„Unser Standard gewinnt in der Praxis an Bedeutung“, sagt Peter-Martin Schroer Vorsitzender der Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft.

„Unser Standard gewinnt in der Praxis an Bedeutung“, sagt Peter-Martin Schroer Vorsitzender der Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft.

Bild: © Interessensgemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft

„Wer den Eindruck hat, die BO4E seien zum Scheitern verurteilt, weil sie gegen die monolithischen IT-Strukturen in der Energiewirtschaft nicht ankommen, der irrt“, sagt Peter Martin Schroer von der Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft, Hückelhoven, und freut sich: „Im Gegenteil: Schritt für Schritt erobern wir mit unserem Softwarestandard den Markt und präsentieren gleich drei Neuheiten auf einen Schlag: BO4E ‚1.0‘, den BO4E-Marktkatalog und eine Integrationsplattform, die es den Stadtwerken Münster merklich leichter macht, neue Services anzubieten.“

Zusammen mit dem ersten BO4E-Produkt zum Thema „Bestandskundenpricing“, das die drei Vereinsmitglieder ene’t, EVE und Preisenergie im letzten Jahr auf der E-World vorgestellt haben, sind die Innovationen von heute, so Schroer, „ein echter Pull-Faktor für EVU, die ihre IT auf neue stabile Füße stellen und ihre Digitalisierungsprozesse flexibler und dynamischer gestalten wollen.“

Hintergrund

Worum geht es im Einzelnen? BO4E steht für „Business Objects for Energy“ und bezeichnet einen im Jahr 2016 von der Interessengemeinschaft Ge-schäftsobjekte Energiewirtschaft ins Leben gerufenen neuen Softwarestandard, der ganz ohne die Entwicklung individueller Schnittstellen auskommt.

Statt dass Software-Applikationen unterschiedlicher Inhalte und Hersteller nur über diese, oft aufwändig zu programmierenden, Schnittstellen interagieren, passen sie mit der BO4E-Tauglichkeit direkt zusammen. Dies spare laut der Interessensgemeinschaft Zeit und Kosten beim Aufbau einer Softwarearchitektur, gestalte Datentransfers schnell sowie sicher und erlaube jederzeit die bedarfsgerechte Anpassung eines IT-Gefüges, wie sie in einem dynamischen Marktumfeld erforderlich ist.

Für alle Interessenten kostenlos zugänglich

Die Grundvoraussetzung: Alle involvierten Software-Applikationen verwenden beim Einlesen und bei der Ausgabe von Daten die im Standard festgelegten Strukturen und Formate. Dazu gibt es eine breite Palette an BO4E-Definitionen, in die die Interessengemeinschaft in den letzten Jahren viel Zeit investiert hat, wie zum Beispiel in diverse Programmiervorlagen und -entwürfe.

Als gemeinnütziger Verein übernimmt sie diese Aufgabe ehrenamtlich. Alle Ergebnisse stehen Interessenten kostenlos zur Verfügung. Die „Business Objects for Energy“ sind ein Open-Source-Angebot.

BO4E „1.0“: Die erste stabile Version

„Mit BO4E ‚1.0‘, die korrekt ausgeschrieben die Nummer ‚202401.0.0‘ trägt, geben wir jetzt erstmals eine offiziell versionierte Form unseres öffentlichen Standards heraus, auf den sich alle Akteure verlassen können“, beschreibt es Tim Steufmehl, zuständig für das Partnermanagement bei der ene’t GmbH Hückelhoven.

„Es ist die erste wirklich stabile Version.“ Den Vorteil fasst er wie folgt zusammen: „Wenn Parteien wie zum Beispiel Softwareentwickler aus einem oder aus unterschiedlichen Unternehmen miteinander kommunizieren und BO4E nutzen, funktioniert das nur dann gut, wenn sie über denselben Wissensstand verfügen beziehungsweise Versionen anwenden, die zueinander kompatibel sind. Bisher war das aufgrund der starken Eigendynamik innerhalb der BO4E-Entwicklung nicht immer der Fall. Das haben wir jetzt mit ‚1.0‘ geändert.“

Ab sofort soll es, so Steufmehl, jedes halbe Jahr ein Update in Form einer aktualisierten Version der „Business Objects for Energy“ geben; bei Bedarf auch in kürzeren Abständen. „Unsere Community wächst stetig. Wir tauschen uns in Workshops, im Messaging-Dienst ‚Slack“ und auch auf Github aktiv aus. Das wird den Standard schnell weiter voranbringen.“

BO4E-Marktkatalog: Erste Stufe eines großen Service-Pakets

Fortschritt verspricht auch der neue BO4E-Marktkatalog, den die Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte Energiewirtschaft zusammen mit der FH Aachen aktuell aus der Taufe gehoben hat. Dr. Bodo Kraft, Professor im Bereich Technomathematik der Hochschule und im wissenschaftlichen Beirat des BO4E-Vereins, bezeichnet diesen Marktkatalog als „Self-Service für Anbieter BO4E-kompatibler Dienste“.

Dahinter verbirgt sich eine IT-Plattform, auf der Softwareunternehmen ihre BO4E-Produkte eigenhändig platzieren und vorstellen können. Ein Qualitäts-Check seitens des Vereins sichert Seriosität und Güte. Jeder Interessent, ob Anbieter oder Nutzer, hat Zugang zu diesem Marktkatalog in der Cloud, kann sich informieren und mit den sich dort präsentierenden Unternehmen Kontakt aufnehmen.

„Der BO4E-Marktkatalog ist erst die erste Stufe eines großen Serviceangebots, das die Anwendung des BO4E-Standards komfortabler gestalten soll“, verrät Kraft, „die zweite und dritte Stufe sehen zusätzlich einen Process Modeller und eine Process Engine vor. Damit können Prozessschritte in einer Softwarearchitektur entworfen und direkt ausgeführt werden.“ Eine Marke für dieses Gesamtpaket steht bereits fest: „compose.IT“.

Integrationsplattform: Funktioniert wie ein App-Store

„Integration Layer“ hingegen ist der Ausdruck für eine Innovation von Items, Full-Service-IT-Dienstleisterin aus Münster sowie BO4E-Mitglied, und der Stadtwerke Münster GmbH. Beide Unternehmen haben in den letzten Monaten eine Integrationsplattform aufgebaut, die dabei helfen soll, insbesondere neue Energiedienstleistungen und -produkte schneller auf den Markt zu bringen.

„Unser Integration Layer funktioniert wie ein App-Store und bietet eine Vielzahl an BO4E-kompatiblen Komponenten“, erklärt Thomas Jansing, leitender Berater im Bereich „Digitale Kundenprozesse“ bei Items, und führt aus: „IT- und Fachabteilungen können sich aus diesem Store gleichermaßen bedienen und eine Softwarelösung für ihren ganz spezifischen Anwendungsfall kreieren.“ Diese Möglichkeit stärke nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sachgebieten eines Stadtwerks, sie verbessere auch das Ergebnis und führe vergleichsweise schnell ans Ziel.

„Fachkräftemangel einerseits und steigende digitale Ansprüche an die EVU andererseits haben zu einem IT-Business-Gap geführt, zu einer Lücke zwischen Anforderung und Ausführung“, unterstreicht Jansing, „unser ‚Integration Layer‘ hilft, diese Lücke zu schließen.“ Dass dies erfolgreich funktioniert, zeigt der erste Praxistest am Beispiel der Anwendung „Pacht einer Photovoltaikanlage“: Von der Anfrage über die Planung und Montage bis zur Abrechnung werden die dazu erforderlichen digitalen Prozessschritte mit BO4E-Applikationen effizient dargestellt.

Positionierung in der ersten Reihe

„Wir sind stolz und sehr glücklich darüber, dass sich unsere Interessengemeinschaft mit so viel Dynamik und Innovationskraft präsentiert“, zollt Peter Martin Schroer allen Protagonisten seine Anerkennung. „Man kann gar nicht hoch genug bewerten, was sich da gerade im Energiemarkt bewegt und wie viele sich für unseren Standard interessieren und ihn mittlerweile auch einsetzen. Sie engagieren sich unentgeltlich und neben ihrer eigentlichen Arbeit. Das setzt Überzeugung und Idealismus voraus.“

Doch nur für ein Dankeschön treten die Unternehmen auf Dauer nicht für die BO4E ein. Sie handeln mit strategischem Weitblick. Dazu Schroer abschließend: „Festgefügte, behäbige IT-Strukturen sind nicht das, was die Energiewirtschaft in Zukunft braucht. Sie braucht Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit und ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Business Objects tragen maßgeblich dazu bei. Unsere Förderer wissen das und positionieren sich in der ersten Reihe. Wenn die Nachfrage seitens der EVU kommt, sind sie bestens vorbereitet.“ (sg)

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