Die Umsetzung der Gas- und Strompreisbremse rückt näher. Wie setzen Energieversorger sie um und wie bilden sie die Veränderungen IT-seitig ab? Michael Utecht, Director Digital Business Customer Advisory Energy, und Alexander Neuhaus, Vice President Customer Advisory Energy & Healthcare, von SAP geben Auskunft.
Herr Neuhaus, Herr Utecht, lange Zeit war nicht klar, ob und wie die Gas- und Strompreisbremse kommt. Jetzt ist es beschlossen. Als erste Stufe der Gaspreisbremse wird im Dezember die Abschlagszahlung von Gas- und Fernwärme ausgesetzt. Wie groß sind die Herausforderungen bei der technischen Umsetzung für SAP?
Alexander Neuhaus: Wir beobachten die Diskussion rund um die hohen Energiepreise und die politischen Ideen zur Entlastung der Verbraucher natürlich auch. Vermeintlich einfache Vorgänge, wie zunächst die Mehrwertsteuersenkung auf Gas, konnten unsere Kunden technologisch im Standard unserer Lösung umsetzen. Auch die Aussetzung des Dezemberabschlags ist technisch mit unseren Lösungen ohne funktionale Anpassungen zu realisieren. Zur Entlastung unserer Kunden arbeitet SAP aktuell mit Hochdruck an einer Umsetzungsskizze, die möglichst viele Eventualitäten berücksichtigen und möglichst einfach umsetzbar sein soll.
Michael Utecht: Für komplexere Anforderungen wie die zweite Stufe der Gas- oder die Strompreisbremse haben wir Anfang Oktober ein Expertenteam zusammengezogen, das die aktuellen Ideen und Anforderungstexte der Bundesregierung analysiert und Ansätze für die Realisierung entwickelt. Bereits bevor die genauen Gesetzestexte verabschiedet wurden, haben wir mit der Entwicklung erster Umsetzungsansätze begonnen, damit unsere Kunden mit so wenig Aufwand wie möglich die Anforderungen der Bundesregierung erfüllen können. Dazu tauscht sich unser Expertenteam mit Kunden aus, um deren Herausforderungen im Detail zu verstehen. Außerdem unterstützen SAP-Partner bei eventuellen individuellen Anpassungen für einzelne Kunden.
Die zweite Stufe der Gaspreisbremse soll zum 1. März starten, als Vorjahresverbrauch soll die Jahresverbrauchsprognose ausgehend vom Septemberverbrauch gelten. Lässt sich das zeitlich und technisch fristgerecht realisieren und was braucht die Branche dafür?
Utecht: Die zweite Stufe der Gaspreisbremse zum 1. März wird rechtzeitig umzusetzen sein. Ohne einen gewissen Aufwand, auch bei unseren Kunden, wird es aber nicht gehen. Neben der Anpassung von Abrechnungsregeln sind auch Ansätze zur Rückerstattung des Bundes in dem Abrechnungssystem zu berücksichtigen, außerdem natürlich Parameter wie die Mengenermittlung, die Preisaufteilung, gegebenenfalls muss die bilanzielle Abgrenzung angepasst werden.
Die Herausforderung und Belastung der Energieversorger ist nicht zu unterschätzen.
Um diese Modifikationen vorzunehmen, bedarf es einer flexiblen, quelloffenen, apassbaren Plattform. Das SAP-for-Utilities-Portfolio bietet die erforderliche Technologie dafür an. Es wird für unsere Kunden die erforderlichen Möglichkeiten geben, damit sie auch die zweite Stufe der Gaspreisbremse umsetzen können. Um sie laufend über den aktuellen Stand zu informieren haben wir verschiedene Kommunikationskanäle aufgesetzt.
Und wie sieht es mit der Strompreisbremse aus, die zum 1. März, eventuell aber auch bereits früher umgesetzt werden soll? Ist das überhaupt machbar?
Neuhaus: Unsere Technologie bietet auch hierfür die stabile, erprobte und verlässliche Grundlage. Unsere Beratungspartner und wir begleiten unsere Kunden in der Umsetzung so eng wie möglich. Dennoch ist die Herausforderung und Belastung der Energieversorger nicht zu unterschätzen. Die Vielzahl der für alle sehr kritischen Anpassungen sind jetzt umzusetzen, in einer Jahreszeit, die traditionell von einer hohen Arbeitslast bei Energielieferanten geprägt ist. Durch die erfolgten Abschlagserhöhungen und die allgemeine Unsicherheit suchen die Kunden zusätzlich Kontakt zu ihrem Energielieferanten, es mangelt an Fachkräften und der Beratungsmarkt ist ebenfalls seit Monaten angespannt. Kurzum: Die korrekte Umsetzung ist technisch machbar, aber zeitlich eine große Herausforderung.
Der Umsetzungsaufwand wird in Teilen auch durch individuelle Systemausprägungen bestimmt.
Utecht: Wir sind in Gesprächen mit Kunden und Partnern, um alle Anforderungen zu erfüllen und unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen. Der Umsetzungsaufwand wird in Teilen auch durch individuelle Systemausprägungen bestimmt. Die enge Abstimmung und die transparente Kommunikation mit unseren Kunden und Partnern trägt dazu bei, gemeinsam gute Lösungen zu finden.
Neuhaus: Stand heute können wir noch nicht absehen, in welchem Automatisierungsgrad die neuen Regelungen umgesetzt werden können, umsetzbar sind sie aber. Wir sehen uns als verlässlichen Partner der Energiewirtschaft und wollen unseren Beitrag für eine erfolgreiche Realisierung leisten. Schließlich werden circa 40 Mio. Strom- und Gaskunden mit unserer Technologie abgerechnet. Dieser Verantwortung sind wir uns sehr bewusst. (Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)
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Weitergehende Informationen zum Thema "Soforthilfegesetz für Gas und Wärme: Wie lässt es sich in SAP Utilities umsetzen?" gibt es am kommenden Freitag, 18. November, zwischen 11 und 11 Uhr 45 in einem Webinar.



