Aktuell durchläuft die Energiebranche einen regelrechten Stresstest – und das nicht nur wegen der Gasversorgungskrise. Bereits seit Beginn der Pandemie kämpfen Versorger beispielsweise mit erschwerten Arbeitsbedingungen rund um Homeoffice und hohe Krankenstände, wobei die Versorgungssicherheit trotzdem nie in Gefahr geraten darf. Wie anspruchsvoll die Lage ist, zeigte beispielsweise die Tatsache, dass die Bundesnetzagentur zu Beginn des Jahres die Umsetzung der neuen Marktkommunikation 2022 vom 1. April auf den 1. Oktober geschoben hatte.
Hauptgrund: Der Implementierung ständen „gegenwärtig schwerwiegende Hindernisse“ entgegen, so die Beschlusskammern. Nun ist es allerdings soweit – die neue Marktkommunikation kommt, wobei die Aufgabe freilich nicht kleiner geworden ist. Im Wesentlichen geht es um die Standardisierung von (digitalen) Prozessen, neue Automatisierungsmöglichkeiten und eine bessere Datenqualität. Es erfolgen eine Vielzahl von kleinen und großen Anpassungen, deren Umsetzung für einzelne Versorger leicht zu einer Herkulesaufgabe gerät.
Mehr als 200 Änderungen und neue Funktionen
Bei Powercloud wurden alle benötigten Formatanpassungen in den letzten Monaten vorbereitet und in das System eingepflegt. Zusammenfassend heißt das jetzt: Der reibungslose Betrieb ist auch nach Einführung der neuen Marktkommunikation garantiert. Der IT-Dienstleister bietet seinen Kunden die Services kostenfrei an.
Was ist allerdings unter dem Schlagwort „Formatanpassungen“ gemeint und wie kleinteilig ist diese Aufgabe? „Wir haben mehr als 200 Änderungen und neue Funktionen in unserer Software vorgenommen, wobei es immer darum geht, die Arbeit der User maximal zu vereinfachen. Automatisierte Prozesse spielen dabei eine wichtige Rolle“, erklärt Daniel Zeiske, CPO bei Powercloud.
Neue Instrumente
Was das im Detail bedeutet, zeigt etwa das Beispiel „Zählzeitdefinitionen“ (UTILTS, MSCONS, UTILMD): Dieses neue Instrument informiert – einfach gesagt – darüber, zu welcher Zeit und zu welchem Tarif die verbrauchte Energie erfasst wird. Dabei können Netzbetreiber ihre Zählzeiten eigenständig definieren, was unter anderem den Möglichkeiten von intelligenten Messsystemen (Smart Meter) entgegenkommt. In der Powercloud laufe der dazugehörige Prozess nun in weiten Teilen automatisiert ab.
So werden die Zählzeiten aus dem zuvor importierten UTILTS-Format übernommen und je nach Marktpartner versioniert abgelegt. Anschließend erfolgt eine Prüfung auf Vollständigkeit. Am Ende wird ebenso automatisiert eine Reklamation versendet, wenn keine Zählzeiten vorliegen. „Ganz ähnliche Prozesse vollziehen sich in den anderen Themenfeldern“, ergänzt Zeiske. „Beispielsweise haben wir dafür gesorgt, dass die Einführung des neuen Datenformats PARTIN für Kommunikationsdaten ebenso reibungslos vonstatten geht. Alle Daten werden empfangen, quittiert, geprüft und gespeichert. Dazu wird es im Herbst ein neues, übersichtliches Frontend sowie eine komfortable Eingabemaske für eigene Kommunikationsdateien geben.“
Standardisierter Datenaustausch bei Sperrprozessen
Neu ist auch der standardisierte Datenaustausch im Rahmen von Sperrprozessen, der bisher meist individuell umgesetzt wurde. „Jetzt wo wir einen standardisierten Prozess vorliegen haben, werden wir auch hier eine hohe Automatisierung für alle unsere Kunden anstreben”, erläutert Zeiske. Hier greifen Marktprozesse direkt bis in das integrierte Forderungsmanagement unter Einbindung von Angeboten für Ratenpläne im Rahmen der Abwendungsvereinbarung.
„Der gesamte Prozess zeigt beispielhaft unsere Arbeitsweise und unseren Anspruch“, fasst Carsten Dirks, COO bei Powercloud zusammen. „Wir verstehen uns einerseits als Partner der Versorger und der weiteren Marktteilnehmer, wobei wir viele Prozesse im Backend der Unternehmen vereinfachen. Andererseits passt die Zielsetzung der Marktkommunikation 2022 zu unserem Anspruch, die Digitalisierung des Energiemarktes voranzutreiben und so die Energiewende zu ermöglichen.“ (sg)



