Die Folgen des Klimawandels mögen zwar von Ort zu Ort unterschiedlich stark ausgeprägt sein, erfordern jedoch in ganz Deutschland Anpassungsmaßnahmen. Die kommunale Wasserwirtschaft schlägt deshalb maßgeschneiderte Maßnahmen vor, um Städte und Gemeinden vor den Klimawandel-Folgen zu schützen und die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung durch klimarobustere Systeme und Infrastrukturen langfristig sicherzustellen.
Bei einem Pressegespräch stellte Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer, einen 7-Punkte-Plan vor:
- Bei bewährten Grundsätzen bleiben: Klima-Anpassung ist auf der Ebene der Kommunen gut aufgehoben. Dem Grundwasser sind Ortsschilder egal: Wo es sich sammelt, wie es fließt – das lässt sich nicht zentral von Berlin aus steuern. Entscheidend ist allein die Situation vor Ort. Wie Infrastrukturen an den Klimawandel anzupassen sind, muss deshalb grundsätzlich Sache der Kommunen vor Ort sein.
- Richtungsentscheidung zum Modell für den Schutz von Trinkwasserressourcen vor Verunreinigungen treffen: Statt aufwendiger und teurer Nachsorge sollten Verunreinigungen von vornherein verhindert werden. Dafür sollte das Vorsorge- und das Verursacherprinzip stärker verankert werden, sodass wirksame Anreize für den Schutz der Wasserressourcen.
- Effizienteren Umgang mit Wasser: Ziel muss zudem sein, die Wasserressourcen von vornherein intelligent zu managen und dafür alle Akteure in der Kommune wie Behörden, Landwirte, Wirtschaft und Wasserversorger an einen Tisch zu bringen.
- Die öffentliche Wasserversorgung hat Priorität: Diese gesetzliche Vorgabe muss künftig auch wieder stärker bei behördlichen Entscheidungen berücksichtigt werden.
- 5Ausreichend Wasserrechte: Wenn Wasserversorger höhere Wasserrechte brauchen, um die Versorgung auch in Dürreperioden zu sichern, müssen sie diese auch bekommen können.
- Klima-Anpassung gelingt, wenn wir Wissen teilen und vor Ort umsetzen. Daher sollte das bewährte BMU-Programm der Klimaschutz-Manager explizit für Klima-Anpassung weiterentwickelt und geöffnet werden.
- Klima-Anpassung muss solide finanziert werden: Deshalb appellieren wir an Bund und Länder, dem Vorschlag des Umweltbundesamts zu folgen und ein Sonderprogramm Klimavorsorge aufzulegen.
Bund und Länder müssten die Kommunen und ihre Unternehmen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels mehr unterstützen, sagte Liebing. „Wir brauchen gute Rahmenbedingungen, etwa für intelligentes Wasserressourcen-Management oder ausreichend Wasserrechte."
"Klimaresiliente Region"
Eine Vorreiterrolle beim Thema Klimafolgenanpassung nimmt das Ruhrgebiet ein. Dort haben Kommunen und Wasserverbände im Rahmen der Ruhr-Konferenz das Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ ins Leben gerufen. Für dieses Projekt stehen in den nächsten zehn Jahren 250 Mio. Euro bereit.
„Gemeinsam mit unseren kommunalen Partnern haben wir bereits mehr als 100 Projekte zur Klimafolgenanpassung vorbereitet und die ersten umgesetzt“, erläutert Prof. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV). „So wollen wir bis 2040 den Verdunstungsgrad mindestens um zehn Prozent in der Region erhöhen und 25 Prozent der befestigten Flächen vom Kanalnetz abkoppeln – denn in den Kläranlagen nützt Regenwasser niemandem.“ (hp)


