Im Rahmen des diesjährigen Berlin Energy Transition Dialogue (BETD) hat die Deutsche Energie-Agentur (Dena) in Kooperation mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie der israelischen Botschaft im neu eröffneten Future Energy Lab das Thema „Cyber-Innovationen für das sichere Energiesystem der Zukunft – eine deutsch-israelische Sichtweise“ beleuchtet.
Die Dena-Umfrage unter Netzbetreibern mit dem Titel „EnerCrypt – digitale Zukunftstechnologien für die energiewirtschaftliche IT-Sicherheit von morgen“ geht der Frage nach, welche Innovationspotenziale für Cybersicherheit in der Energiewende stecken. Neben aktuellen Trends stellt der 70-seitige Report auch Cyberinnovationen vor.
Smart Meter Rollout
Fallbeispiel
Im Rahmen des Gutachtens wurde der Smart-Meter-Rollout in Deutschland als Fallbeispiel zur Etablierung neuer Technologien betrachtet, bei dem im Wesentlichen eine technokratische Umsetzung mit einem Top-Down-Ansatz verfolgt wird.
Aufgrund verschiedener Verzögerungen ist der Rollout bisher nicht flächen-deckend erfolgt. Wie die Analyse des Rollout-Prozesses intelligenter Messsysteme in verschiedenen europäischen Ländern zeigt, existiert für die flächendeckende und weitläufige Etablierung neuer Technologien wie bei der SMGW-Infrastruktur kein pauschaler, optimaler Ansatz.
Hier seien alternative Strategien zur Etablierung neuer Technologien gefragt, wobei im Rahmen der Regulatorik eine Balance gefunden werden muss, um konkrete Mindestanforderungen an die Funktionsfähigkeit der Geräte und die Infrastruktur zu gewährleisten.
Überspezifikation mit möglichen negativen Auswirkungen
Eine potenzielle „Überspezifikation“ würde sich gegebenenfalls auch negativ auf einen wettbewerbsfähigen Markt auswirken, lautet eines der Ergebnisse. Ein wesentlicher Bestandteil zur Sicherstellung dieses Aspekts sei die transparente Entwicklung der Regulatorik und Standards, bei der alle wichtigen Interessengruppen von Beginn an in den Prozess einbezogen werden, heißt es weiter.
Eine umfassende und flexible Förderpolitik könne ebenfalls helfen, diese Prozesse zu optimieren. Innerhalb dieses Prozesses könne nicht nur ein aktiver repräsentativer Einfluss auf den Entwicklungspfad durch die Marktteilnehmer genommen werden, sondern auch eine nahezu ganzheitliche Einbeziehung von Perspektiven für eine nachhaltige Realisierung der Technologien erfolgen.
Zukunftssichere Gestaltung großflächiger Infrastrukturen
Dazu gehöre auch die Berücksichtigung einer zukunftssicheren Gestaltung großflächiger Infrastrukturen mit langfristigen Einsatzperspektiven, bei der nicht nur eine vorausschauende Dimensionierung auf der Hardwareseite erfolgen sollte, sondern auch ein vertretbarer Life-Cycle-Manage- ment-Prozess von der Softwareseite berücksichtigt wird.
Cybersicherheit als Innovationsthema
„Die Digitalisierung des Energiesystems ist eine unverzichtbare Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende", sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. Doch mit steigender Anzahl der Akteure und Technologien sowie der stetigen Vernetzung verschiedener Prozesse erhöhe sich auch das Potenzial für mögliche Cyberangriffe.
Eine besondere Bedeutung komme dem Schutz der kritischen Infrastruktur im Energiesystem zu. "Unser Gutachten leistet einen Diskussionsbeitrag, um das Thema Cybersicherheit in der Energiewirtschaft als Innovationsthema und einen energiewendegerechten Gestaltungsfaktor zu setzen“, so Kuhlmann.
In Folgeprojekten will sich die Dena dem Thema weiter widmen und künftig als Plattform nationaler und internationaler Kooperationen agieren. Im Hinblick auf die am vergangenen Mittwoch vereinbarte Deutsch-Israelische Energiepartnerschaft, wolle man künftig auch im Bereich der Cybersicherheit Lösungen und Energietechnologien in Kooperation mit den Partnern aus Israel entwickeln.
Maßnahmen
Um künftig die Etablierung neuer Technologien am Markt zu beschleunigen, müssen die bürokratischen und technischen Prozesse zur Genehmigung und Zertifizierung vereinfacht, transparenter gestaltet und beschleunigt werden, heißt es in der Zusammenfassung der Studienergebnisse.
Vorhaben, die dem technologischen Fortschritt dienen, können im Rahmen konkreter förderpolitischer Maßnahmen in Form eines Top-Down- oder Bottom-Up-Ansatzes gefördert werden, abhängig davon, ob die zielgerichtete Förderung spezifischer Technologien oder die Innovationsfreiheit im Vordergrund stehen soll.
Pilotprojekte fördern
Hybride Ansätze der Förderung können gezielte Aspekte dem aktuellen Entwicklungsstand entsprechend priorisieren und somit jeweils aktuelle Herausforderungen adaptiv adressieren.
Wenn das Interesse an einer Technologie auf dem Markt insbesondere in frühen Phasen gefördert werden soll, kann der Fokus auf die Förderung der Umsetzung von Pilotprojekten und Demonstratoren ein vielversprechender Ansatz sein, um die Anwendbarkeit von entwickelten Konzepten zu prüfen, die Akzeptanz bei den betroffenen Akteuren zu erhöhen und zu einem frühen Zeitpunkt erforderliche Anpassungen zu identifizieren, heißt es weiter.
Technokratischer Ansatz zur Etablierung einer Technologie
In späteren Phasen der Förderung nimmt die Bedeutung eines technokratischen Ansatzes, der ganzheitliche und zukunftsweisende Ziele vorsieht, zu, um die Etablierung einer Technologie am Markt zu stabilisieren.
Fazit
Insgesamt stünden der Energiewende und der innovativen Anwendungsentwicklung in der Energiewirtschaft in Deutschland viele geeignete Mittel in Verbindung mit nationalen sowie internationalen Erfahrungen zur Verfügung, schreiben die Studienautoren.
Transparenz, Interoperabilität, wohldefinierte Förderpolitik, Anwendungsorientierung, Kommunikations- und Datensicherheit sowie ein umfassendes, praxisorientiertes und branchenweit abgestimmtes regulatorisches Rahmenwerk sind die in diesem Gutachten identifizierten Kernaspekte für eine langfristig (cyber-)sichere und zukunftsorientierte deutsche und europäische Energiewirtschaft.
Hier sei ist eine Balance zwischen Cybersicherheitskonzepten, Kostenaspekten und Anwendungsfeldern unter Beteiligung aller Akteure aus der Energiewirtschaft und der Politik erforderlich. (sg)
Future Energy Lab
Hintergrund
Mit dem Future Energy Lab will die Dena im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) einen Raum schaffen, in dem Digital- und Energiewirtschaft zusammenkommen.
Ziel ist es einerseits als Pilotierungslabor und Denkwerkstatt neue software- und hardwaretechnische Entwicklungen für die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität im Bereich der Energiewende voran zu treiben. Zum anderen dient das Future Energy Lab als Plattform, um die Zusammenarbeit aller Branchenakteure zu fördern und schafft für Start-Ups einen Kreativplatz für innovative Lösungsentwicklungen.



