Wie steht es um die Pegelstände der Flüsse und das Grundwasser in Deutschland? Die Lage ist regional sehr unterschiedlich, zeigt ein Blick auf die Deutschlandkarten des Niedrigwasser-Informationssystems Niwis.
Demnach gibt es im hohen Norden kaum Probleme mit Niedrigwasser. Im Südwesten und Süden färben sich die Punkte dagegen oft rot oder sogar dunkelrot. Das bedeutet: Die Messwerte zeigen sehr oder extrem niedrige Wasserstände. Auch die Niederschlagsmengen in Süddeutschland waren in den vergangenen sechs Monaten besonders gering.
In einer Umfrage wollte die ZFK wissen, mit welchen Strategien sich Wasserversorger gegen Trockenheit wappnen. Ein Überblick über Strategien am Beispiel von fünf Unternehmen und Verbänden:
Wasser mehrfach nutzen
Der Hamburger Wasserversorger Hamburg Wasser will verstärkt auf Brauchwasser setzen – also auf Wasser für Anwendungen, bei denen keine Trinkwasserqualität erforderlich ist. Im Stadtquartier Jenfelder Au werden Grauwasser aus Küche, Bad und Waschmaschine sowie Schwarzwasser aus den Toiletten getrennt erfasst und behandelt.
Aus dem Grauwasser wird Brauchwasser gewonnen, während das Schwarzwasser vor allem zur Energiegewinnung genutzt wird. Das Konzept trägt den Namen "Hamburg Water Cycle".
Außerdem optimiert Hamburg Wasser die eigene Wasseraufbereitung, etwa durch die Rückgewinnung von Spülwasser in den Wasserwerken.
Brauchwasser ist auch beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) im Nordwesten Niedersachsens ein großes Thema. Der Versorger will Brauchwasser für industrielle Zwecke aufbereiten.
Zwei eigenständige Brauchwasserwerke werden zurzeit in Nordenham und Brake gebaut. "Bis zu 1,1 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr können perspektivisch allein in Nordenham durch die Brauchwasseranlage ersetzt werden", teilt der Verband mit.
Wasser flexibler steuern und verteilen
Um die Versorgungssicherheit weiter zu stärken, will der OOWV Wassermengen innerhalb des Versorgungsnetzes besser verteilen. Ein Beispiel: die aktuell im Bau befindliche 38 Kilometer lange Wassertransportleitung von Sandelermöns im Landkreis Friesland nach Diekmannshausen in der Wesermarsch.
"Zudem helfen Speicherpumpwerke, Spitzenbedarfe abzufedern", schreibt der Wasserverband. "2023 und 2025 hat der OOWV neue Speicherpumpwerke in Lohne und Kneheim in Betrieb genommen."
Die Wasserwerke Westfalen, eine Tochter der Dortmunder DEW21 und der Gelsenkirchener Gelsenwasser, bauen ebenfalls ihre Werks- und Verbundvernetzung aus, um Reserven regional verfügbar zu haben. Das sogenannte Ruhrverbandsgesetz erlaubt dem Unternehmen seit einigen Monaten zudem eine flexiblere Talsperrensteuerung. Auch das hilft bei längerer Trockenheit.
Die Wasserwerke Westfalen erweitern außerdem bei einigen Wasserwerken die Produktionskapazitäten in Gewinnungs- und Aufbereitungsanlagen. So sollen höhere Tagesmengen möglich sein.
Die Thüringer Fernwasserversorgung, der größte Fernwasserversorger des Freistaats, baut derzeit ihre Wasserwerks- und Hochbehälterkapazitäten aus und untersucht, wie Leitungssanierung oder -neubau die Wasserverteilung stabilisieren kann.
Bodensee-Wasserversorgung, der größte Fernwasserversorger Baden-Württembergs, setzt auf größere Behälterkapazitäten, Ersatzstromanlagen und Pumpen. "Die Anlagen sind bereits heute so ausgebaut, dass die Bodensee-Wasserversorgung auch bei niedrigeren Wasserständen in der Lage ist, den Verbandsmitgliedern Trinkwasser in ausreichender Menge zu liefern", teilt der Verband mit.
Prognosen und Kooperationen
Die Thüringer Fernwasserversorgung setzt verstärkt auf Vorhersagemodelle, um kurz- und mittelfristige meteorologisch-hydrologische Entwicklungen zu erkennen und frühzeitig Handlungsoptionen zu entwickeln. "Hand in Hand arbeiten wir mit Waldbesitzern zusammen und bauen Kooperationen auf, um insbesondere an den Trinkwassertalsperren Wasserschutzwälder zu etablieren", teilt der Versorger mit.
Der OOWV bringt verschiedene wasserwirtschaftliche Akteure zusammen, um einen ganzheitlichen Blick auf den Wasserhaushalt zu erreichen. Beispiele seien regionale Runde Tische und Kooperationen, etwa im Strategierat Wasser Weser-Ems, schreibt der Verband.
Hinweis: Wir sind auf der Suche nach spannenden Geschichten aus der Wasserwirtschaft. Wenn Ihr Verband oder Unternehmen ein innovatives Projekt vorantreibt oder etwas anderes Besonderes zu erzählen hat, wenden Sie sich gern an unsere Autoren Andreas Baumer und Julia A. Simmons.