Wasser kann aus Grundwasser oder Oberflächenwasser gewonnen werden. Häufig kommt das Wasser auch aus Talsperren, nur in einzelnen Fällen aus Flüssen, das aber dann speziell aufbereitet werden muss.

Wasser kann aus Grundwasser oder Oberflächenwasser gewonnen werden. Häufig kommt das Wasser auch aus Talsperren, nur in einzelnen Fällen aus Flüssen, das aber dann speziell aufbereitet werden muss.

Bild: © Petra Wiedenbrück/pixelio.de

Frisches Trinkwasser sprudelt jederzeit aus dem Hahn. Nach Gebrauch fließt es über die Kanalisation in die zentralen Abwasserreinigungsanlagen, wo es gesäubert und in den Wasserkreislauf zurückgeführt wird. Dieses System hat sich über viele Jahrzehnte bewährt. Doch wachsende Städte, Klimawandel, Umweltschutz und Ressourcenknappheit stellen das urbane Wassermanagement vor neue Herausforderungen – nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Wie muss das System gestaltet sein, dass es sich flexibel an sich verändernde Rahmenbedingungen anpassen lässt? Wie lassen sich neue Bedürfnisse wie die Rückgewinnung von Wasser, Nährstoffen und Energie berücksichtigen? Wie kann man die Innovationskraft bei den involvierten Institutionen stärken? Und wie kann die Akzeptanz neuer Technologien in der Bevölkerung gezielt gefördert werden?

Forschungsagenda publiziert

Um Antworten auf diese Herausforderungen zu finden, hat eine internationale Expertengruppe unter der Leitung von Sabine Hoffmann, Leiterin des Forschungsprogramm Wings am Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag, eine interdisziplinäre Forschungsagenda für die Zukunft des urbanen Wassermanagements erarbeitet. Zentrales Element sei die Kooperation verschiedener Disziplinen, so Hoffmann. „Nur wenn Forschung, Politik und Praxis zusammenarbeiten, lassen sich nachhaltige und praktikable Lösungen für unterschiedliche Städte und Bedürfnisse entwickeln.“ 

Ein wichtiger Schritt sei insbesondere die Entwicklung neuer Technologien. Bereits heute lasse sich in einigen Industrieländern eine langsame Verlagerung von konventionellen zentralen hin zu alternativen dezentralen Systemen beobachten: Wassersysteme ohne Netzanbindung für einzelne Gebäude oder mit kleinen Netzen für wenige Gebäude sowie Hybridsysteme, die lokale Systeme in ein großes Netz einbinden. Diese Alternativen seien nicht nur flexibel, sondern könnten oft auch neben der lokalen Abwasserreinigung wertvolle Rohstoffe wie Wasser, Nährstoffe und Energie zurückgewinnen. «Es ist wichtig, solche Nischenentwicklungen, Experimentierräume und Pilotprojekte gezielt zu fördern und sichtbar zu machen, denn ihre Marktanwendung bleibt bisher auf wenige Orte auf der Welt beschränkt», stellt Hoffmann fest.

Leuchtturmprojekte

Ein zukunftsfähiges urbanes Wassermanagement benötigt jedoch nicht nur technologische Fortschritte. Auf verschiedenen Ebenen sind Veränderungsprozesse notwendig. Gesetze, Vorschriften und Gesundheitsnormen müssen reflektiert und gegebenenfalls angepasst werden. Stadtplanerinnen, Architekten, Abwassertechnikerinnen und Sanitärinstallateure sind zum Umdenken aufgefordert.

Um globale und lokale Innovationen im Wassersektor voranzutreiben, müssen künftige Forschungsarbeiten einen transdisziplinären Ansatz verfolgen, sozio-technische Systeme aus einer integrierten Perspektive untersuchen und Erfahrungen mit „Leuchtturmprojekten“ in verschiedenen Kontexten auswerten.

Mehr Austausch von Erfahrungen und Wissen

„Einige dieser Leuchttürme entstehen bereits in Städten wie San Francisco, Bangalore und Hamburg“, sagt Hoffmann. Erfahrungen und Wissen werden jedoch noch zu wenig ausgetauscht. „Wir ermutigen daher internationale Nichtregierungsorganisationen, Städtenetze, Regierungen und Finanzgeber, sich stärker strategisch zu vernetzen, um den Wissensaustausch und das gegenseitige Lernen zu erleichtern.“ (hp)

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