Gastbeitrag von:
Marcel Pongé und
Andreas Kolo,
BTU EVU Beratung GmbH
Ursache für den nicht fristgerechten Abschluss seien Probleme bei einer Softwareumstellung anlässlich des 24-Stunden-Lieferantenwechsels gewesen. Der Übertragungsnetzbetreiber teilte dies seinen zugeordneten Verteilnetzbetreibern transparent und vorbildlich in der Kommunikation mit. Diese technische Störung unterlief selbst einem Übertragungsnetzbetreiber, der ansonsten für sein sehr hohes Qualitätsniveau bekannt ist. Die Lastgänge aus Juni können wochenlang nicht verarbeitet werden. Mit Verzögerung werden nun die Monatsabrechnungen der Bilanzkreise, auch des Differenzbilanzkreisaggregats, erbracht.
Gefahren der Zentralisierung
Hier blicken die Verteilnetzbetreiber sorgenvoll in die Zukunft, soll doch mit der Einführung des MaBiS-Hubs die Aggregationsverantwortung der Bilanzierungsgebiete von den Verteilnetzbetreibern abgezogen und national zentralisiert werden, vermutlich durch einen oder mehrere beauftragte Übertragungsnetzbetreiber. Der vorliegende Unfall, auf die Zukunft übertragen, würde einen wochenlangen Blindflug bedeuten, wenn der MaBis-Hub den Verteilnetzbetreibern keine täglichen Differenzbilanzkreisaggregat-Daten für deren Differenzbilanzkreisaggregat-Bewirtschaftung übermittelt.
Diese Störung in einem großen EDV-System der Energiewirtschaft unterstreicht wiederholt die Forderung der Verteilnetzbetreiber, die Schattenbilanzierung, aber auch die zählerscharfe Messwert-Qualitätssicherung weiter dezentral in den Händen der Verteilnetzbetreiber zu belassen. Das geht sehr wohl auch unter Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung, wenn man die vulnerablen personenbezogenen Stammdaten von den Lastgängen entfernt. Die Datenschutzgrundverordnung wurde seitens der Bundesnetzagentur als Grund für die Zentralisierung bemüht. Die Marktrolle des Verteilnetzbetreiber würde jedoch mit dem MaBiS-Hub diskriminiert und von rechnungsprüfungsrelevanten Daten abgeschnitten.
Schattenbilanzierung ermöglicht tägliche Differenzbilanzaggregat-Zeitreihen
Ohne Zentralisierung mit dem MaBiS-Hub könnte der Verteilnetzbetreiber bei solch einem Störfall weiterhin per Schattenbilanzierung selbst eine tägliche Differenzbilanzaggregat-Zeitreihe erzeugen, die essenziell für die ihm obliegende Bewirtschaftung der Differenzbilanzaggregat-Zeitreihe benötigt wird. Bei der Schattenbilanzierung erzeugt der Verteilnetzbetreiber aus den Einzellastgängen und gegebenenfalls unter Bildung sachgerechter dimensional passender Ersatzwerte die Bilanzkreissummen und seine Differenzbilanzaggregation.
Die Schattenbilanzierung wird durch das vorhandene Energiedatenmanagement-System erbracht. Der Verteilnetzbetreiber sitzt bei Umsetzung des MaBiS-Hubs mit verbundenen Augen gefesselt auf der Rücksitzbank und soll die Knöllchen zahlen. An dieser Stellte sollte erwähnt werden, dass die von den Verteilnetzbetreibern praktizierte, qualitätserhöhende Schattenbilanzierung in der MaBiS nie vorgesehen war. Sie ist eine Eigeninitiative der Verteilnetzbetreiber, ganz ohne Anstoß der Bundesnetzagentur. Die vom Unfall betroffenen Verteilnetzbetreiber fahren derzeit auf dem Reservereifen, weil der Bilanzkoordinator seine Aufgaben nicht vollständig erfüllt. Mit dem MaBiS-Hub soll es keinen Reservereifen mehr geben.
Kosten durch Zentralisierung der Aggregation werden nicht sinken
Ist die Bundesnetzagentur noch offen für eine Alternative zur zentralistischen Lösung des MaBiS-Hubs? Die Bundesnetzagentur plant nun ebenfalls eine Zentralisierung der Marktkommunikation des Lieferantenwechsels nach gleichem Prinzip.
Wir brauchen ein fehlertolerantes, redundantes System. Die Gefahr einer Verletzlichkeit durch Software-Bugs oder Hacker ist erkannt. Energiepolitik ist Sicherheitspolitik.
Das Argument Einsparung von Personalkosten ist überzeugungsarm, ein einziger vergeigter Bilanzierungstag ist für einen Verteilnetzbetreiber im Einzelfall teurer als ein Jahresgehalt. Die Annahme, dass mit dem Zentralisieren der Aggregation im MaBiS-Hub die Kosten bei den Verteilnetzbetreibern sinken, wird sich nicht erfüllen, da allein für die Prüfung der eingehenden hohen Differenzbilanzaggregat-Rechnungen qualifiziertes EDM-Personal weiter benötigt wird.



