Für viele Energieversorger verdichten sich 2026 die regulatorischen Vorgaben. Mehrere Vorhaben laufen parallel oder stehen kurz vor der Umsetzung. Dazu zählen der MaBiS-Hub, der Lieferantenwechsel Gas in 24 Stunden und neue Vorgaben zur Pseudonymisierung. Hinzu kommen Reformen bei Netzentgelten, Speicherintegration und Marktkommunikation.
Der Ettlinger IT-Anbieter Cortility sieht darin vor allem für kleine und mittlere Stadtwerke eine große Belastung. "Viele Unternehmen blicken nicht auf ein einzelnes Projekt, sondern auf mehrere Baustellen gleichzeitig", konkretisiert Geschäftsführer Holger Geiger. "Die Herausforderung liegt in der Summe aus Regulierung, knappen Ressourcen und nötigen IT-Anpassungen."
MaBiS-Hub verlangt frühe Vorbereitung
Besonders weitreichend könnte aus Sicht des Unternehmens der MaBiS-Hub werden. Dahinter steht der Plan, die heutige Verarbeitung von Viertelstundenwerten in der Strombilanzierung stärker zu zentralisieren. Künftig sollen Daten transparenter, einheitlicher und mit höherer Qualität verarbeitet werden.
Für die Unternehmen bedeutet das nach Einschätzung von Cortility vor allem Vorarbeit. Schnittstellen müssen angepasst, Prozesse geprüft und Fachabteilungen eingebunden werden. "Der MaBiS-Hub ist kein Thema für die letzte Minute", unterstreicht Geiger. "Wer betroffen ist, muss früh an Datenqualität, Prozessstabilität und Systemlandschaft arbeiten."
Damit steigt der Druck auf Häuser, die ohnehin mit knappen IT-Ressourcen arbeiten. Gerade dort dürfte die Vorbereitung früh beginnen müssen, wenn spätere Reibungsverluste vermieden werden sollen.
Gaswechsel und Pseudonymisierung erhöhen die Last
Auch die Pseudonymisierung dürfte viele Marktteilnehmer beschäftigen. Last und Zählerstandsgänge müssen so verarbeitet werden, dass der Personenbezug erschwert wird, die Daten aber weiter nutzbar bleiben. Das wirkt auf den ersten Blick technisch, greift aber tief in Prozesse und Datenhaltung ein.
"Pseudonymisierung ist kein Randthema für Spezialisten", sagt Geiger. "Sie betrifft ganz konkret die Frage, wie Daten künftig verarbeitet, übermittelt und geschützt werden."
Hinzu kommt der geplante Lieferantenwechsel Gas in 24 Stunden. Nach Darstellung von Cortility müssen sich Netzbetreiber und Lieferanten dafür auf neue Marktprozesse, Datenformate und Kommunikationsstandards einstellen. "Das ist ein ambitioniertes Vorhaben", sagt Geiger. "Die Unternehmen müssen ihre Systeme anpassen und zugleich sicherstellen, dass die neuen Abläufe im Alltag auch funktionieren."
Aus Sicht des Unternehmens reicht es deshalb nicht, nur die IT zu betrachten. Auch Fachbereiche und Mitarbeitende müssten vorbereitet werden. "Neue Prozesse müssen verstanden und gelebt werden", unterstreicht Geiger. "Sonst entstehen Reibungsverluste genau dort, wo eigentlich mehr Tempo und Standardisierung erreicht werden sollen."
Mehrere Reformen laufen parallel
Weitere Themen laufen parallel. Dazu gehört MiSpeL, also die Marktintegration von Speichern und Ladepunkten. Auch HEDWIG, das Verfahren zur Herausgabe von Energiemarktdaten, dürfte neue Anforderungen an Datenbereitstellung und Transparenz schaffen.
Mit AgNes steht zudem eine Reform der Netzentgeltsystematik im Raum, die für Netzbetreiber und andere Marktteilnehmer wirtschaftlich relevant werden kann. Dazu kommt die Weiterentwicklung der Marktkommunikation im Strommarkt. Insgesamt steuere die Branche auf mehr Plattformlogik und stärkere Standardisierung zu.
"Die Richtung ist klar", sagt Geiger. "Weniger bilaterale Komplexität, mehr zentrale Strukturen, mehr Anforderungen an saubere Daten." Auch Energy Sharing dürfte den Anpassungsdruck erhöhen. Neue gesetzliche Regelungen schaffen zusätzliche Anforderungen an Plattformen, Prozesse und Abrechnung. Vor allem dort, wo neue Energiegemeinschaften entstehen, wächst damit die Komplexität.
Prioritäten werden zum Erfolgsfaktor
Für Stadtwerke und Versorger ergibt sich aus Sicht von Cortility deshalb vor allem eine Aufgabe: priorisieren. Nicht jedes Thema werde sich gleichzeitig bis ins Detail lösen lassen. Umso wichtiger sei es, die kritischen Schnittstellen früh zu identifizieren und die Umsetzung realistisch zu planen.
"Niemand wird alle Themen gleichzeitig perfekt lösen können", sagt Geiger. "Entscheidend ist, die kritischen Schnittstellen rechtzeitig stabil zu bekommen und einen realistischen Umsetzungsplan zu haben."



