Der Bundesverband der Energiemarktdienstleister (BEMD) hat in einer Arbeitsgruppe zusammen mit dem KIT die Fragebogenstudie zur Gebrauchstauglichkeit (Usability) von IT-Systemen in der Energiewirtschaft abgeschlossen.
Ziel der Studie ist es, den aktuellen Status Quo im Bereich Usability zu erfassen und die Systemanbieter für das Thema stärker zu sensibilisieren.
359 Teilnehmer vor allem aus dem Vertrieb
Bei der Einschätzung der Usability der von den Endanwendern genutzten IT-Systeme kam unter anderem der zehn Fragen umfassende, international etablierte Fragenkatalog SUS (System Usability Scale) zu Einsatz. Dieser behandelt Punkte wie: "Ich nutze das System gerne" bis hin zu "Ich musste eine Menge lernen, bevor ich anfangen konnte, das System zu verwenden".
Insgesamt haben 359 Endanwender ihre Wertung zu 28 unterschiedlichen IT-Systemen abgegeben. Darunter war vor allem der Bereich Vertrieb vertreten. Hinzu kamen die Marktrollen Netz und Messstellenbetrieb. Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte zudem mehr als fünf Jahre Erfahrung mit solchen Systemen.
Abrechnungssysteme: Score 59
Der Schwerpunkt lag auf Abrechnungssystemen. Der ermittelte SUS-Score von 63 – nur Abrechnungssysteme: 59 – liegt unterhalb der Vergleichswerte aus anderen Anwendungsbereichen und Branchen. Ab einem Wert von 68 spricht man von einer guten Usability. Amazon hat zum Beispiel einen Wert von 82. Unerfahrene Nutzer bewerten die Anwendungen vergleichsweise schlechter. Mit der Erfahrung steigt die Nutzerzufriedenheit mit dem genutzten System.
Für CRM-Systeme und MaKo-Plattformen war der durchschnittliche SUS Score besser, allerdings gab es hierzu weniger als 60 Bewertungen.
Usability stärker in den Fokus rücken
„In Zeiten weiter sinkender Cost to Serve, spielt die Usability von IT-Systemen eine immer größere Rolle. Das mitarbeiterintensive Geschäft in den Serviceprozessen benötigt Systeme mit einer hohen Usability, die die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und die Effizienz in den Serviceprozessen erhöht", sagt Dietmar Sperfeld, AG-Leiter und BEMD-Vorstandsvorsitzender. Bei Systemauswahlentscheidungen sollte daher die Usability stärker in den Fokus gerückt werden, betont Sperfeld.
Der Verband habe hier bereits reagiert: Die Anforderung „Usability“ wurde neu in den Kriterienkatalog der Transparenzinitiative IT-Lösungen Meter-to-cash aufgenommen.
Herstellerneutrale Umfrage
„Usability und verstärkt auch User Experience sind für eine erfolgreiche Digitalisierung von Organisationen ganz entscheidend“, bekräftigt auch Alexander Mädche, Professor am Institut für Wirtschaftsinformatik und Marketing (IISM) des KIT. Die Umfrage ist herstellerneutral und fragt lediglich Kriterien zur Usability, nicht zu spezifischen IT-Systemen, ab. Sie kann auf der Seite des BEMD kostenlos eingesehen werden. (sg)



