Laut VKU kann es keine klare und einheitliche Definition der Daten geben, die den unterschiedlichen Situationen in den Ländern gerecht wird.

Laut VKU kann es keine klare und einheitliche Definition der Daten geben, die den unterschiedlichen Situationen in den Ländern gerecht wird.

Bild: © gonin/AdobeStock

Von Stephanie Gust

Zum 6. Juni 2025 tritt der tägliche Lieferantenwechsel (LFW24) in Kraft. Was politisch als Schritt in Richtung Marktöffnung gedacht ist, stellt viele Energieversorger vor erhebliche technische und organisatorische Herausforderungen. Eine aktuelle Umfrage der "Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe" (DSAG) unter 42 Energieunternehmen zeigt: Die Umsetzung des beschleunigten Lieferantenwechsels wird vielfach nur eingeschränkt gelingen – trotz verlängerter Frist.

Komplexe Anforderungen, unklare Prozesse

Laut DSAG-Umfrage gehen über 83 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass sie die Vorgaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) nicht vollständig oder nur eingeschränkt umsetzen können. Insbesondere bei Prozessen zur Stammdatenpflege, der Integration von Cloud- und On-Premises-Systemen sowie bei Korrekturprozessen wird hoher Anpassungsbedarf gesehen. Hinzu kommen Defizite in der Automatisierung und im Monitoring. Auch das Testen mit Marktpartnern sei vielfach noch nicht in ausreichendem Umfang möglich.

Nicht abgeschlossene S/4HANA-Migration führt zu Mehraufwand

Eine weitere Erkenntnis: 83 Prozent der teilnehmenden Unternehmen arbeiten weiterhin mit SAP ERP ECC – nur 17 Prozent haben bereits auf SAP S/4HANA migriert. Das hat direkte Auswirkungen auf die Umsetzung des LFW24. Denn laut DSAG ist die von SAP empfohlene Standardlösung nur mit S/4HANA vollständig umsetzbar. ECC-Nutzer müssen auf Eigenentwicklungen und Workarounds zurückgreifen – mit allen bekannten Risiken für Qualität und Prozesssicherheit.

Fristverlängerung nicht ausreichend

Die Fristverlängerung der BNetzA vom 4. April auf den 6. Juni 2025 wird von 81 Prozent der Unternehmen als unzureichend bewertet. Bereits im Dezember 2024 hatte die DSAG vor strukturellen Engpässen und fehlenden Tests gewarnt. Die aktuelle Umfrage bestätigt: Ohne ein übergreifendes Übergangsszenario drohen Instabilitäten in den Marktprozessen.

Belastung steigt – Qualität leidet

Die Stadtwerke setzen auf Maßnahmen wie gezieltes Projektmanagement, zusätzliche Tests, Personalqualifizierung und die Einbindung externer IT-Ressourcen. Dennoch rechnen viele mit einem deutlichen Mehraufwand – insbesondere beim Clearing – sowie mit steigenden Kosten und sinkender Kundenzufriedenheit. Die Umsetzung parallel zum Smart-Meter-Rollout verschärft die Lage zusätzlich.

Appell an die Bundesnetzagentur

Die DSAG fordert vor diesem Hintergrund eine erneute Bewertung der Marktlage durch die Bundesnetzagentur nach dem 6. Juni sowie eine unterstützende Kommunikation im Fall von Umsetzungsproblemen. Sanktionen gegenüber engagierten Versorgern seien aus Sicht der DSAG nicht angemessen. Es brauche "strukturelle Klarheit und technische Sicherheit" für künftige Änderungen im Markt.

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