Die Stadtwerke Hattingen stellen ab dem 1. August das Preissystem für die Trinkwasserversorgung für ihre rund 4000 Kunden um. Der Arbeitspreis werde deutlich abgesenkt, erklärt der Geschäftsführer Lars Tellmann. „Die Höhe des Grundpreises ist jetzt von einer Verbrauchsklasse abhängig. Der Grundpreis ist gestaffelt und nimmt mit dem Verbrauch zu. Es gibt insgesamt acht Verbrauchsklassen. Für die Einstufung in eine Verbrauchsklasse wird der Mittelwert der Verbrauchsmengen aus den letzten fünf Jahren zugrunde gelegt.“
Hauptgrund für die Änderung des Preissystems ist, dass im alten Preismodell die Kosten für Vorhalteleistungen nicht verursachungsgerecht zugewiesen werden, teilen die Stadtwerke mit. Der Grundpreis ist bisher allein vom Zähler abhängig und für alle Tarifkunden gleich. Der Geschäftsführer macht das an einem Beispiel klar: „Das führt dazu, dass ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 120 Kubikmetern den gleichen Grundpreis, nämlich 186 Euro netto im Jahr, zahlt wie der Eigentümer eines Mehrfamilienhauses, wo ebenfalls über nur einen Zähler 14 Haushalte versorgt werden, die zusammen 1400 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr verbrauchen. Das ist nicht kostengerecht und das wollten wir ändern. Denn die Kosten für unser Trinkwasser betreffen eben nicht nur den Zähler, sondern umfassen das ganze vorgelagerte Versorgungssystem, das wir vorhalten müssen, damit unser Trinkwasser rund um die Uhr in gewohnt guter Qualität und mit dem nötigen Wasserdruck auch in die siebte Etage des Mehrfamilienhauses gelangt.“
Beispiel für die Auswirkungen
Das neue Preissystem habe darüber hinaus den Vorteil, dass sinkende Abgabemengen beim Versorger in Zukunft nicht zwangsläufig zu Preissteigerungen beim Kunden führen. Denn mit der Umstellung wird mit fast 40 Prozent ein erheblich höherer Anteil der Gesamtkosten der Wasserversorgung über einen konstanten Grundpreis abgedeckt. Da die Gesamtkosten überwiegend fix sind, ist das Preissystem ausgewogen an die Kostenstruktur angepasst.
Das neue Wasserpreissystem führt bei allen Tarifkunden zu geänderten Wasserpreisen. Jeder dritte Kunde zahlt weniger. Der gesunkene Mengenpreis und die geringfügige Anhebung des Grundpreises führt in der Verbrauchsklasse bis 150 Kubikmetern zu niedrigeren Wasserkosten. So sinken die Kosten für einen Einfamilienhaushalt mit 120 Kubikmeter Jahresverbrauch um 1,65 Euro im Monat. Kunden in höheren Verbrauchsklassen zahlen mehr. In einem Mehrfamilienhaus mit 14 Parteien und 1400 Kubikmetern Jahresverbrauch beträgt der monatliche Mehrbetrag für einen einzelnen Haushalt im Mittel 2,40 Euro.
Geringe Kosten für die Umstellung
Die Stadtwerke haben seit sechseinhalb Jahren die Wasserpreise konstant gehalten. Es gab in der Wassersparte jedoch Kostensteigerungen, die überwiegend nicht bzw. nicht direkt beeinflussbar sind. Das sind vor allem gestiegene Marktpreise für Material und Bauleistungen, höhere Preise für den Fremdwasserbezug sowie Lohn- und Gehaltszuwächse aufgrund von Tarifabschlüssen. Um die Kostensteigerungen auszugleichen, haben die Stadtwerke die durchschnittlichen Wasserpreise für die Tarifkunden an die Entwicklung der allgemeinen Preissteigerungsrate für Verbraucher in Deutschland angepasst.
Geschäftsführer Tellmann ist zuversichtlich: „Wir haben das für unsere Kunden optimale Preissystem gewählt: Neben der verursachungsgerechten Kostenzuweisung der Vorhalteleistungen, dem höheren Grundpreisanteil und der Preissenkung für ein Drittel unserer Kunden war es uns wichtig, die Kosten für die Umstellung auf das neue Preissystem gering zu halten. Alle Datengrundlagen für die Jahresendabrechnung sind nach wie vor klar und eindeutig und das geänderte Tarifblatt bleibt für unsere Kunden verständlich und nachvollziehbar. Das neue Preissystem wird daher dauerhaft Bestand haben. Die neuen Preise sind nach dem Kommunalabgabengesetz für drei Jahre festgelegt und werden aller Voraussicht nach mindestens fünf Jahre nicht steigen.“ (hp)


