Herr Oehler, Sie haben inzwischen zwei erfolgreiche professionelle Hackversuche bei den SW Ettlingen durchführen lassen. Bei beiden wurden Sicherheitslecks entdeckt. Kommt bald ein dritter Versuch?
Eberhard Oehler: Ja, wir werden einen dritten Versuch durchführen, wobei das bei uns auch als Daueraufgabe gesehen wird, da gerade die Angriffsversuche geeignet sind, die vorhandenen Schwachstellen aufzuzeigen.
Wie schätzen Sie die Gefahren der Digitalisierung ein?
Die Gefahren der Digitalisierung in der Energie- und Wasserwirtschaft werden weiter zunehmen. Die Frage, was sich dagegen tun lässt, kann man unter anderem damit versuchen zu beantworten, dass man die Anwendung digitaler Technik gezielt auf spezifische Einsätze ausrichtet und dabei darauf achtet, dass Querverbindungen zu anderen Anwendungsbereichen bzw. zu anderen Unternehmensbereichen auf das Notwendige reduziert werden.
Sind kleinere Unternehmen mehr gefährdet als große Opfer von Hackern zu werden. Auch, weil sie sich einen umfangreichen Schutz nicht leisten können. Wie machen das die SW Ettlingen?
Ja, es ist richtig, kleinere Unternehmen sind stärker gefährdet, da die Personalausstattung in der Regel keinen umfassenden Schutz im Bereich der Digitalisierung zulässt. Aber es ist ein Trugschluss, dass Angreifer ihre Angriffsziele alleine an der Unternehmensgröße orientieren.
Um im Bereich der Cybersecurity besser zu werden, empfehle ich dringend, einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch der Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft zu organisieren.
Überrollen die negativen Erfahrungen der Digitalisierung bald die positiven Folgen, die sich daraus ergeben?
Die Gefahr, dass die positiven Beiträge die Digitalisierung von den negativen Folgen überdeckt werden, sehe ich durchaus, es wird uns nicht gelingen, alle Risiken zu beherrschen, wir müssen lernen, sowohl in unserem beruflichen Alltag als auch in der privaten Nutzung mit den Risiken zu leben.
Was raten Sie anderen Versorgern, damit sich diese bestmöglich wappnen können?
Zum Ersten rate ich dazu, eine Sensibilisierung der Belegschaft über alle Hierarchiestufen und Unternehmensbereiche hinweg vorzunehmen. Auch die vorhandene Netzwerkstruktur sollte unter dem Aspekt, was ist notwendig, hinterfragt werden. Wie schon oben erläutert helfen etwa „Penetrationstests“, Schwachstellne in der unternehmenseigenen digitalen Infrastruktur aufzuzeigen.
Eberhard Oehler ist Geschäftsführer der Stadtwerke Ettlingen.



