Der im Januar 2014 eingeweihte Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses dient als Sitz des Landtages Brandenburg. Das ursprüngliche aus dem 18. Jahrhundert stammende Stadtschloss wurde 1945 zerstört.

Der im Januar 2014 eingeweihte Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses dient als Sitz des Landtages Brandenburg. Das ursprüngliche aus dem 18. Jahrhundert stammende Stadtschloss wurde 1945 zerstört.

Bild: © Shutterstock

Nach Hinweisen von Sicherheitsbehörden auf einen bevorstehenden Cyberangriff hatte die Stadtverwaltung die Verbindungen zum Internet vergangene Woche (30. Dezember) getrennt. Seitdem können Dienstleistungen für Bürger nicht mehr getätigt werden, etwa das Ausstellen von Pässen, Anfertigen von Urkunden oder Online-Anträge für das Wohngeld.

Die Verwaltung ist ebenfalls nicht per E-Mail erreichbar. Auch die Stadtwerke Potsdam, die städtische Wohnungsgesellschaft ProPotsdam und das städtische Klinikum Ernst von Bergmann schalteten vorsorglich Internet- und E-Mail-Verbindungen ab.

Anfang Januar sollen Ausweichlösungen greifen

Die Stadt Potsdam hatte am Wochenende erklärt, die Systeme sollten vorerst so ausgerichtet werden, dass ab Anfang Januar möglichst mit Ausweichlösungen die Arbeitsfähigkeit insbesondere für die Sozialverfahren aufrechterhalten werden könne.

Das Landeskriminalamt hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Ab wann die Stadt wieder online ist und der Bürgerservice wieder funktioniert, war unklar. Ein Krisenstab unter Leitung des Potsdamer Oberbürgermeisters Mike Schubert (SPD) wurde eingerichtet.

Schon 2020 Cyberangriff auf die Landeshauptstadt

«Es ist nicht nur kriminell, sondern asozial in so schweren Zeiten, in denen Bürger von der Beantragung und Auszahlung von Wohngeld und Sozialleistungen abhängig sind, dazu nötige IT-Systeme zu attackieren», sagte Schubert. Die Stadt sei dabei, die Systeme so auszurichten, dass ab Anfang Januar möglichst mit Ausweichlösungen die Arbeitsfähigkeit insbesondere für die Sozialverfahren aufrechterhalten werden könne. Auch externe IT-Sicherheitsexperten sollten sich um den Schutz der Systeme gegen externe Angriffe kümmern.

Bereits im Januar 2020 hatte es einen Cyberangriff auf die Landeshauptstadt gegeben, deren Internetverbindung rund eine Woche abgeschaltet blieb. Anders als in diesem Fall war damals laut Stadt eine Schwachstelle im System eines externen Anbieters verantwortlich.

Unklar ist, ob es eine geplante Cyberattacke gegeben haben soll

Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg gehen nun den Hinweisen auf eine bevorstehende Cyberattacke nach. Drohschreiben mit Forderungen seien der Polizei bislang nicht bekannt, sagte die Sprecherin der Polizeipräsidiums, Beate Kardels, am Freitag. Zudem gebe es derzeit auch keine Hinweise auf Cyberattacken gegen weitere Kommunen in Brandenburg.

Die IT-Fachleute des LKA seien im Kontakt mit der Stadt und im Austausch mit anderen Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sagte die Polizeisprecherin. Die Spezialisten wollen ermitteln, wer hinter dem mutmaßlich geplanten Cyberangriff steckt. Sie untersuchen auch, ob es Sicherheitslücken im System der Stadt gibt.

Keine Fahrtickets erhältlich

Auch die Stadtwerke Potsdam entschieden, ihre Internet- und E-Mail-Verbindungen ab Freitagnachmittag abzuschalten. Diese vorsorgliche Maßnahme diene der Gefahrenabwehr und gelte bis zum Montag, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Es seien etwa die Kundendienste betroffen, sagte der Sprecher der Stadtwerke, Stefan Schulz. Aber beispielsweise auch Fahrscheine der Deutschen Bahn könnten nicht verkauft werden. Die Stadtwerke als kommunales Unternehmen sind auch für den Personennahverkehr in Potsdam zuständig. (dpa/sg)

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