"Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen", sagt Bundesfrauenministerin Franziska Giffey.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen", sagt Bundesfrauenministerin Franziska Giffey.

Bild: © yurolaitsalbert/AdobeStock

Damit Frauen den digitalen Umbruch künftig in allen Bereichen gestalten können, hat das Bündnis #SheTransformsIT, hinter dem führende Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft stehen, einen Zehn-Punkte-Plan für ein zukunftsfähiges Deutschland entwickelt.

Die Maßnahmen orientieren sich laut dem Bündnis an der weiblichen Lebenswelt und Weichenstellungen wie Schulzeit, Ausbildungswahl oder Familienplanung. Ziel ist es, in der kommenden Legislaturperiode einen digitalen Frauenpakt zu schließen – mit messbaren Zielen.
 

Pflichtfach Informatik

Unter anderem fordert die Initiative, Mädchen in der Schule natürlich und gestaltend mit der Digitalisierung in Kontakt zu bringen. Dafür brauche es verpflichtenden Informatikunterricht für alle und gendersensible Schulbücher. Digitale Ausbildungsberufe müssten bei Mädchen als selbstverständliche Alternative, statt als Ausnahme wahrgenommen werden, etwa indem man Rollenvorbilder schaffe und zeige.

„Informatik für alle bedeutet, mit dem Pflichtfach Informatik für alle Mädchen und Frauen den Zugang zu Informatik-Kenntnissen und damit die Basis zur Mitbestimmung über IT zu sichern. Gleichzeitig sollten wir Technikstereotype in der Werbung oder in Schulbüchern nicht länger dulden“, mahnt Ira Diethelm, Präsidiumsmitglied der Gesellschaft für Informatik und Professorin für Didaktik der Informatik an der Carl von Ossietzky Universität. Interdisziplinäre Studiengänge und Mentoring-Programme sollten nach dem Schulabschluss den Weg in einen Digital-Job ebnen.

Arbeitsmodelle ändern

Dann gelte es, Frauen in Digitaljobs zu halten – etwa durch flächendeckend verfügbare Betreuungsplätze für Kleinkinder und flexible Arbeitszeitmodelle, welche die Vereinbarkeit von Job und Familie unterstützen. Dafür seien steuerliche Anreize zwingend notwendig.

Dazu erklärt Sabine Scheunert, Vice President Digital & IT Marketing/Sales Mercedes-Benz Cars, Mercedes-Benz AG: „Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Wenn wir die Chancen erfolgreich nutzen wollen, können wir auf Frauen als Entwicklerinnen und Digitalexpertinnen nicht verzichten, und zwar über sämtliche Altersklassen hinweg – von der Studentin bis hin zur Wiedereinsteigerin. Deswegen setze ich mich als Beirätin von #SheTransformsIT insbesondere dafür ein, Frauen in allen Lebenslagen zu digitalen Expertinnen weiterzuentwickeln und zu fördern.“ Abseits klassischer Berufswege müsse zudem der Quereinstieg besser gefördert werden – beispielsweise durch Informationsangebote und finanzielle Förderungen, so die Initiative.

Mehr Chancen für Gründerinnen

Weiterhin gelte es, auch die Startup-Szene im Blick zu haben und Frauen hier explizit zu unterstützen. „Frauen, die gründen, bekommen im Gegensatz zu ihren männlichen Gegenübern kaum Förderung und Investitionen. Sie müssen in Zukunft die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben an Kapital zu gelangen wie Männer“, sagt Julia Kloiber, Co-Gründerin von Superrr Lab. „Es braucht mehr Transparenz, mehr Diversität und ein klares Bekenntnis zu Gleichberechtigung auf Seiten von Geldgebern. Insbesondere dann, wenn es um die Vergabe von öffentlichen Förderungen geht. Die besten Ideen dürfen nicht an Diskriminierung scheitern“, so Kloiber.

Breites Bündnis will Transformation in der gesamten Gesellschaft vorantreiben

Mehr als 50 führende Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft haben das Bündnis #SheTransformsIT im Herbst 2020 zum Digital-Gipfel der Bundesregierung gegründet, um mehr Frauen in die Digitalisierung zu bringen. Unterstützt wird die Initiative übergreifend von den Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag.

Die Handlungsempfehlungen finden sich auf der Website der Initiative bereit.

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