Hamburg Wasser setzt auf seiner Jahrespressekonferenz ein Signal in Richtung Zukunft: Das kommunale Wasserunternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg erhöht seine Investitionen erheblich, modernisiert alternde Infrastruktur und entwickelt sein Klärwerk konsequent zu einem Energielieferanten weiter. Der Konzern steht demnach wirtschaftlich stabil da, sieht sich jedoch mit wachsendem Investitionsdruck konfrontiert.
Im Zentrum der Ankündigungen steht ein umfangreiches Investitionsprogramm. Zwischen 2025 und 2029 sollen nach Angaben des Kaufmännischen Geschäftsführers Frank Herzog 1,15 Milliarden Euro in Netze, Anlagen und neue Technologien fließen. Besonders das Trinkwassernetz steht im Fokus: Verglichen mit der ersten Hälfte des Jahrzehnts erhöht Hamburg Wasser die Investitionen in das Trinkwassernetz in den kommenden Jahren um gut ein Drittel. Bis 2035 sollen rund 270 Kilometer Trinkwasserleitungen erneuert werden.
Rohrbrüche und "Alte Riesen"
Auslöser für das verstärkte Engagement ist auch eine Debatte um Rohrbrüche im Hamburger Netz. Martin Gerhardt, Technischer Geschäftsführer, erklärt: "Rohrbrüche wie jener an der Kollaustraße oder der B73 werden sich nie ganz vermeiden lassen. Dennoch dürfen sie nicht zur Regel werden." Nationale und internationale Vergleiche belegen nach seiner Auskunft zwar, dass das Hamburger Netz vergleichsweise selten Schäden verzeichnet. Dennoch sieht das Unternehmen Handlungsbedarf. Der rechnerische Wasserverlust im Netz lag 2025 bei 3,8 Prozent (Vorjahr: 3,6 Prozent).
Parallel zur Trinkwasserversorgung investiert Hamburg Wasser massiv in die Abwasserinfrastruktur. Als Teil des konzerneigenen Programms "Alte Riesen" – das auf die Erneuerung der historischen gemauerten Stammsiele der Stadt zielt – saniert das Unternehmen derzeit einen rund 530 Meter langen Abschnitt des "Kuhmühlenstammsiels" zwischen Baumwall und Landungsbrücken. Das Stammsielnetz bildet die zentralen Abwasserhauptleitungen Hamburgs.
Das Besondere: Der Abschnitt verläuft unmittelbar unterhalb des Hochbahnviadukts der Linie U3 und stellt aufgrund von Lage und Dimension hohe technische Anforderungen. Für die Sanierung werden passgenaue, vorgefertigte Rohre in die gemauerte Kanalstruktur eingeschoben.
Das Klärwerk wird vom Verbraucher zum Erzeuger
Ein strategisch besonders bedeutsamer Entwicklungsstrang ist die Umgestaltung des Klärwerks im Hamburger Hafen zu einem Energie- und Rohstoffstandort. 2025 produzierte die Anlage rund 120 Millionen Kilowattstunden Strom, benötigte jedoch nur 99 Millionen Kilowattstunden für die eigenen Betriebsprozesse. Der Überschuss fließt ins Netz.
Diesen Transformationspfad will Hamburg Wasser konsequent ausbauen. "Dazu werden wir am Standort des Wasserwerks Curslack in eine große Photovoltaikanlage und eine neue Windenergieanlage investieren", erläutert Herzog. Vergleichbare Maßnahmen würden auch an anderen Werksstandorten geprüft. Langfristiges Ziel ist die vollständige Eigenversorgung des Konzerns mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen bis 2030.
Gleichzeitig rückt die Rückgewinnung von Rohstoffen in den Vordergrund. Phosphor, Sand, Gips und weitere Materialien sollen künftig verstärkt aus dem Klärschlamm zurückgewonnen und in den Wirtschaftskreislauf rückgeführt werden – auch als Reaktion auf die novellierte Klärschlammverordnung, die 2029 in Kraft tritt und entsprechende Anforderungen verschärft.
Stabile Wirtschaftslage, sinkender Gewinn
Wirtschaftlich verlief das Geschäftsjahr 2025 solide. Der Gesamtumsatz stieg auf 701,6 Millionen Euro (Vorjahr: 673,5 Millionen Euro). Das Jahresergebnis des Konzerns belief sich auf 113,8 Millionen Euro. Die Hamburger Wasserwerke GmbH – verantwortlich für die Trinkwasserversorgung – erzielte einen Jahresüberschuss von 36,2 Millionen Euro, der vertragsgemäß an die städtische Beteiligungsgesellschaft HGV (Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement) abgeführt wird. Das Ergebnis der Abwassersparte, der Hamburger Stadtentwässerung (HSE), lag bei 76,9 Millionen Euro und fließt in Rücklagen für den Funktionserhalt von Kanalisation und Klärwerk.
Für das laufende Jahr 2026 erwartet die Hamburger Wasserwerke GmbH einen Rückgang des Jahresüberschusses auf rund 29,8 Millionen Euro – hauptsächlich bedingt durch steigende IT- und Personalkosten. Gleichzeitig plant das Unternehmen mit Umsatzerlösen aus dem Kerngeschäft von rund 287 Millionen Euro, gestützt durch Preiserhöhungen zu Jahresbeginn.



