Ob groß oder klein: Viele Wasserversorger und Abwasserentsorger landauf landab drehen derzeit an der Preisschraube. Aufgrund von hohen Investitionen in den nächsten Jahren hebt beispielsweise Enercity die Trinkwasserpreise an. Sie steigen für einen Ein- bis Zwei-Personenhaushalt um 2,27 Euro (alle Preise sind in Brutto-Beträgen angegeben). Außerdem habe das Land Niedersachsen für nächstes Jahr die Wasserentnahmegebühr verdoppelt, begründet der Versorger den Schritt.
Die geplanten Investitionen von 150 Mio. Euro in den nächsten fünf Jahren fließen zum Beispiel in einen Neubau, mit dem Enercity die aus dem Jahre 1930 stammende Filterhalle im Wasserwerk Elze-Berkhof (Gemeinde Wedemark) ersetzt (die ZfK berichtete). Darüber hinaus müssen die Hannoveraner das Versorgungsnetz weiter erneuern. Mehr als die Hälfte der Ausgaben sei für neue Rohrleitungen und Hochbehälter vorgesehen. Weitere Mittel sind etwa für den Bau und die Sanierung von Grundwasserbrunnen im Wasserschutzgebiet Fuhrberger Feld geplant.
Instandhaltung und Hitzesommer
Auch in Esslingen ist zumindest einer der Gründe für die Erhöhung der Trinkwasserpreise die Instandhaltung und Wartung des Wassernetzes. Eine weitere Ursache sind gestiegene Verbandsumlagen für den Wasserbezug, die die Stadtwerke Esslingen (SWE) an die Vorlieferanten zahlen müssen. Das sind die Landeswasserversorgung und die Bodenseewasserversorgung. Der Preis pro Kubikmeter Frischwasser steigt laut SWE deshalb von 2,40 Euro auf 2,45 Euro.
Der Zweckverband Trollmühle in Rheinland-Pfalz gibt für die 15-prozentige Anhebung auf 1,73 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser neben Erneuerungsinvestitionen den Klimawandel mit heißen Sommern und zunehmender Trockenheit als Ursachen an. Wurde in früheren Jahren der absolute Spitzenbedarf nur ganz selten erreicht, so geschieht dies immer häufiger an mehreren Folgetagen hintereinander, auch im vergangenen Sommer. Deshalb hat der Zweckverband auf der Suche nach neuen, ergiebigen Wasserquellen Versuchsbohrungen durchgeführt. In den Bau eines neuen Tiefbrunnens wird nun 1 Mio. Euro investiert, weitere 3,5 Mio. fließen in die Erneuerung und Erweiterung des Leitungsnetzes.
Neues Preissystem
In Zeitz sind Konzessionsabgaben-Zahlungen an die Stadt und Kostensteigerungen insbesondere im Bereich der Investitions- und Instandhaltungsmaßnahmen Anlass für die Erhöhung. Das bedeutet, dass alle Haushalte in Zeitzer Wohngebäuden durchschnittlich zwischen 2,20 und 2,50 Euro monatlich mehr bezahlen werden. Gleichzeitig haben die Stadtwerke ein neues Preissystems implementiert. Dabei orientierten sie sich an einem Vorbild, das mittlerweile Branchenstandard ist: das Systempreismodell. Damit werden die Kosten verursachergerechter verteilt. Das habe einen dämpfenden Effekt auf die Preise gehabt, wie die Stadtwerke mitteilen.
Bei der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21) wird derzeit eine Umstellung des Preissystems geprüft (die ZfK berichtete). Die Trinkwasserversorgung sei derzeit zu rund 80 Prozent durch Fixkosten gekennzeichnet, teilt DEW21 mit. Dies bildet sich in der aktuellen Preisstruktur jedoch nicht ab – hier dominiert der Verbrauchspreis gegenüber dem jährlichen Grundpreis. Die aktuelle Systematik könne zu einem Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Kundengruppen wie bspw. Ein- und Mehrfamilienhaus-Besitzern führen.
Datenanalyse nach Kundenbefragung
Um eine valide Datenbasis zu erhalten, schreibt DEW21 derzeit alle Kunden mit der Bitte um eine Selbstauskunft zur Versorgungssituation an. Die finale Entscheidung über eine Umstellung und wie diese gestaltet sein könnte, könne erst nach Abschluss der Untersuchungen getroffen werden. Dies wird frühestens im Frühjahr 2021 der Fall sein.
In Pfaffenhofen an der Ilm steigen sowohl die Preise für Trinkwasser als auch für Abwasser. Ursache ist eine Unterdeckung bei den Beiträgen und Gebühren, wie die gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung der Berechnungsperiode 2017 bis 2020 ergab. Um die langfristig notwendige Sanierungsrate von zwei Prozent zu erfüllen, sind weiterhin hohe Investitionen notwendig. Deshalb werden die Preise laut Stadtwerke Pfaffenhofen für einen Kubikmeter Wasser von 1,99 Euro auf 2,73 Euro erhöhen.
Anhebung in beiden Kategorien
Im bayerischen Geretsried erhöht sich der Abwasserpreis von 2,40 Euro auf 2,90 Euro pro Kubikmeter. Während sich die Ausgaben, die direkt bei den Stadtwerken Geretsried anfallen, auf gleichbleibendem Niveau bewegen, steigen die Kosten beim Abwasserzweckverband, den die Stadtwerke dafür beauftragt hat. Beim Verband besteht ein erheblicher Investitions- und Sanierungsstau, der in den nächsten Jahren abgebaut werden soll. Beim Abwasser beträgt der Grundpreis im neuen Jahr monatlich 4 Euro, der Kubikmeter Schmutzwasser steigt von 1,70 Euro auf 2,78 Euro, der Preis für Niederschlagswasser erhöht sich von 0,25 Euro auf 0,55 Euro pro Quadratmeter.
Vereinzelt gibt es auch Preissenkungen. Ab Januar reduzieren zum Beispiel die Stadtwerke Neuruppin in Brandenburg den Trinkwasserpreis um mehr als ein Viertel, von 1,80 Euro auf 1,34 Euro pro Kubikmeter. Der Grund dafür sind höhere Verbräuche. In Neuruppin liegt der Verbrauch im Sommer zeitweise doppelt so hoch wie im Winter. Auch wenn das eine große Belastung für das Leitungsnetz ist, können die Stadtwerke Neuruppin deshalb eine Preisreduzierung durchführen. Dadurch kann ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt rund 37 Euro im Jahr sparen.
Nutzung von Synergien
Im nordrhein-westfälischen Waldbröl muss eine vierköpfige Musterfamilie im kommenden Jahr etwa 30 Euro weniger für die Entsorgung und Aufbereitung ihres Abwassers ausgeben. Der Grund dafür liegt laut Stadtwerke Waldbröl vor allem in einer effizienteren Organisation des Unternehmens, die zu einer besseren Nutzung von Synergien führt. In den nächsten Jahren könnten sich möglicherweise weitere Kostensenkungen ergeben. (hp)


