Trotz einer leichten Verbesserung ist der Anteil der Grundwassermessstellen mit zu hohen Nitratgrenzwerten in Sachsen-Anhalt weiterhin deutlich zu hoch.

Trotz einer leichten Verbesserung ist der Anteil der Grundwassermessstellen mit zu hohen Nitratgrenzwerten in Sachsen-Anhalt weiterhin deutlich zu hoch.

Bild: © Jens Büttner/dpa

Nicht nur an den offiziellen Messstellen im Grundwasser, auch in Brunnenwasser werden in Sachsen-Anhalt häufig die Grenzwerte für Nitrat überschritten. Wie die gemeinnützige Umweltschutzorganisation VSR Gewässerschutz mitteilte, wurden seit Jahresbeginn bei zahlreichen Proben unter anderem im Landkreis Börde und Harz erhöhte Nitratwerte auch im Brunnenwasser festgestellt.

«Das bedeutet Einschränkungen für die Nutzung im Garten», sagte Sprecher Harald Gülzow der Deutschen Presse-Agentur. Ab einem bestimmten Wert sollten mit dem Wasser dann keine Teiche mehr befüllt oder Gemüse gegossen werden.

Ausweisung belasteter Flächen verdoppelt

Erst Anfang Juni war Deutschland im Streit über nitratbelastetes Wasser einer Millionenstrafe der EU entgangen. Das Verfahren lief bereits seit mehreren Jahren. Der Europäische Gerichtshof hatte Deutschland bereits 2018 wegen der Verletzung von EU-Recht verurteilt, weil die Regierung über Jahre zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen hatte. Erst diesen Sommer teilte die EU-Kommission mit, dass die von Bund und Ländern erlassenen Regeln EU-Recht entsprächen.

Anfang des Jahres hatte auch Sachsen-Anhalt reagiert und fast doppelt so viele Agrarflächen wie bisher als mit Nitrat belastet ausgewiesen. Agrarbetriebe, die solche Flächen bewirtschaften, müssen verschärfte düngerechtliche Anforderungen einhalten. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind rund zwölf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Sachsen-Anhalt als sogenannte «rote Gebiete» mit erhöhten Nitratwerten eingestuft.

Träge Reaktion des Grundwassers

Dass auch nach der Gesetzesänderung noch erhöhte Nitratwerte gemessen worden sind, verwundert das Ministerium nicht. Grundwasser reagiere auf Änderungen oft nur sehr langsam, teilte ein Sprecher mit. Es könne Jahrzehnte dauern, bis sich Änderungen bei der Bewirtschaftung in den Grundwasserwerten niederschlagen. Laut EU gilt ein Grenzwert von 50 mg/l. Die Umweltorganisation VSR Gewässerschutz hat nach eigenen Angaben bei ihren Brunnenproben teilweise Werte von mehr als 150 mg/l festgestellt.

Das Umweltbundesamt in Dessau ist über das Ende des EU-Verfahrens gegen Deutschland nicht glücklich. Es bleibe zu hoffen, dass der politische Handlungsdruck nicht nachlasse, um die Nitrateinträge weiter zu reduzieren, sagte Falk Hilliges vom UBA. «Aktuell sehen wir zwar leichte Verbesserungen, aber der Anteil der Messstellen, an denen die Grenzwerte überschritten werden, ist weiter deutlich zu hoch.» (dpa/hp)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper