Count+Care sieht sich gut gerüstet für weitere 20 Jahre erfolgreiches Bestehen in einem dynamischen Umfeld.

Count+Care sieht sich gut gerüstet für weitere 20 Jahre erfolgreiches Bestehen in einem dynamischen Umfeld.

Bild: © zeenika/AdobeStock

Von Stephanie Gust

Während die Badenova aus Freiburg auf ein einheitliches, skalierbares Plattformökosystem setzt, will Taktsoft mit der modularen Weiterentwicklung der Plattform von Encore zeigen, wie digitale Services auch in herausfordernden Transformationsphasen zukunftsfähig bleiben können.

Badenova vertieft strategische Zusammenarbeit mit Epilot

Die Entscheidung zur Veräußerung der Plattform Encore ist Teil einer Neuausrichtung der Freiburger: "Als Badenova verfolgen wir einen klaren, kundenzentrierten Ansatz. Wir wollen Commodity-Produkte und Energiedienstleistungen auf einer gemeinsamen Plattform zusammenführen, um ein durchgängiges Kundenerlebnis zu schaffen", sagt Karsten Gilbrich, verantwortlich für die Digitalstrategie bei Badenova. Mit Epilot habe man dafür bereits einen passenden Partner gefunden. Eine Zwei-Plattform-Strategie sei nicht vorgesehen. Eine vollständige Migration von Encore auf Epilot ist für 2026 vorgesehen.

Gleichzeitig benötige das Encore-Geschäft für weiteres Wachstum Investitionen, die außerhalb der aktuellen Konzernstrategie liegen. "Deshalb haben wir uns entschieden, das Geschäft in ein skalierbares Umfeld zu überführen“, ergänzt Andreas Feulner, Geschäftsführer der Encore. "Mit Taktsoft haben wir dafür den Wunschpartner gefunden." Die Software-Plattform sowie die Kundenverträge wurden als Assets verkauft, die Encore-Mitarbeitenden verbleiben bei Badenova. Der operative Betrieb bei Taktsoft startete zum 1. Juli 2025. 

Plattformstrategie: Kundenfokus auf einer gemeinsamen Basis

Die Integration der Lösung in verschiedene Unternehmensbereiche ist bei der Badenova derweil schon angelaufen. So nutzt die Vertriebseinheit Badenova Energie das sogenannte "energy XRM", um Prozesse von Stromtarifen bis Solarlösungen digital und modular abzubilden. Dabei werden erstmals in der Branche Commodity-Produkte – wie Strom und Gas – und Energiedienstleistungen – zum Beispiel PV und Ladeinfrastruktur – in einer gemeinsamen Umgebung gebündelt. "Die Zusammenarbeit mit Epilot bietet eine außergewöhnliche Chance, gemeinsam eine zukunftsfähige Plattform zu entwickeln, die den Kunden in den Mittelpunkt stellt", so Dieter Balasch, Geschäftsführer der Badenova Energie. "Wir verbinden Commodity und Energiedienstleistungen in einem ganzheitlichen digitalen Erlebnis – das ist nicht nur technologisch ein Novum, sondern ein strategischer Fortschritt für die gesamte Branche."

Parallel arbeitet die Netztochter Badenova-Netze an der vollständigen Digitalisierung von Netzprozessen wie Einspeisemanagement und Zählervorgängen. Ziel für Badenova ist ein durchgängiges 360°-Ökosystem ohne Medienbrüche – für Endkunden, Partner und interne Teams.

"Mit Epilot schaffen wir eine digitale Infrastruktur, die es uns ermöglicht, Komplexität zu reduzieren und gleichzeitig Innovation zu beschleunigen", so Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand. Die neue Plattform sei ein Enabler für die eigene Klimaneutralitätsstrategie und biete die nötige Skalierbarkeit, um zukünftige Herausforderungen der Energiewelt zu bewältigen.

Hintergrund Encore

Encore war 2021 als Digitaltochter der Badenova gegründet worden und unterstützte seither rund 15 Energieversorger und Unternehmen der Wohnungswirtschaft mit einer eigenen White-Label-Plattform. Ziel war es, verschiedene Markenstrategien über eine technische Basis abzubilden – inklusive Bundling-Angeboten mit Hardwareprodukten wie Staubsaugern, E-Scootern oder Waschmaschinen und Trocknern.

Nun hat Softwareanbieter Taktsoft Energy, die Encore-Plattform des Freiburger Versorgers Badenova übernommen. Das ehemals als Plattformlösung gestartete Angebot wird nun unter dem Dach von Taktsoft in eine modulare Produktlandschaft überführt. Ziel ist es, Stadtwerken und Energieversorgern passgenaue digitale Bausteine zu liefern. "Wir wollen nicht die nächste große Plattform sein", sagt Taktsoft-Geschäftsführer Nils Brettschneider im Gespräch mit der ZfK. Vielmehr gehe es darum, die Lücken zu schließen, die viele Energieversorger beim Übergang in die neue Systemwelt erleben – sei es im Kundenportal, bei Bestellstrecken oder in Fulfillment-Prozessen.

Statt Plattform: Bausteine

Die neue Tochtergesellschaft Taktsoft Energy Solutions bietet keine All-in-One-Plattform, sondern modular einsetzbare Einzelanwendungen. Dazu zählen insbesondere stark konfigurierbare Bestellstrecken für komplexe Tarife oder PV-Bundles, flexible Kundenportale mit Anbindung an Drittanbieter oder ein Einspeiserportal mit Backend-Integration.

"Wir bauen keine Parallelwelt zum ERP oder zur Abrechnung auf“, so Brettschneider. Vielmehr gehe es um ergänzende Anwendungen, die problemlos mit Systemen wie SAP, Wilken oder Epilot zusammenarbeiten können. Alles laufe als Software-as-a-Service (SaaS) – vom einfachen Opt-in-basierten E-Mail-Dialog bis zur komplexeren Bestellstrecke.

Ein Beispiel: Wird nach einem telefonischen Vertragsabschluss eine Bestätigung nötig, erhält der Kunde automatisch eine personalisierte E-Mail mit vorausgefüllter Bestellstrecke – konform mit der Datenschutzgrundverordnung und dem Gesetz über faire Verbraucherverträge.

Plattformen ja – aber anders gedacht

Für Brettschneider steht fest: Ohne Plattformen geht es nicht – aber nicht jeder Anbieter muss selbst zur Plattform werden. "Wir sehen uns nicht als Wettbewerber zu SAP oder Epilot", betont er. Vielmehr will Taktsoft ergänzende Funktionen liefern, die bestehende Plattformen sinnvoll erweitern, anstatt sie zu ersetzen. Die Idee dahinter: Viele Energieversorger verfügen bereits über etablierte Systeme, etwa ERP-Lösungen wie SAP oder modulare Plattformen wie Epilot. Diese decken zentrale Funktionen ab, stoßen jedoch an Grenzen, wenn es um hochindividualisierte Kundenerlebnisse und schnelle Anpassungen geht.

"Plattformen bilden das Rückgrat, aber sie müssen erweiterbar bleiben", so Brettschneider. Genau dort setzt Taktsoft mit stateless konzipierten, leicht integrierbaren SaaS-Lösungen an – ganz bewusst in der zweiten Reihe, aber mit direktem Kundennutzen.

Lösungen, die nicht warten müssen

"Viele Energieversorger pausieren sämtliche Digitalisierungsprojekte, weil sie mitten in der SAP-Umstellung stecken", beobachtet Brettschneider. Für ihn ein Trugschluss: "Gerade in diesen Phasen bieten kleine, kompatible Module enorme Entlastung und verkürzen Time-to-Market."

Darauf zielen auch neue Entwicklungen wie die "ZEREZ-ID"-Prüf-App für Netzbetreiber ab oder ein Clearing-KI-Prototyp, der Kunden per E-Mail zur Nachreichung fehlender Daten auffordert und Informationen aus eingesendeten Dokumenten automatisch extrahiert. Das Ziel sei, die Kundeninteraktion zu vereinfachen und Mitarbeiter in der Fläche zu entlasten. Ohne dabei auf die langwierige Umsetzung großer Plattformprojekte warten zu müssen.

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