Digitale Wasserzähler sparen Kosten, weil vielerorts die manuelle Ablesung entfällt – und eröffnen gleichzeitig viele neue Möglichkeiten.

Digitale Wasserzähler sparen Kosten, weil vielerorts die manuelle Ablesung entfällt – und eröffnen gleichzeitig viele neue Möglichkeiten.

BIld: © 4zevar/AdobeStock

Funkwasserzähler sind im Trend. Immer mehr Wasserversorger setzen auf die digitale Verbrauchserfassung. Sie spart Kosten, weil vielerorts die manuelle Ablesung entfällt – und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten, Wasserverluste im Netz zu ermitteln oder Kunden zeitnah zu auffälligen Verbräuchen zu informieren.

Die meisten Stadt- oder Wasserwerke nutzen die digitalen Geräte in erster Linie für die jährliche Ablesung. Aber die intelligenten Zähler können viel mehr.

Das Wasserwerk Gerauer Land hat das erkannt. Permanente datenschutzkonforme Daten zu Zählerständen, Leckage-, Rohrbruch- und Frosterkennung werden nun den Kunden auf Wunsch zur Verfügung gestellt.

Umstellung dauert bis 2027

"Als dynamisches Unternehmen, das rund 65.000 Menschen in Groß-Gerau, Büttelborn, Nauheim und Trebur mit Trinkwasser versorgt, haben wir mit dem Aufbau eines digitalen Kundenservices begonnen, der seinesgleichen sucht", betont Martin Wurzel, Geschäftsführer des Wasserwerks Gerauer Land.

Grundlage für diesen Mehrwert ist die möglichst komplette Auswechslung der mechanischen Zähler durch Funkwasserzähler und eine entsprechende Infrastruktur, die die gewonnenen Daten mittels LoRaWAN überträgt und auf eigenen Servern speichert.

Mit der Umstellung hat das Wasserwerk Gerauer Land bereits 2021 begonnen. Mehr als 7000 der rund 10.000 mechanischen Zähler wurden bereits ersetzt, die vollständige Umstellung ist bis 2027 geplant. Damit steht das Fundament für die Modernisierung, für die sich das Wasserwerk als Kooperationspartner die von Timo Bähr gegründete "EHW+ Services" ins Boot geholt hat.

Wir zählen zu den kleineren Wasserwerken, was uns hilft, mit kurzen Entscheidungswegen agil und vorausschauend handeln zu können.

Gemeinsam erarbeiteten sie eine Lösung, die es Endverbrauchern ermöglicht, tägliche Veränderungen ihrer Wasserzählerstände per Smartphone oder Tablet zu verfolgen. Ein entscheidender Vorteil dabei war, dass die EHW+-App bereits am Markt verfügbar ist und von Kunden auch für andere Verbrauchsarten genutzt wird. "Wir zählen zu den kleineren Wasserwerken, was uns hilft, mit kurzen Entscheidungswegen agil und vorausschauend handeln zu können", erklärt Wurzel.

Neben dem Mehrwert für die Kunden geht es auch darum, dem EU Data Act, dessen Kernbestimmungen seit dem 12. September 2025 verpflichtend sind, Rechnung zu tragen und damit rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen. "Der Data Act soll sicherstellen, dass die Nutzer vernetzter Produkte und verbundener Dienste zeitnah auf ihre Daten zugreifen können, die bei der Nutzung generiert werden", stellt die Bundesnetzagentur fest.

In der Vergangenheit seien die Daten meist "exklusiv bei den Herstellern beziehungsweise Anbietern" genutzt worden. "Der Data Act bricht diese Logik auf", so die Bundesnetzagentur: "Dateninhaber sind nun verpflichtet, die Daten den Nutzern beziehungsweise den Kunden bereitzustellen und auf Verlangen des Nutzers auch an Dritte weiterzugeben."

Für die betroffenen Unternehmen bedeutet das, dass sie datenschutzkonforme und dem EU Data Act entsprechende Lösungen erarbeiten müssen. Allerdings muss nicht jeder das Rad neu erfinden.

Ausblick: Mehr als nur Wasserzähler

Für den Empfang der Funkwasserzähler im Verbandsgebiet wurden 16 Gateways auf überwiegend kommunalen Gebäuden installiert. Von den Funkwasserzählern werden rund 92 Prozent über LoRaWAN empfangen. Der Zweckverband stellt den beteiligten Kommunen im Zuge eines geförderten Innovationsprojektes des Landes Hessen für die Bewässerung (450 Bodensensoren), den Winterdienst (31 Bodensensoren) und die Steuerung der Straßenbeleuchtung sein LoRaWAN Netzwerk zur Verfügung.

Ab Mitte 2026 können dann auch die 4.095 Straßenleuchten über LoRaWAN jederzeit mit bedarfsgerechten Dimmprofilen gesteuert werden. Hierbei werden zusätzlich Stromeinsparungen gegenüber der reinen LED-Einsparung von weiteren 20 Prozent erwartet.

Gemeinsam haben das Wasserwerk Gerauer Land und "EHW+ Services" eine Plattform entwickelt, die den gesetzlichen Erfordernissen Rechnung trägt. "Wir können damit die von den smarten Zählern erfassten Daten den Endnutzern auf einfache und sichere Weise zur Verfügung stellen", sagt EHW+-Geschäftsführer Bähr: "Das Modell gewährleistet einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Daten und ist es Wert, von anderen Wasserwerken adaptiert zu werden."

Der Zugriff auf die persönlichen Verbrauchsdaten ist streng geregelt und nur berechtigten Nutzern vorbehalten. Der Prozess ist mehrstufig gesichert.

Zunächst beantragen Eigentümer von Funkwasserzählern den Zugriff über die Webseite des Wasserwerks. Nach erfolgreicher Prüfung im Kundenservice des Unternehmens erhält der Berechtigte einen personalisierten Aktivierungscode per Briefpost. Mit diesem Code können die erhobenen Daten in der EHW+-App freigeschaltet werden.

Die Verbrauchsdaten werden über das LoRaWAN-Funknetzwerk des Wasserwerks sicher empfangen und "unter Einhaltung höchster technischer und organisatorischer Sicherheitsstandards verarbeitet und gespeichert", erklärt der Stefan Nigl, IT-Fachmann des Wasserwerks Gerauer Land.

App zeigt auch Strom- und Gaszählerstände

Die EHW+-App, die seit 2020 auf iOS, Android und im Webbrowser verfügbar ist, wird von mehr als 30.000 Nutzern monatlich zur Verwaltung von Gas-, Strom- und Wasserzählern genutzt. Für Kunden des Wasserwerks Gerauer Land bietet sie nun die automatisierte Anzeige der täglich empfangenen Funkwasserzählerstände. "Dabei gehen die Funktionen weit über die reine Anzeige hinaus: Push-Nachrichten für kritische Statusmeldungen wie Frostalarm oder Leckage-Erkennung sind bereits vollumfänglich implementiert und informieren Nutzer proaktiv über mögliche Probleme", erläutert Bähr.

Zusätzlich können die Daten von den Funkwasserzählern über eine Schnittstelle (REST-API) an die eigene Smart-Home-Lösung angebunden werden. Und noch eine weitere interessante Funktion ist geplant: Demnächst wird die App auch warnen, wenn über einen bestimmten Zeitraum kein Wasser fließt.

Bei einem längeren Stillstand empfiehlt sie den Wasseraustausch, damit die Wasserqualität in der Hausinstallation erhalten bleibt. Möglich werden damit auch Warnungen für Angehörige älterer Menschen, wenn der tägliche Wasserverbrauch ausbleibt.

Darüber hinaus wird der Zweckverband demnächst in der Lage sein, in den einzelnen Messbezirken täglich einen Abgleich vorzunehmen, wie viel Wasser in Summe bei den Kunden gezapft wurde und welche Menge in den Messbezirk geliefert wurde. Das erleichtert die Verlustüberwachung des rund 320 Kilometer langen Rohrnetzes mit seinen 16.000 Hausanschlüssen.

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