Von Pauline Faust
Schon im Mittelalter entschied Wasser über Sieg oder Niederlage in Marburg. Wer die Marbacher Quelle kontrollierte, konnte das Schloss belagern und seine Verteidiger zur Kapitulation zwingen. Heute ist die Stadt längst nicht mehr auf eine einzige Quelle angewiesen, doch neue Herausforderungen rücken das Thema Wasserversorgung in den Fokus. Der Klimawandel stellt auch Marburg vor die Frage: Wie sichern wir unsere Wasserversorgung für die Zukunft? Die Stadtwerke Marburg müssen das System noch robuster und nachhaltiger gestalten.
Die Stadtwerke Marburg verteilen durch 400 Kilometer Leitungen circa 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr. Etwas über die Hälfte des Volumens fördern sie selbst, das restliche beziehen die Stadtwerke vom Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW), an dem sie auch Anteilseigner sind. Dabei wollen die Stadtwerke ihre eigene Förderung künftig deutlich ausbauen. Mit der Erschließung neuer, dezentraler Quellen als ergänzende Wasserlieferanten sollen auch die Ressourcen im Zweckverband geschont werden.

Bernhard Müller, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg
Bild: © Georg Kronenberg
Die Stadtwerke haben sich daher entschlossen, ein seit längerem bekanntes Grundwasservorkommen am Heiligen Born zu erschließen. Dies war ein kostspieliges Vorhaben: "Neue Brunnen zu bauen, ist ein Risiko", sagt Bernhard Müller, der Technische Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, "ob man auf nutzbare Wasserqualität trifft und welches Volumen der Brunnen liefern kann, ist eigentlich nicht vorherzusehen."
Nach erfolgreichen Pumpversuchen warten die Stadtwerke nun auf die Erteilung der Wasserrechte, mengenmäßig wird durch das zuständige Regierungspräsidium wohl eine kleinere Ergänzung zu der bestehenden Förderung genehmigt. 2026 soll erstes Trinkwasser gewonnen werden.
Höchste Zeit für ein Update ist es ebenfalls im Marburger Stadtteil Wehrda. Das Wasserwerk dort ist seit 130 Jahren in Betrieb und aktuell für zwei Drittel der Eigenförderung der Stadtwerke zuständig. Ab 2025 wird es durch einen modernen Neubau auf dem Gelände ersetzt. Das lässt sich die Stadt neun Millionen Euro kosten.
Neben der ersten Stufe der Wasseraufbereitung durch Aktivkohlefilter wird künftig auch der etwas zu niedrige pH-Wert mit zwei Flachbettbelüftern von 6,5 Prozent auf 8 Prozent erhöht. Schließlich wird das Wasser auch noch mit UV-Licht bestrahlt, um eine Verkeimung auszuschließen.
Beide Vorhaben sind Bestandteil eines 2018 angestoßenen Wasserversorgungskonzeptes. "Der trockene Sommer hat damals sehr viele Akteure sensibilisiert", sagt Müller. Damals begannen auch die Stadtwerke mit einem Plan für eine sichere Wasserversorgung von morgen. Das Konzept wird nun regelmäßig angepasst. Darin werden auch die fortlaufende Sanierung des Marburger Wassernetzes und Leitungserneuerungen bis hin zu technischen Neuerungen beschlossen. PV-Anlagen werden auf Hochbehältern zur Eigenversorgung installiert.
Zudem soll Trinkwasser wo es geht durch Nichttrinkwasser substituiert werden. Das Wasser für die Bewässerung bei der Garten- und Landschaftspflege etwa muss nicht die Qualitätsansprüche von Trinkwasser erfüllen. Dafür haben die Stadtwerke gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg und Kommunen im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine Analyse von möglichen Brauchwasserquellen durchgeführt. Für diese wurden unter anderem Anwohnerbefragungen durchgeführt, um alte Brunnen zu entdecken.
Wasser zum Systemkostenpreis
Dass Wasser ein kostbares Gut ist, macht die Stadt schließlich auch durch eine finanzielle Zusage deutlich: "Die Stadtwerke gehören zu 100 Prozent der Stadt." Im Vordergrund stünde für diese eine verlässliche und für die Bevölkerung bezahlbare Trinkwasserversorgung, nicht die Umsatzrendite. Auch deshalb scheint es schlüssig, dass Marburg bereits 2018 Teil der "Blue Community" wurde.
Marburg war eine der ersten deutschen Städte, die das Zertifikat erworben hatten und bekennt sich so zu seiner Verantwortung für das Menschenrecht auf sauberes Wasser und den Schutz der Ressource.



