Die Versorgungsunterbrechungen lagen im Jahr 2020 mit 10,73 Minuten auf dem niedrigsten Wert seit Jahren.

Die Versorgungsunterbrechungen lagen im Jahr 2020 mit 10,73 Minuten auf dem niedrigsten Wert seit Jahren.

Bild: © 3asy60lf/AdobeStock

Nachdem der Versicherungsverband GDV  mahnte, dass man in Deutschland auf die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls nicht ausreichend vorbereitet sei (die ZfK berichtete), erklärte auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in dem Beitrag auf der Website des GDV, dass  die Wahrscheinlichkeit für einen Blackout wachse. Sei es durch einen Hackerangriff oder eine technische Panne. Zudem sei Deutschland wie bei der Pandemie auf einen solchen Ernstfall schlecht vorbereitet.

„Worauf die These beruht, dass die Blackoutgefahr konkret gestiegen ist, ist für uns nicht ersichtlich", erklärte ein VKU-Sprecher. Und weiter: "Klar ist: Die Herausforderungen für den Netzbetrieb nehmen durch Energiewende, Dezentralisierung und Digitalisierung zu. Die Verteilnetzbetreiber leisten jedoch einen herausragenden Job in Hinblick auf die Systemsicherheit." Auch seien die durchschnittlichen Zeiten der Versorgungsunterbrechungen (Saidi-Wert) in den vergangenen Jahren immer weiter abgesunken.

Klar sei aber auch: Wenn die Systemsicherheit auch in Zukunft auf diesem Niveau aufrecht erhalten werden soll, müssen die Verteilnetzbetreiber erheblich in den Ausbau und in die Modernisierung der Netze investieren. "Dazu braucht es angemessene regulatorischen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.“

BBK: Großflächiger und langandauernder Stromausfall nicht unplausibel

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erklärte, für die Risikoabschätzung zum Szenario „großflächiger und langanhaltender Stromausfall“ sei vor allem die Plausibilität und die potentielle Schadensgröße bei einem solchen Szenario entscheidend. 

Zur Plausibilität: Grundsätzlich habe Deutschland eine sehr sichere Stromversorgung, bestätigt auch das BBK. Und weiter: "Die Bundesnetzagentur gibt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenen Letztverbraucher für 2020 mit 10,73 Minuten an. Dies ist ein Spitzenwert im europäischen Vergleich."

Doch auch wenn die Versorgungssicherheit sehr hoch sei, "ist ein großflächiger und langandauernder Stromausfall nicht unplausibel." Die Ursachen hierfür können unterschiedlichster Natur sein. Es handle sich um ein hoch komplexes Gesamtsystem, das durch technisches und menschliches Versagen und zunehmende Gefahren wie Extremwetterereignisse oder etwa Cyberangriffe gestört werden könne.

Enorme Schäden bei Blackout

Zur potentiellen Schadensgröße: Bei einem großflächigen und langanhaltenden Stromausfall käme es zu enormen Schäden, so das BBK. Dies habe ein Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) bereits 2011 drastisch belegt. Der Bericht spricht von einer Schadenslage besonderer Qualität, die einer nationalen Katastrophe gleichkäme (Zum Bericht: https://dserver.bundestag.de/btd/17/056/1705672.pdf).

Daran orientiere man sich und erarbeiten auf dieser Grundlage die BBK-Empfehlungen und Informationen. Auf der Website des BBK gebe es weitere Informationen zu: „Kritische Infrastrukturen – Gefahrenlage Stromausfall“.

VDE: Anforderungen an Informationssicherheit wachsen

Forum Netztechnik/Netzbetrieb im Verband VDE verwies neben dem Rekordjahr 2020 mit den geringsten Stromunterbrechungen darauf hin, dass nicht jeder Stromausfall ein Blackout sei. Die Experten vom VDE FNN und VDE ETG werden konkret: "Das wird öfter verwechselt. Von Blackout sprechen Experten bei einem großflächigen Stromausfall. Ein Stromausfall betrifft Straßenzüge oder Stadtteile oder Städte. Für die betroffenen Kunden sind die Auswirkungen in beiden Fällen erstmal die gleichen: Sie haben keinen Strom, wichtige Bereiche des täglichen Lebens sind dadurch eingeschränkt. Bei einem Blackout sind aber nicht nur wesentlich mehr Kunden betroffen. Die Auswirkungen sind drastischer und die Wiederversorgung komplexer. Daher bereiten sich Netzbetreiber, zum Beispiel durch Übungen darauf vor, damit das Wiederhochfahren des Systems möglichst reibungslos abläuft."

Richtig sei aber auch, dass die gegenseitige Abhängigkeit von Strom- und Telekommunikationsnetzen weiter steige, weshalb auch die Anforderungen an die Informationssicherheit wachsen. Und weiter: "Die Schutzmaßnahmen werden von den Betreibern kontinuierlich weiterentwickelt. Die IT-Systeme, Komponenten und Prozesse werden durch Informationssicherheitsmanagementsysteme erfasst und zertifiziert."

Stromnetze möglichst resilient machen

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sei es wichtig, die Strom- und Telekommunikationsnetze möglichst resilient zu machen, mahnt der Elektrotechnik-Verband. Dies erfordere ein zielorientiertes und strukturiertes gemeinsames Vorgehen der Beteiligten aus der Energie- und der Kommunikationsbranche, wie das zum Beispiel im VDE bereits geschehe, gezielte Forschungsvorhaben im Bereich der Telekommunikations- und Energieversorgungsnetze zum Thema Resilience und Recovery sowie ein im Austausch mit den Fachexpertinnen und -experten klug gesetzter regulatorischer Rahmen.

Politischen Entscheidungsträgern und Behörden komme dabei eine zentrale Bedeutung zu. "Sie müssen jetzt schnell die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass auch im Krisenfall die Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft mit Elektrizität und Kommunikationsdiensten sichergestellt bleibt", unterstreicht der Verband.

BDEW: Neue Kraftwerke für die Übergangsphase

Deutlich wird auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: „Der Ausstieg aus der Kernenergienutzung hat keinen Einfluss auf die Stabilität der Netze. Seit 2011 wurden insgesamt 14 Kernkraftwerksblöcke stillgelegt, gleichzeitig werden die Haushalte so zuverlässig wie bisher mit Strom beliefert", sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Sie verweist ebenfalls auf den niedrigsten Wert der Versorgungsunterbrechungen 2020.

Und weiter: "Um die Versorgungssicherheit auch weiterhin sicherzustellen, brauchen wir als Partner der Erneuerbaren Energien allerdings neue Kraftwerke, die in einer Übergangsphase noch mit Erdgas und dann mit Wasserstoff gesicherte regelbare Leistung bereitstellen."
 
Dadurch, dass mit der Energiewende die Stromnetze und Energieanlagen immer dezentraler, vernetzter und digitaler werden, sinke mit dieser Kleinteiligkeit der Einfluss des Ausfalls einzelner Anlagen. "Gleichzeitig steigt der Stellenwert der Cybersicherheit. Die Sicherheit informationstechnischer Systeme ist für die Energiewirtschaft eine Daueraufgabe höchster Priorität. Wichtig ist es daher, das die Cybersicherheit auch für die Bundesregierung ganz oben auf der Agenda steht und sie sich kontinuierlich für deren Stärkung auf nationaler und auf EU-Ebene einsetzt", unterstreicht Andreae. Unerlässlich sei dafür die Bereitstellung einer Dateninfrastruktur, die höchste Anforderungen an Leistung und Cybersicherheit erfüllen muss. Wichtig sei auch ein erleichterter Datenaustausch und das Vorantreiben von Konzepten für Datensouveränität, bspw. um Cloud-Lösungen vermehrt nutzen zu können.

Zahlreiche Vorgaben für KRITIS-Betreiber

Andreae beton, dass die deutsche Energieversorgung zu den sichersten weltweit zählt. Zusammen mit der Telekommunikation gehöre der Energiesektor im Bereich IT-Sicherheit zu den mit Abstand am strengsten regulierten Sektoren in Deutschland. Die Betreiber Kritischer Infrastrukturen  müssen kontinuierlich sehr hohe regulatorische Sicherheitsanforderungen umsetzen und nachweisen.

"Hierzu gehören unter anderem der IT-Sicherheitskatalog für Energieversorgungsnetze, der IT-Sicherheitskatalog für Energieanlagen sowie Meldepflichten bei IT-Sicherheitsvorfällen an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Die Einhaltung dieser Anforderungen wird von der Bundesnetzagentur sowie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik überwacht und die Anforderungen bei Bedarf aktualisiert oder erweitert. Die in Deutschland für den Sektor Energie geltenden Anforderungen gehen weit über die verpflichtenden Mindestanforderungen der Europäischen Cybersicherheitsrichtlinie hinaus.“ (sg)
 
 

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