Die Wasserversorgung in Sachsen-Anhalt muss in Zukunft neuen und größeren Anforderungen gerecht werden als in den letzten Jahrzehnten.
Die Ausgangslage: Zwei große Fernwasserversorgungsnetze liefern etwa 75 Prozent des derzeitigen Bedarfes im Land – eines davon ist nicht auf Sachsen-Anhalt beschränkt und umfasst auch den Großraum Leipzig. 16 weitere Wasserversorger stellen im Wesentlichen den verbleibenden Teil bereit.
Bereits heute erreichen die beiden großen Fernwasserversorgungsnetze im Land in Spitzenzeiten ihre Kapazitätsgrenzen. Dies ist unter anderem auf die erfolgreichen Industrieansiedlungen in der Region in den letzten Jahren zurückzuführen.
Insbesondere durch die Ansiedlung weiterer Industriebetriebe wird zukünftig ein erheblicher Mehrbedarf an Trinkwasser erwartet. Bis 2035 rechnen Experten mit einem zusätzlichen Wasserbedarf von über 35 Millionen Kubikmetern pro Jahr.
Hinzutreten – bei fortschreitendem Klimawandel – längere und häufigere Trockenperioden, ähnlich denen in den Jahren 2018 und 2019. Spitzenbedarfe steigen dann und eine größere Differenz zwischen Minimal- und Maximalwerten beim Wasserbedarf ist die Folge. Zudem soll die Resilienz der Systeme bei Havarien und Ausfällen steigen.
Die aktuellen Wasserversorgungssysteme sind nicht für diese neuen Herausforderungen und den wachsenden Bedarf ausgelegt.
Konzeptentwicklung in Kooperation
Deshalb hat es das Kompetenzzentrum Wasserwirtschaft in Halle (Saale) in gemeinsamer Arbeit mit Partnern übernommen, ein Wasserversorgungskonzept für Sachsen-Anhalt zu entwickeln. Basis des Konzeptes war eine Analyse des verfügbaren Dargebots, der Erzeugungskapazitäten und der mittelfristig zu erwartenden Bedarfe. Die Ergebnisse wurden im November 2025 dem Umweltausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt vorgestellt.
Für den Ausbau und die Entwicklung der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur konnten eine Reihe wesentlicher Schlussfolgerungen sehr konkret gezogen und beschrieben werden. Dazu gehören die Reaktivierung von zwei Wasserwerken, der Neubau und die Erweiterung bestehender Werke, die Kapazitätsausweitung bestimmter Abschnitte der Fernwassernetze, deren Verknüpfung und die Erweiterung sowie der Neubau von Behälteranlagen.
Ein zentraler Bestandteil des Zukunftskonzepts für die Trinkwasserversorgung in der Region ist die Reaktivierung des Wasserwerks Beesen. Dieses Wasserwerk soll künftig als Spitzenlastwasserwerk dienen.
Die Reaktivierung ist insbesondere in Anbetracht des zunehmenden Wasserbedarfs durch industrielle Großprojekte, die Transformation und klima- und wetterbedingte Spitzenlasten von enormer Bedeutung. In Zeiten hoher Nachfrage oder bei extremen Wetterbedingungen wie Hitze- und Trockenperioden kann es für eine stabile Wasserversorgung sorgen.
Investitionen in die Infrastruktur
Neben der Reaktivierung des Wasserwerks Beesen sind umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur erforderlich, um die Wasserversorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Armin Willingmann, Umweltminister von Sachsen-Anhalt, betonte im Rahmen eines Workshops zur Wasserversorgung im Dezember in Magdeburg, dass "wir jetzt die Weichen für Investitionen stellen müssen – und nicht erst, wenn Engpässe entstanden sind". Denn die aktuellen Kapazitätsgrenzen der Wasserversorger in Spitzenzeiten machen deutlich, dass ein sofortiger Handlungsbedarf besteht.
Das Land Sachsen-Anhalt plant daher, die Investitionen in die Wasserversorgung mit 116 Millionen Euro zu verstärken. Diese Mittel setzen sich aus einer Umschichtung von EU-Mitteln (insgesamt 83,1 Millionen Euro) sowie aus Mitteln aus dem Bundes-Sondervermögen "Infrastruktur" (32,95 Millionen Euro) zusammen. Ein erheblicher Teil wird für die Reaktivierung des Wasserwerks Beesen und für den Ausbau der Fernwasserversorgung in der Region bereitgestellt.
Die Fördermittel sind auch für andere Maßnahmen vorgesehen, darunter der Bau neuer Fernwasserleitungen und die Erweiterung bestehender Wasseraufbereitungsanlagen. Nur durch diese gezielten Investitionen können die Versorgungsstrukturen an die wachsenden Bedürfnisse angepasst werden. Ziel ist es, die Wasserversorgung zukunftsfest zu machen, um den steigenden Bedarf zu decken und gleichzeitig den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.
Innovationen und neue Technologien
Neben der Reaktivierung bestehender Anlagen spielen auch innovative Technologien und Konzepte eine Rolle für die Zukunft der Wasserversorgung. So werden neue Ansätze zur Wasserspeicherung und -aufbereitung erforderlich, um die Ressource Wasser effizienter zu nutzen und die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen. Der Einsatz von digitalen Technologien zur Optimierung der Wasserwirtschaft wird zunehmend wichtiger, um die Effizienz zu steigern und Engpässe frühzeitig zu erkennen.
Im Rahmen des Zukunftskonzepts wird auch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen städtischen und ländlichen Wasserversorgern angestrebt. Dies ist notwendig, um die Wasserversorgung im gesamten Land und insbesondere in den ländlichen Gebieten langfristig zu sichern. Innovative Konzepte zur wassersensiblen Stadtentwicklung, die die Rückhaltung von Regenwasser und die Verbesserung der Grundwasserneubildung fördern, spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Die jüngste Novelle des Wassergesetzes in Sachsen-Anhalt, die im September 2025 verabschiedet wurde, schafft die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Sie ermöglicht eine stärkere Förderung von Projekten zur Verbesserung der Wasserversorgung und zur Anpassung an den Klimawandel. In diesem Zusammenhang werden die Fördermöglichkeiten für die Reaktivierung und den Ausbau von Wasserwerken sowie für die Entwicklung neuer Infrastrukturprojekte deutlich verbessert.
Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung durch das Land werden auch Mittel der Europäischen Union und des Bundes für die Wasserversorgung bereitgestellt. Besonders die Umschichtung von EU-Mitteln im Rahmen des Programms zur Wasserresilienz und die Bereitstellung von Mitteln aus dem Sondervermögen "Infrastruktur" des Bundes können hier helfen.
Perspektiven für die Zukunft
Die kommenden Jahre werden für die Wasserversorgung in Sachsen-Anhalt entscheidend sein. Nur durch gezielte Investitionen und die Umsetzung innovativer Konzepte kann Versorgungssicherheit auch unter den schwierigen Bedingungen des Klimawandels und des wirtschaftlichen Wachstums gewährleistet werden. Das Zukunftskonzept bietet hier wichtige Impulse und Lösungsansätze.
Die Pläne müssen dabei – wegen der schon heute länderübergreifenden Fernwasserinfrastruktur – mit dem Großraum um Leipzig gemeinsam entwickelt werden.
Die geplante Reaktivierung des Wasserwerks Beesen stellt dabei einen wichtigen Meilenstein dar. Sie trägt entscheidend dazu bei, den steigenden Wasserbedarf zu decken und gleichzeitig die Resilienz der Versorgungssysteme zu erhöhen. Das Engagement der Politik, die Bereitstellung von Fördermitteln und die enge Zusammenarbeit zwischen den Versorgern sind entscheidend, um die Wasserversorgung auch in Zukunft sicherzustellen.
Co-Autor des Beitrags ist Jörg Schulze, Leiter des Kompetenzzentrums Wasserwirtschaft Halle (Saale).
Der Beitrag ist zuvor in der Februar-Ausgabe der erschienen. Zum Abo geht es hier.



