Björn Waide ist seit 1. Juli 2025 Geschäftsführer bei Lynqtech und will die Digitalisierung der Energiewirtschaft vorantreiben.

Björn Waide ist seit 1. Juli 2025 Geschäftsführer bei Lynqtech und will die Digitalisierung der Energiewirtschaft vorantreiben.

Bild: © Lynqtech

Mit der Plattform Smart Meter Now will Lynqtech den Einbau intelligenter Messsysteme beschleunigen. Die Lösung bündelt Endkundenanfragen, setzt grundzuständigen Messstellenbetreibern klare Reaktionsfristen und vermittelt im Zweifel an wettbewerbliche Anbieter. Gleichzeitig bietet das Unternehmen den Grundzuständigen eine White-Label-Plattform an, um eigene Prozesse zu digitalisieren.

Druck über Transparenz und Fristen

Die Idee ist einfach: Verbraucher registrieren sich auf der Plattform, Lynqtech prüft, ob ein Pflichteinbau vorliegt, ermittelt den zuständigen Messstellenbetreiber und fordert ihn zur Reaktion auf. Eine Woche bleibt Zeit, um zumindest zuzusagen, dass der Einbau übernommen wird.

"Unser Ziel ist es auch, wach zu rütteln", sagt Björn Waide, seit 1. Juli 2025 Geschäftsführer bei Lynqtech. Der IT-Anbieter von Enercity erweitert damit sein Tätigkeitsfeld über das klassische Abrechnungs-Geschäft hinaus. Nach eigener Darstellung versteht sich Lynqtech zunehmend als Digitalisierungspartner für Energieunternehmen. Vor allem der stockende Smart-Meter-Rollout ist aus Sicht des Unternehmens weniger ein technisches als ein organisatorisches Problem. Genau dort setze Smart Meter Now an.

Denn reagiert der grundzuständige Messstellenbetreiber nicht oder lehnt er ab, vermittelt die Plattform den Auftrag an wettbewerbliche Messstellenbetreiber weiter. Damit entsteht faktisch zusätzlicher Druck auf die grundzuständigen Messstellenbetreiber. Wer Anfragen nicht strukturiert bearbeitet, riskiert, dass Kunden beim Wettbewerber landen.

Engpass liegt im Prozess, nicht in der Montage

Nach Einschätzung von Lynqtech scheitert der Einbau häufig nicht an fehlenden Monteuren, sondern an internen Abläufen. Anfragen landen in allgemeinen Postfächern, es fehlen feste Ansprechpartner, Daten werden manuell in Systeme übertragen.

"Es sind dann doch eher die bürokratischen Prozesse im Hintergrund, die aufhalten, nicht die Handwerker vor Ort", so Waide.

Der Prozess im Detail

Die Plattform versucht, genau hier anzusetzen. Kunden laden etwa ein Foto ihres Zählers hoch. Über KI-basierte Bilderkennung wird Zählerart und -nummer ermittelt, sodass Daten nicht erneut manuell erfasst werden müssen.

Anschließend prüft Smart M eter Now, ob es sich um einen Einbaufall im Sinne der gesetzlichen Vorgaben handelt und welcher grundzuständige Messstellenbetreiber zuständig ist. Dieser wird automatisiert informiert und aufgefordert, innerhalb einer Woche zumindest mitzuteilen, ob er den Einbau übernehmen kann.

Reagiert der Betreiber fristgerecht und sagt zu, wird der Kontakt zwischen Kunde und Messstellenbetreiber hergestellt. Die Plattform dokumentiert den Vorgang und hakt in regelmäßigen Abständen nach, ob der Einbau erfolgt ist. Für die Umsetzung gelten die gesetzlichen Fristen des Messstellenbetriebsgesetzes.

Bleibt eine Rückmeldung aus oder lehnt der grundzuständige Betreiber den Einbau ab, unterbreitet die Plattform dem Kunden Angebote wettbewerblicher Messstellenbetreiber. Auch hier wird der weitere Verlauf nachgehalten. Ziel ist es nach Angaben des Unternehmens, Transparenz über den Status der Anfrage zu schaffen und Prozessstillstände sichtbar zu machen.

Nach Darstellung von Lynqtech läuft die Kommunikation mit wettbewerblichen Anbietern überwiegend über technische Schnittstellen. Bei vielen grundzuständigen Messstellenbetreibern erfolge der Austausch dagegen noch per E-Mail. Genau an dieser Stelle sieht das Unternehmen erhebliches Potenzial für Prozessautomatisierung.

White-Label-Angebot an die grundzuständigen Messstellenbetreiber

Trotz der konfrontativen Wirkung versteht sich Lynqtech nach eigener Darstellung nicht als Gegner der grundzuständigen Betreiber.

"Wir verstehen uns als Partner, um den Messstellenbetreibern zu helfen, ihre Herausforderungen zu lösen", sagt Waide.

Konkret bietet das Unternehmen die Plattform auch als White-Label-Lösung an. Messstellenbetreiber könnten sie im eigenen Design einsetzen und als zentrales digitales Eingangstor für Smart-Meter-Anfragen nutzen. Ziel sei es, klare Prozesse zu etablieren und Medienbrüche zu vermeiden. Technisch sei auch eine Integration in bestehende Systeme möglich.

Rolle zwischen Markt und Politik

Zur grundsätzlichen Marktordnung will sich Waide nicht positionieren. Er verweist jedoch auf das internationale Tempo beim Rollout. Für ihn ist klar, dass die Energiewende ohne einen deutlich schnelleren Smart-Meter-Ausbau kaum gelingen könne.

Die Plattform versteht er als Anschub. "Ich würde mich freuen, wenn es Smart Meter Now in zwei, drei Jahren gar nicht mehr braucht, weil die grundzuständigen Messstellenbetreiber ihre Prozesse im Griff haben", sagt Waide.

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