Grundlage für das digitale Netz sind intelligente Messsysteme.

Grundlage für das digitale Netz sind intelligente Messsysteme.

Bild © Westfalen Weser Energie

Für 77 grundzuständige Messstellenbetreiber endete der März mit Post von der Bundesnetzagentur. Sie fanden sich plötzlich in einem Aufsichtsverfahren wegen Nichterfüllung der gesetzlichen 20-Prozent-Quote beim Rollout intelligenter Messsysteme wieder. Zwangsgelder zwischen 5000 und 20.000 Euro wurden angedroht, eine Nachfrist bis zum 30. September 2026 gesetzt. Und die Behörde hat klargemacht: Das war erst der Anfang. Weitere Verfahren, auch gegen Betreiber mit unvollständiger Quote, sollen folgen.

Was auffällt, wenn man mit betroffenen Unternehmen spricht: Das Problem ist selten fehlender Wille. Es ist fehlende Infrastruktur, sowohl organisatorisch und personell als auch digital. Denn der Smart-Meter-Rollout klingt zwar zunächst nach einem rein technischen Vorgang, in der Praxis ist er jedoch ein Logistik- und Prozessthema, das viele kleine und mittlere Stadtwerke und Netzbetreiber schlicht überfordert.

Wer jetzt handeln muss, steht also vor einer grundsätzlichen Entscheidung: den Rollout intern aufbauen oder ihn an einen spezialisierten Dienstleister abgeben. Beide Wege sind gangbar. Beide haben Voraussetzungen.

Option 1: Selbst machen – aber mit dem richtigen Werkzeug

Für viele Messstellenbetreiber ist die Idee, den Rollout selbst zu steuern, naheliegend. Man kennt das eigene Netzgebiet, man hat die Kundenbeziehungen, man trägt die regulatorische Verantwortung. Was oft fehlt, ist ein digitaler Prozess, der die Abläufe zusammenhält – von der Identifikation der Pflichteinbaufälle bis zur Quartalsmeldung an die Bundesnetzagentur.

Die Kraftwerk-Software-Gruppe hat für genau diesen Bedarf einen standardisierten Wechselprozess definiert. Der Monteur im Außendienst wird dabei über den Kraftwerk-Copiloten geführt: Alle notwendigen Daten und Arbeitsanläufe kommen direkt auf Smartphone, Tablet oder Notebook – unabhängig vom Betriebssystem. Nach der Installation übermittelt der Copilot die Informationen an den firmeneigenen Operations-Hub, der als zentrale Datendrehscheibe fungiert. Von dort laufen die Zähler- und Installationsdaten automatisch ins ERP-Backend und weiter an die Systeme des Gateway-Administrators, der dann die Inbetriebnahme des intelligenten Messsystems einleiten kann.

"Wir haben hier das Rad nicht neu erfunden, sondern einen bestehenden Prozess an die Bedürfnisse von kleinen und mittleren Versorgern angepasst und vor allem standardisiert. Der Vorteil: Das System ist praxiserprobt und kann ausgesprochen kurzfristig in Betrieb genommen werden", erläutert Karsten Richter, Leitung Geschäftsentwicklung bei der Kraftwerk Infrastructure & Mobility Solution.

Wer kurzfristig starten will, muss nicht auf eine vollständige ERP-Integration warten, der Einstieg über ein einfaches Dateitransfer-Verfahren ist möglich. Standardschnittstellen zu den ERP-Lösungen der Kraftwerk-Gruppe sind ebenfalls vorhanden und weitere Systeme lassen sich integrieren. Das senkt die Hürde für Unternehmen, die keine monatelange Implementierung stemmen können – und die bis zum 30. September 2026 Ergebnisse vorweisen müssen.

Option 2: Auslagern und auf Feldkompetenz setzen

Die zweite Option ist radikaler: den gesamten Wechselprozess an einen erfahrenen Dienstleister abgeben. Das klingt für manche nach Kontrollverlust. In der Praxis kann es für kleinere Betreiber die realistischere Lösung sein. Vor allem dann, wenn eigenes Montagepersonal fehlt, die interne IT-Kapazität begrenzt ist oder der Rollout schlicht zu lange gewartet hat.

Die Energie Mess- und Servicedienste GmbH (Enermess) aus Magdeburg ist hier einer der erfahrensten Messdienstleister in Deutschland. Mit über 270 Mitarbeitenden an fünf Standorten führt das Unternehmen bundesweit über 300.000 Zählerwechsel im Jahr, Messstellenprüfungen und Serviceprojekte für Versorgungsunternehmen, Kommunen, die Wohnungswirtschaft und die Industrie durch – in den Sparten Strom, Gas, Wasser und Wärme.

Am Hauptsitz in Magdeburg betreibt Enermess zwei staatlich anerkannte Prüfstellen, eine Produktionsstätte und ein hauseigenes Service-Center, das jährlich über 1,5 Miollionen Kundenkontakte via Telefon, E-Mail oder Brief bearbeitet. "Wir führen den Wechselprozess bereits heute bundesweit im Auftrag zahlreicher Versorgungsunternehmen durch. Damit steht ein erprobtes Praxismodell zur Verfügung, das einfach und schnell an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden kann", sagt André Hartke, Geschäftsführer bei Enermess.

Das Modell funktioniert besonders dann, wenn ein Messstellenbetreiber die Quote bis zum Herbst noch erfüllen muss, aber weder Monteure noch digitale Prozesse aufbauen kann. Enermess übernimmt dann die vollständige Koordination und Feldarbeit. Was bleibt, ist lediglich die regulatorische Verantwortung beim grundzuständigen Messstellenbetreiber – und die Pflicht, den Einbaufortschritt zu dokumentieren und gegenüber der Bundesnetzagentur zu melden.

Weder-noch ist keine Option mehr

Die beiden Wege schließen sich nicht aus. Eine Kooperation zwischen grundzuständigem Messstellenbetreiber und einem spezialisierten Felddienstleister ist seit der MsbG-Novelle vom 23. Dezember 2025 auch gesetzlich ausdrücklich vorgesehen – § 41 MsbG eröffnet die Möglichkeit zur gemeinsamen Quotenerfüllung. Die Kraftwerk-Lösung kann dabei die prozessuale Verbindung zwischen eigenem System und externem Dienstleister herstellen: Aufträge gehen raus, Montagenachweise kommen rein und der Quotenstand wird automatisch aktualisiert.

Was allerdings keine Option mehr ist: Warten. Die Bundesnetzagentur hat unmissverständlich signalisiert, dass sie die Eskalationskette konsequent weiterziehen wird. Wer im Anhörungsverfahren steht, hat bis zum 30. September 2026 Zeit – und damit eine letzte realistische Chance, die Quote noch zu erfüllen, bevor aus Androhungen Festsetzungen werden.

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