Die Stadtwerke Germersheim sind der lokale Strom-, Gas- und Wasserversorger in der Kreisstadt.

Die Stadtwerke Germersheim sind der lokale Strom-, Gas- und Wasserversorger in der Kreisstadt.

Bild: © Wolfgang Jung/dpa

Es war eine Nachricht, die für die Stadtwerke Germersheim in Rheinland-Pfalz in dieser Form unerwartet kam. Das örtliche, zum Verpackungskonzern Ardagh gehörende Glaswerk schließt bis Ende September. Für die Stadtwerke heißt das: Sie verlieren ihren größten Kunden im Strom- und Wasserbereich.

Der Kommunalversorger, an dem die Stadt Germersheim rund drei Viertel der Anteile hält und das Stadtwerke-Netzwerk Thüga rund ein Viertel, redet nicht lange um den heißen Brei herum: Der Wegfall des Großabnehmers stelle das Unternehmen vor "erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen", hieß es auf ZFK-Nachfrage.

Wassermengen schon 2025 rückläufig

Zur Einordnung: Die Stadtwerke Germersheim und ihre rund 60 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von knapp 44 Millionen Euro. Die abgegebene Trinkwassermenge belief sich damals auf rund 1,8 Millionen Kubikmeter. Beliefert wurden rund 3700 Wasserkunden.

Im Wassersektor sei bislang rund ein Viertel der gesamten Wassermenge auf das Glaswerk entfallen, teilten die Stadtwerke mit. Allerdings seien die Wassermengen schon 2025 rückläufig gewesen.

Wasserpreis zieht spürbar an

Und wie reagierten die Stadtwerke? "Unser oberstes Ziel ist es, die Auswirkungen auf unsere Kundinnen und Kunden so gering wie möglich zu halten", teilte das Unternehmen mit. "Deshalb haben wir den geplanten Neubau des Wasserwerks zunächst zurückgestellt und uns stattdessen für eine deutlich kostengünstigere Teilsanierung des bestehenden Wasserwerks entschieden. Dadurch gewinnen wir Zeit, um die neuen Rahmenbedingungen sorgfältig zu bewerten und darauf zu reagieren."

Zudem mussten die Stadtwerke den Wasserpreis erhöhen: Ab September wird der Kubikmeter Wasser – das entspricht 1000 Litern Wasser – 2,35 Euro brutto kosten. Das entspricht einer Steigerung von 37 Cent oder 19 Prozent. Zudem steigen die verbrauchsunabhängigen Gebühren je nach Größe des Hauswasserzählers um rund sieben Prozent.

Die Wasserversorgung unterliege dem kommunalen Abgabenrecht und dem Kostendeckungsprinzip, erläuterte das Unternehmen. "In der Sparte Wasser dürfen keine Gewinne erwirtschaftet werden, weshalb dort auch keine größeren Rücklagen zur Verfügung stehen, die einen solchen Mengeneinbruch auffangen könnten."

"Kostenentwicklung macht sich bemerkbar"

Wasserkunden hätten vom Glaswerk viele Jahre indirekt profitiert, führen die Stadtwerke aus; denn die Fixkosten für die Wassernetzinfrastruktur hätten so auf eine größere Absatzmenge verteilt werden können. "Diese Kosten müssen nun auf eine deutlich geringere Wassermenge umgelegt werden."

Gleichzeitig würden die Kosten für Betrieb, Instandhaltung und Wartung der Infrastruktur kontinuierlich steigen. "Allein im Tiefbaubereich sehen wir uns mit Kostensteigerungen von deutlich über 20 Prozent konfrontiert", teilte das Unternehmen mit. Hinzu kämen höhere Personalaufwendungen sowie allgemeine Preissteigerungen bei Material, Dienstleistungen und Energie. "Die Kostenentwicklung macht sich somit auch in der Wasserversorgung bemerkbar."

Lokalpresse: "Preiserhöhungen sind nachvollziehbar"

In der Lokalpresse stieß die Erhöhung der Wasserpreise auf Verständnis. Die Preiserhöhungen seien "nachvollziehbar", kommentierte die "Rheinlandpfalz". Die Mehrkosten seien erheblich, aber "nicht viel, wenn man überlegt, was eine Schachtel Zigaretten kostet".

Diese Einordnung können die Stadtwerke auch als Erfolg ihrer Kommunikation werten. "Sowohl die Verantwortlichen von Ardagh als auch die Stadt Germersheim haben frühzeitig und transparent kommuniziert und gemeinsam nach Lösungen gesucht", erläuterte das Unternehmen. Darüber hinaus habe man frühzeitig das Gespräch mit der Landeskartellbehörde gesucht und die besonderen Rahmenbedingungen transparent dargestellt.

Klar ist für die Stadtwerke, dass sie auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten nicht an der Qualität der Trinkwasserversorgung sparen wollen. Man halte konsequent an der Strategie fest, in die Instandhaltung und Wartung der eigenen Anlagen und Netze zu investieren, teilte das Unternehmen mit. "Das zahlt sich langfristig aus."

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