Deutsche Wetterdienst zugleich vor Unwettern, Starkregen und Hagel.

Experte fordert Monitoring zu Wasserentnahme

Dessen ungeachtet forderte zuletzt der Hydrologe und Dürre-Experte Andreas Marx vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ein flächendeckendes Monitoring zur Nutzung von Grund- und Oberflächenwasser.

Angesichts trockener Böden und niedriger Grundwasserspiegel ist der Forscher der Meinung, dass "wir in Deutschland endlich ein Monitoring davon haben sollten, wer zu welchem Zeitpunkt wie viel Wasser aus dem Boden entnimmt, aus dem Grundwasser, aber auch aus Oberflächengewässern". 

Einen ersten Überblick zur Wassersituation in Deutschland liefert seit Mittwoch zumindest das Niedrigwasser-Informationssystem Niwis. Stand Freitagnachmittag war der Grundwasserpegel an einem Viertel der ausgewerteten Messstationen bundesweit "sehr niedrig". Bei einem weiteren Fünftel war er sogar "extrem niedrig".

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