Die E-World dürfte dieses Jahr sehr spannend werden: Die Wilken Software Group will dort die Schleier zu ihrem neuen Projekt Lighthouse lüften. Derzeit arbeiten die Mitarbeiter in Ulm emsig hinter den Kulissen an einer cloudbasierten Komplettlösung. „Das wird die Energieversorger-Welt revolutionieren“, ist sich CEO Dominik Schwärzel sicher.
Denn während viele ERP-Anbieter ihre neuen Lösungen schon präsentiert haben, hat sich Wilken Zeit gelassen: „Wir haben keinen Investor im Nacken, der uns unter Druck setzt und wir wollten ungestört ein Produkt auf den Markt bringen, das mit einer komplett neuen Philosophie entwickelt wurde und echte Lösungen für die Herausforderungen der Branche bereitstellt“, sagt Schwärzel.
Komplett neue Lösung
Die bestehenden Wilken-Lösungen NTS.suite und Wilken Ener:gy wurden nämlich nicht einfach umgerüstet und cloudifiziert, sondern es wird sich um eine komplett neue Welt handeln, wobei die bestehenden Anwendungen ENER:GY und NTS.suite ebenso weiterentwickelt werden. „Der Ansatz, bestehende Produkte einfach mit moderneren Komponenten nachzurüsten, stößt langfristig an technologische Grenzen. Wir wollen unsere Kunden nachhaltig in die Lage versetzen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb haben wir uns entschieden, eine völlig neue Lösung auf der grünen Wiese zu entwickeln.“
Damit will Wilken gewährleisten, dass das System auch noch in zehn Jahren und darüber hinaus modern ist und „die ständig wechselnden technologischen Änderungen, aber auch die regulatorischen Anforderungen schnellstmöglich umsetzen kann“, so Schwärzel.
#beraterlos und #sachbearbeiterlos
„Mit diesem Ansatz können wir innerhalb von zwei bis vier Wochen neue Lösungen entwickeln“, verdeutlicht Chief Customer Officer Tobias Mann die neue Geschwindigkeit. „Wir wollen große Customizing-Projekte vermeiden. Vielmehr sollen es unsere Kunden so einfach wie möglich haben, neue Lösungen auf unserer Plattform zu testen und anzuwenden.“ Und das neue System ist schnell einsatzbereit: In nur 2,5 Minuten ist es laut Mann technisch voll funktionsfähig.
Mann wird noch konkreter: „Unser Ziel haben wir in zwei Hashtags festgehalten #beraterlos und #sachbearbeiterlos – so soll unsere Lösung umgesetzt werden.“
Anbindung von Partnerunternehmen
Die Kunden profitieren Mann zufolge von einem hohen Automatisierungsgrad, geringeren Betriebskosten sowie einem intelligenten Assistenzsystem. An der rein cloudbasierten Lösung werden auch ausgewählte und von Wilken zertifizierte Partnerunternehmen angebunden. „Wir achten sehr darauf, dass unsere Partner technisch, aber auch kulturell zu uns passen“.
Kundencommunity und mehr Interaktionsmöglichkeiten
Gleichzeitig stellt Wilken seine Kunden noch mehr in den Mittelpunkt. Dies hatte das Unternehmen schon im Mai bei der Bekanntgabe seines neuen Logos kommuniziert. Bereits jetzt setzen die Ulmer in der ersten Stufe darauf, eine Kundencommunity zu etablieren und diese mehr in neue Lösungen einzubeziehen. In Expertengremien und Fachforen etwa tauschen sich die Kunden zu Themen wie Dynamische Tarife oder AS4 aus. „Dieses Format wird sehr gut angenommen“, so die einstweilige Bilanz von Tobias Mann. Erst kürzlich hatte Wilken eine neue Schulungsplattform vorgestellt.
Und es soll noch weitergehen: Klar erklärtes Ziel von Wilken ist, Kunden in die Entwicklungsprozesse tief zu integrieren, um deren Herausforderungen und Bedürfnisse ohne Umwege in die Lösung zu integrieren. Entwickelt wird ein Partnernetzwerk, in dem sich die Kunden direkt auf einer Plattform austauschen können.
Schon jetzt setzt Wilken auf zentrale Webinare, in denen wichtige Neuerungen in der Regulatorik besprochen werden – zuletzt war das die Umstellung von AS4, zuvor die Preisbremsen. Hier hatte man sogar zeitweise jede Woche ein Meeting dazu, die gut gefüllt waren – zuweilen mit bis zu 800 Teilnehmern.
Umbau auf allen Ebenen bei Wilken
Die Veränderung bei Wilken ist nicht nur rein technologisch. Auch organisatorisch und von der Arbeitskultur her musste umgedacht werden, erläutert Dominik Schwärzel. Am besten sichtbar wird das in den neuen Büroräumen in Ulm und beim Neubau in Greven, der im Dezember von den rund 200 Mitarbeitenden am Standort bezogen wird. Hier stehen den Mitarbeitenden unterschiedliche Orte zur Zusammenarbeit aber auch Einzelräume zum ungestörten Arbeiten zur Verfügung.
Denn auch die Zusammensetzung der Abteilungen hat sich geändert: Berater, Entwickler, Marketing und Kundenberatung sowie Customer Care arbeiten in interdisziplinären Teams zusammen und treiben so gemeinsam und nicht mehr in hierarchischen Strukturen neue Ideen und Kundenwünsche voran. Ein Nebeneffekt des Ganzen: „Wir bemerken als positiven Effekt der Transformation, dass wieder deutlich mehr Menschen ins Büro wollen. Die Mitarbeiter wollen sich austauschen und einander sehen“, ist die Beobachtung von Schwärzel.
Veränderungen als Chance begreifen
„Wichtig sei es, offen für Neuerungen und Veränderungen zu sein. Transformationen sind alternativlos, wir versuchen das so positiv wie möglich zu sehen und das legen wir auch unseren Kunden ans Herz“, sagt Tobias Mann. Deswegen sehe man es auch als Aufgabe an, die sich stetig ändernden Anforderungen in der Regulatorik den Kunden so gut wie möglich abzunehmen. „Das haben wir bei AS4 gesehen, die Kunden haben das einfach an uns ausgelagert und waren sehr zufrieden, dass wir das für sie übernommen haben“, so Mann. Veränderungen sollte man als Chance begreifen, dann würden sie auch viel leichter fallen. (sg)
Für Bestandskunden der NTS.suite und Wilken:Energy ändert sich nach Angaben der Wilken Software Group übrigens nichts. Auch die beiden Produktlinien werden weiterhin geupdated, weiterentwickelt und gewartet. 2025 sollen auch hier die neuen Versionen vorgestellt werden.



