Der B2B-Energiemarkt erlebt einen Wandel von Festpreisprodukten hin zu maßgeschneiderten Lösungen wie PPAs, Spotmarkt-Modellen und Tranchen-Produkten. Doch während der Vertrieb erfolgreich innovative Produkte platziert, stößt die Abrechnungsabteilung an ihre Grenzen: Eine aktuelle Branchenumfrage von Kreutzer Consulting und Solarize zeigt, dass jede fünfte Rechnung manuelle Eingriffe erfordert – die gewünschte Produktvielfalt wird dadurch zur wirtschaftlichen Belastung statt zum Wettbewerbsvorteil.
Der Status quo: Komplexe Produkte, einfache Werkzeuge
Die Umfrageergebnisse zeigen ein klares Bild: Fast alle befragten Unternehmen bieten klassische Festpreise an (94 Prozent), doch bereits über die Hälfte hat Tranchenmodelle und Spotmarktprodukte im Portfolio. Besonders deutlich wird der Trend bei den "Kombiprodukten" (über 50 Prozent) und PPAs (44 Prozent), die individuelle Abnahmeverträge direkt mit Erzeugern verknüpfen.
Die Ernüchterung folgt beim Blick auf die genutzten Systeme. Trotz der hohen Komplexität dieser Produkte verlassen sich viele Versorger weiterhin auf eine Kombination aus etablierten ERP-Systemen und – als "Retter in der Not" – Microsoft Excel. Die Studie identifiziert hierbei drei zentrale Herausforderungen, die den Handlungsdruck verdeutlichen: Der enorme Zeitaufwand für manuelle Prozesse (88 Prozent), die fehlende Flexibilität der Bestandssysteme (53 Prozent) und die daraus resultierende mangelnde Skalierbarkeit (45 Prozent).
Die Schmerzpunkte: Wenn manuelle Prozesse das Wachstum bremsen
Besonders drastisch ist der Blick auf die operative Realität: 17 Prozent der Unternehmen geben an, bei fast jeder Rechnung manuell eingreifen zu müssen. Bei weiteren 21 Prozent ist dies bei jeder vierten bis fünften Rechnung der Fall. In einer Welt, die nach Automatisierung und Effizienz verlangt, ist dieser hohe Grad an manueller Bearbeitung ein massiver Wettbewerbsnachteil.
Je innovativer das Produkt, desto höher die Hürde: Während Spotpreis- und Tranchenmodelle für etwa ein Viertel der Befragten schwierig abzurechnen sind, ist dies bei PPAs und Hybridmodellen bei rund der Hälfte der Unternehmen der Fall.
Die Konsequenz: Der Ruf nach Veränderung wird lauter. Ein Viertel der Unternehmen plant bereits konkret einen Systemwechsel, weitere 20 Prozent prüfen ihre Optionen oder behandeln das Thema strategisch. Die Mehrheit derjenigen, die einen Wechsel planen, möchte diesen innerhalb der nächsten zwei Jahre vollziehen. Es zeigt sich: Wer im B2B-Markt wachsen will, muss die Brücke zwischen innovativen Produkten und einer automatisierten, skalierbaren IT-Landschaft schlagen.
Marktsignal Systemwechsel: Die Evolution der B2B-Abrechnung
45 Prozent der befragten Versorger planen bereits einen Wechsel der Abrechnungslösung für B2B-Produkte. Da dieser Umstieg innerhalb der nächsten 24 Monate erfolgen soll, wird die automatisierte Beherrschung komplexer Zeitreihen voraussichtlich bis 2028 zum neuen Branchenstandard.
Damit wandelt sich die IT-Effizienz von der internen Optimierung zur zwingenden Voraussetzung für die eigene Handlungsfähigkeit. Wer diesen Modernisierungszyklus verpasst, verliert die Fähigkeit, neue Energiewelten ohne personellen Mehraufwand abzubilden.
Strategische Weichenstellungen für 2026
Aus Sicht von Kreutzer Consulting und Solarize reicht es nicht, neue Produkte zu entwickeln. Versorger müssten ihre Prozesse und Systeme so aufstellen, dass Komplexität beherrschbar bleibt. Eine strategische Neuausrichtung im B2B-Vertrieb sei daher ebenso nötig wie klare Prioritäten in der IT.
Entscheidend sei eine Abrechnung, die komplexe Zeitreihen automatisiert und verbrauchsgenau verarbeitet. Nur wenn Systeme skalierbar arbeiten, lasse sich Produktvielfalt wirtschaftlich abbilden. Andernfalls werde Innovation im Vertrieb zur Belastung im Backoffice.
Die Studie macht damit deutlich: IT-Effizienz ist keine interne Optimierung mehr, sondern Voraussetzung für Wachstum im B2B-Markt.



