Die Deutsche Wasserforschungsallianz (Water Science Alliance – WSA) begrüßt die jüngst vorgestellte Nationale Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums. Die Gemeinschaft, in der sich die deutsche Wasserforschung disziplinenübergreifend zusammengeschlossen hat, unterstützt insbesondere die Prinzipien der Integration, Vorsorge und Orientierung am natürlichen Wasserhaushalt.
Die Umsetzung der Strategie erfordere innovative Konzepte basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, heißt es in einer Stellungnahme. Der Schlüssel zum Erfolg sei dabei ein offener, systematischer Dialog unter Beteiligung aller relevanten Nutzergruppen, der öffentlichen Verwaltung, der Politik und der Wissenschaft.
Solide Datenbasis
Das Management von Wasserressourcen und Gewässern müsse laut WSA als Querschnittsaufgabe organisiert und dabei eine konsequent integrative Perspektive eingenommen werden. Dies erfordere neue konzeptionelle Ansätze und Kooperationen – „eingebettet in eine solide Wissens- und Datenbasis über natürliche und technische Wassersysteme und deren Interdependenzen“, so die Wasserforscher.
Die von der Politik formulierten Ziele seien in ihrer Gesamtheit begrüßenswert ambitioniert. Übergeordnetes Ziel sei, Wassersicherheit gleichermaßen für die menschliche Nutzung und die Gewässerökosysteme zu gewährleisten. Die Vision müsse dabei ein Null-Defizit-Ziel sein: D.h. Eingriffe in Wassersysteme sind nur dann vertretbar, wenn Ökosystemfunktionen erhalten oder verbessert werden.
Neue Prioritäten im Wassermanagement
Dieses Prinzip mache radikal neue Ansätze und Prioritäten für das Wasser- und Gewässermanagement erforderlich, nicht nur aus technischer Sicht, sondern auch um Zielkonflikte zu minimieren und zu lösen. Politik und öffentliche Verwaltung müssten sich auf diese Herausforderungen einstellen.
Aus diesen Anforderungen leitet sich die Notwendigkeit ab, neue Konzepte und quantitative Werkzeuge des Wassermanagements zu entwickeln, so die WSA. Sie sind verbunden mit hohen Ansprüchen an die Qualität und Quantität der zu erhebenden Daten sowie an die verwendeten Modelle und ihre konzeptionelle und datentechnische Kompatibilität. Dafür müssten – wie in der Klimaforschung – leistungsfähige Modell-Ensembles für die Entwicklung von Szenarien bereitgestellt werden.
Viele Wissenslücken
Als ein zentrales Instrumentarium für die Erarbeitung unmittelbar praxistauglichen Wissens sieht die WSA darüber hinaus die Einrichtung von Reallaboren. Sie erlauben es, die Gesamtheit der Einflussfaktoren und Wechselwirkungen in Gewässern und ihren Einzugsgebieten zu beurteilen. Das schließt menschliche Aktivitäten ein.
Trotz großer Fortschritte weist ein modernes integriertes Wassermanagement noch viele konzeptionelle Wissens- und Datenlücken auf, die die erfolgreiche Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie behindern. Diese Lücken können durch ein langfristig angelegtes Wasserforschungs- und Entwicklungsprogramm geschlossen werden, das die schrittweise Umsetzung der Strategie unterstützt.
Entwicklung einer Gesamtperspektive
Für dringend erforderlich erachtet die WSA aus diesem Grund ein „Forschungsbegleitprogramm Nationale Wasserstrategie“. Aktuelle nationale und regionale Forschungsprogramme lieferten dazu wichtige Elemente. Sie greifen aber allein zu kurz. Grund sei, dass sie die in der Nationalen Wasserstrategie erkannte Bedeutung der quantitativen Abbildung der zentralen Prozesse aus einer Gesamtsystemperspektive heraus nicht angemessen widerspiegeln.
Erfolgversprechende Ansätze ähnlich ambitionierter nationaler Initiativen zur Stärkung der Forschung jenseits von Fachgrenzen, Ressortzuständigkeiten und Bund-Ländergrenzen existierten bereits in anderen Bereichen hoher Dringlichkeit, stellen die Forscher fest. (hp)


