"In KI-gestützten Suchwelten geht es nicht mehr darum, auf Platz eins im Ranking zu stehen. Entscheidend ist, ob Inhalte von den Systemen zitiert werden", sagt Philipp Dempke von Vancado.

"In KI-gestützten Suchwelten geht es nicht mehr darum, auf Platz eins im Ranking zu stehen. Entscheidend ist, ob Inhalte von den Systemen zitiert werden", sagt Philipp Dempke von Vancado.

Bild: © Hashan/AdobeStock

Von Stephanie Gust

Die Suchwelt verändert sich rasant. Generative KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Googles AI Overviews greifen längst nicht mehr nur auf klassische Suchalgorithmen zurück, sondern interpretieren Inhalte eigenständig. Für Stadtwerke und kommunale Versorger bedeutet das: Wer digital sichtbar bleiben will, muss seine Kommunikationsstrategien anpassen. Das zeigt ein aktuelles Whitepaper der Kölner Digitalagentur Vancado.

Antworten statt Links

"In KI-gestützten Suchwelten geht es nicht mehr darum, auf Platz eins im Ranking zu stehen. Entscheidend ist, ob Inhalte von den Systemen zitiert werden", sagt Philipp Dempke von Vancado. KI bewertet ihm zufolge Inhalte weniger nach Keywords, sondern nach Kontext, Qualität und Relevanz. Für Unternehmen verschiebt sich die Sichtbarkeit vom Suchergebnis zur Präsenz im sogenannten Antwortraum.

Das stellt Stadtwerke vor neue Herausforderungen. Nutzer erwarten heute direkte Antworten statt langer Klickpfade. Inhalte müssen deshalb so aufbereitet sein, dass sie sowohl für Menschen verständlich als auch für Maschinen lesbar sind – präzise, semantisch strukturiert und mit klaren Quellen versehen. "Nur Inhalte, die für beide Zielgruppen optimiert sind, sichern langfristige Sichtbarkeit", so Dempke.

Vom SEO zum System

Das klassische Handwerkszeug – Ladezeiten optimieren, Keywords platzieren, Backlinks aufbauen – bleibt wichtig. Doch es reicht nicht mehr aus. Dempke spricht von einer Erweiterung des Werkzeugkastens um neue Disziplinen:

  • GEO (Generative Engine Optimization): Inhalte für generative Antwortsysteme wie Chatbots optimieren
  • AIO (AI Overview Optimization): Inhalte für Googles KI-Overviews strukturieren
  • XIO (Experience Interface Optimization): Inhalte für multimodale Interfaces wie Sprachassistenten oder visuelle Snippets gestalten
  • ASO (AI Shopping Optimization): Produktdaten so pflegen, dass KI-gestützte Einkaufsassistenten sie korrekt einordnen

Für Stadtwerke bedeutet das, ihre Informationen modular aufzubereiten. Ein Projektbericht kann gleichzeitig als Fachtext, FAQ-Baustein und visuelles Snippet funktionieren – je nachdem, wie ein KI-System ihn abruft.

Vertrauen wird zum Rankingfaktor

Besonders betont das Whitepaper den Faktor Vertrauen. Die aus der Google-Welt bekannten Kriterien EEAT – Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness – gewinnen im KI-Zeitalter neue Bedeutung. Inhalte mit belegtem Fachwissen, klar erkennbaren Autoren und transparenten Quellen haben die besten Chancen, in Antworten eingebunden zu werden. "Generative Modelle vermeiden bewusst unsichere Quellen. Stadtwerke sollten deshalb ihre Kompetenz sichtbar machen und Inhalte regelmäßig aktualisieren", sagt Dempke.

Nutzererlebnis im Fokus

Neben technischer Struktur und Quellenangaben wird das Nutzererlebnis entscheidend. Lesbarkeit, klare Gliederungen, präzise Begriffsdefinitionen und konsistente Terminologie helfen nicht nur Menschen, Inhalte besser zu erfassen, sondern auch Maschinen, diese korrekt einzuordnen. Interaktive Grafiken oder visuell aufbereitete Prozessbeschreibungen steigern zudem die Wahrscheinlichkeit, in KI-generierten Antworten berücksichtigt zu werden.

Für kommunale Versorger heißt das: Die digitale Darstellung von Projekten – ob beim Smart-Meter-Rollout, beim Ausbau der Fernwärme oder bei neuen Mobilitätsangeboten – sollte so gestaltet sein, dass Inhalte sowohl als Informationsquelle für Bürger als auch als Datenbaustein für KI-Systeme dienen.

Handlungsempfehlungen für Stadtwerke

Das Whitepaper nennt fünf zentrale Schritte für den Einstieg in KI-SEO:
1.    Semantische Content-Strategie: Inhalte nach Themenclustern, Entitäten und Begriffen strukturieren
2.    Strukturierte Daten einsetzen: Mit Schema.org oder JSON-LD Informationen maschinenlesbar machen
3.    EEAT stärken: Fachautoren sichtbar machen, Quellen angeben, externe Referenzen nutzen
4.    UX und Performance optimieren: Ladezeiten verkürzen, barrierefreie Gestaltung und intuitive Navigation sichern
5.    Inhalte modular denken: Informationen so aufbereiten, dass sie in verschiedenen KI-Kanälen funktionieren

Dempke fasst zusammen: "Klassisches SEO sorgt für technische Auffindbarkeit – KI-SEO sorgt für kontextuelle Sichtbarkeit."

Daueraufgabe statt Projekt

Die Autoren des Whitepapers betonen, dass SEO im KI-Zeitalter kein einmaliges Projekt ist. Märkte, Plattformen und Algorithmen ändern sich fortlaufend. Stadtwerke sollten ihre Strategien deshalb quartalsweise überprüfen, Inhalte aktualisieren und Optimierungspotenziale identifizieren. Wer frühzeitig handelt, sichert sich Vorteile in einer Suchwelt, die immer stärker von KI-Systemen bestimmt wird.

"Wir sehen die Zukunft von SEO in einer intelligenten Verzahnung von Mensch und Maschine", so Dempke. "Wer heute die Weichen für semantisch saubere, technisch robuste und nutzerzentrierte Inhalte stellt, wird auch morgen relevant bleiben."

Philipp Dempke

ist Experte für Digitalisierung und digitale Barrierefreiheit. Dempke arbeitet im Business Development sowie in der Öffentlichkeitsarbeit bei Vancado. Das Unternehmen unterstützt kommunale Unternehmen, Stadtwerke, aber auch private Organisationen bei der Umsetzung zukunftsfähiger, barrierefreier Digital-Lösungen. Der 32-jährige Kölner hält regelmäßig Vorträge und Webinare zu diesen Themen.

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