Wochenlange Hitze und nur wenig Regen zeigen in großen Teilen Deutschlands immer mehr Wirkung. "Alle deutschen Stromgebiete [große Flusseinzugsgebiete, Anm. d. Red.] sind inzwischen betroffen", teilte die Bundesanstalt für Gewässerkunde am Dienstag mit. "Regional auftretende Schauer und Gewitter, wie sie für die nächsten Tage vorhergesagt werden, können nur ein vorübergehendes kurzes Ansteigen der Wasserstände und Abflüsse bewirken."
Die Stadt München hat inzwischen durchgegriffen: Weil der Wasserverbrauch in der bayerischen Landeshauptstadt zuletzt erneut gestiegen war, erließ das Rathaus am Dienstag eine Allgemeinverfügung zur Nutzung und Entnahme von Wasser, die bis zum 1. August gilt.
Autowaschen zu Hause untersagt
Demnach ist das Waschen von Autos außerhalb von Waschanlagen untersagt. Auch Rasen dürfen nicht mehr bewässert werden. Zudem soll das Referat für Klima- und Umweltschutz zusammen mit den Stadtwerken München eine Wasserstrategie erarbeiten, "um die Wasserversorgung der Stadt München vor dem Hintergrund sich verändernder klimatischer Bedingungen wie anhaltender Trockenheit und Hitzeperioden dauerhaft zu gewährleisten", teilte das Rathaus mit.
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Auch in Würzburg wachsen die Sorgen. Die unterfränkische Universitätsstadt liegt in einer der heißesten und trockensten Regionen Bayerns. Sein Trinkwasser bezieht Würzburg zudem hauptsächlich aus lokalen Quellen. Damit gewinnt Regen für die Wassersituation vor Ort noch an Bedeutung.
"Zwischen dem 15. Juni und dem 14. Juli sind in Würzburg gerade mal 9,6 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen", schilderte Klimabürgermeisterin Sandra Vorlová (Grüne) bei einer Pressekonferenz im Bundesumweltministerium. "Dabei sind 9,1 Liter an einem einzigen Tag, dem 30. Juni, gefallen." Für Vorlová ist das Teil eines Trends. "Lange Dürreperioden und dann Starkregen in kurzer Zeit."
Vier Kategorien zu Niedrigwasser
Wie es um die Wasserstände bundesweit steht, lässt sich seit Mittwoch beim Niedrigwasser-Informationssystem, kurz Niwis, nachlesen. Die Seite hatte allerdings Startprobleme.
Gezeigt werden aktuelle Messwerte für Oberflächengewässer und Grundwasser ausgewählter Messstationen. Diese Werte werden gegenüber der saisonal üblichen Situation eingeordnet und in vier Kategorien dargestellt. Die blaue Farbe steht für "kein Niedrigwasser", gelb für "niedrig", orange für "sehr niedrig" und rosa für "extrem niedrig". Die graue Farbe wird angezeigt, wenn keine Daten vorliegen.
Außerdem zeigt das Portal, in welcher Region in Deutschland wie viel Niederschlag gefallen ist. Konkret handelt es sich um einen standardisierten Index, der über- oder unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen der letzten sechs Monate räumlich darstellt.
Grundwasser: Lage im Süden überwiegend kritisch
Am Mittwoch stellte sich die Lage so dar: Gerade im Süden Deutschlands wurden die Grundwasserstände überwiegend als "extrem niedrig" eingestuft. In der Alpenregion lag der "Extrem niedrig"-Anteil sogar bei 80 Prozent. Im rheinisch-westfälischen Tiefland wiederum färbten sich alle Messstationen blau. Das bedeutet: Hier gibt es kein Niedrigwasser-Problem.
Auch im west- und mitteldeutschen Grundgebirge dominierte die blaue Farbe. Ein anderer Mix ergab sich im südwestdeutschen Grundgebirge. Zwei Drittel der Messstationen zeigten sehr niedrige und ein Drittel sogar extrem niedrige Wasserstände.
Orientierungshilfe für Kommunen und Werke
Das Portal Niwis soll Behörden, Wasserwerke und weitere Akteure bei Entscheidungen im Umgang mit Wasserknappheit unterstützen. Darüber hinaus kann sich die Öffentlichkeit ein eigenes Bild verschaffen.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde betreibt das Portal. Das Bundesumweltministerium stellt nach eigenen Angaben jährlich rund 200.000 Euro bereit.
Es sei nicht so, dass es in Deutschland kaum Wasserdaten gegeben hätte, erklärte Würzburgs Klimabürgermeisterin Vorlová. "Bislang mussten wir Informationen aber aus unterschiedlichen Systemen zusammensuchen. Die Stärke von Niwis liegt deshalb nicht darin, dass es mehr Daten gibt, sondern dass Orientierung entsteht. Genau diese Orientierung brauchen wir in den Kommunen."