Etwa 1600 Funkantennen werden laut der Versorger-Allianz 450 benötigt, um ein bundesweit verfügbares 450-MHz-Funknetz zu etablieren.

Etwa 1600 Funkantennen werden laut der Versorger-Allianz 450 benötigt, um ein bundesweit verfügbares 450-MHz-Funknetz zu etablieren.

Bild: © Zakhar Marunov/AdobeStock

Mit der Zuteilung der 450 MHz-Frequenz an das Konsortium der Energie- und Wasserwirtschaft endet der über dreijährige Vergabeprozess.Durch die Vergabe werden die Voraussetzungen für den zügigen und flächendeckenden Netzausbau des 450 MHz-Funknetzes geschaffen.

„Der Zuschlag stellt die Weichen für die Digitalisierung der Energie- und Verkehrswende. Aufgrund der guten Ausbreitungseigenschaften bieten sich die 450-MHz-Frequenzen an, um kosteneffizient ein funktionsfähiges, ausfallsicheres Funknetz aufzubauen“, erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.
 

Reaktion 450connect

„Wir freuen uns sehr über den Zuschlag der 450-MHz-Frequenzen an das von Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft getragene Joint Venture 450connect“, erklärte Carsten Ullrich, Sprecher der Geschäftsführung der 450connect. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur zeige, dass das Frequenznutzungskonzept für die Versorgung kritischer Infrastrukturen überzeugt habe und dass man dieses zuverlässig, effizient und zeitnah umsetzen könne.
 
„450connect bietet allen Betreibern kritischer Infrastrukturen einen diskriminierungsfreien und schwarzfallfesten Zugang zur 450-MHz-Funknetzplattform an“, erklärte Theo Waerder, Vorstandsvorsitzender der Versorger-Allianz 450 und Geschäftsführer der Bonn-Netz GmbH. „Mit unserem nationalen und branchenübergreifenden Ansatz bieten wir unseren Partnern und Kunden die Möglichkeit, Funkdienstleistungen für ihre Ende-zu-Ende-Lösungen einzusetzen und damit ihre eigene regionale Wertschöpfung zu schaffen. Dies trifft insbesondere für die Einbringung eigener Infrastruktur zu, da dadurch der nationale Netzaufbau deutlich beschleunigt wird.“

Vorbereitung für den Aufbau des Netzes läuft auf Hochtouren

„Der Zuschlag der 450-MHz-Frequenzen ist das Ergebnis der unermüdlichen Arbeit des Teams rund um Alliander und 450connect, unterstützt von einer Vielzahl an Unternehmen und Organisationen aus der Energie- und Wasserwirtschaft, die wir für dieses wichtige Vorhaben gewinnen konnten“, erklärte Frank Zeeb, Vorstandsvorsitzender der Alliander AG und Initiator der 450connect GmbH.

Die Vorbereitungen für den Aufbau des 450-MHz-Funknetzes würden bereits auf Hochtouren laufen, gewährt Torsten Maus, Vorsitzender der Geschäftsführung der EWE NETZ GmbH Einblicke. „Unser Plan ist es, die digitale Kommunikationsinfrastruktur mit ihren rund 1600 Funkstandorten bis Ende 2024 in Betrieb zu nehmen. Netzbetreiber haben dann die Möglichkeit, Energieerzeugung, -transport und -verbrauch in Echtzeit zu kontrollieren und bei Bedarf zu steuern. Zudem können sie die vielen dezentralen Wind-, Photovoltaik- und KWK-Anlagen deutlich effizienter in die Energiesysteme einbinden. Damit leistet das 450-MHz-Funknetz einen ganz erheblichen Beitrag für den Erfolg von Energie-, Verkehrswende und zur Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels.“

Vergabeverfahren

Die Bundesnetzagentur hatte das Verfahren zur Vergabe der 450-MHz-Frequenzen am 16. November 2020 offiziell eröffnet. Bewerbungen konnten bis zum 18. Dezember eingereicht werden. Die Auswertung erfolgte anhand zuvor fest gelegter Kriterien, wie Zuverlässigkeit, Fachkunde oder Leistungsfähigkeit. Der nun erfolgte Zuschlag an 450connect ermöglicht eine bis zum 31. Dezember 2040 befristete Frequenznutzung. 

"Wichtiger Meilenstein der Energiewende"

Dazu erklären Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin BDEW und Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer VKU: „Wir begrüßen, dass die Bundesnetzagentur nun zügig zu einer Entscheidung gekommen ist und die 450-MHz-Frequenzen an die Energie- und Wasserwirtschaft vergeben hat. Nach über dreijährigem Vergabeprozess kann nun endlich mit dem bundesweiten Ausbau und der Nutzung dieses wichtigen Funknetzes begonnen werden. Dies ist ein wichtiger Meilenstein, um die Energiewende weiter voranzubringen und gleichzeitig Versorgungssicherheit sowie den Schutz kritischer Infrastrukturen zu gewährleisten."

Grundsätzlich gelte: "Für die zunehmend dezentrale und digital gesteuerte Strom- und Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien sowie die Wasserversorgung braucht die Energie und Wasserwirtschaft die 450 MHz-Funkfrequenz. Mit dieser sicheren und hochverfügbaren Kommunikationslösung können wir unsere Netze digitalisieren und optimal steuern. Zudem können wir das hohe Niveau an Versorgungssicherheit halten und den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität vorantreiben. Davon profitiert auch der Wirtschaftsstandort Deutschland. Da die Funkfrequenz auch im Falle eines Blackouts funktioniert, ist die Entscheidung der Bundesnetzagentur ein wichtiger Beitrag, um kritische Infrastrukturen wirksam zu schützen“, so die beiden Verbände.

Beirat der Bundesnetzagentur

Der Vorsitzende des Beirates bei der Bundesnetzagentur, Olaf Lies, begrüßt die Entscheidung ebenfalls: "Der Zuschlag für die 450connect stellt die Weichen für eine erfolgreiche Digitalisierung der Energie- und Verkehrswende. Dieses neue Funknetz bietet den Energie- und Wassernetzbetreibern – genauso wie anderen Betreibern kritischer Infrastruktur – ein ausfallsicheres Kommunikationsnetz und macht sie zudem unabhängig vom öffentlichen Mobilfunk. Dieses Netz leistet bei der Integration auch der Erneuerbaren Energien in die Netze und damit zum Klimaschutz einen elementaren Beitrag. Es wird so zum elementaren Baustein der Energie- und Verkehrswende."

Aufgabengebiete der Funkfrequenz

Im 450 MHz-Frequenzbereich wird nun ein deutschlandweites, besonders sicheres und hochverfügbares LTE-Funknetz für die Energie- und Wasserwirtschaft sowie andere kritische Infrastrukturen entstehen. Dieses Funknetz ist zugleich eine entscheidende Voraussetzung für eine sichere und hochverfügbare Kommunikation von Millionen kritischer Machine-to-Machine (M2M)-Anwendungen und damit für die erfolgreiche Energiewende und Transformation hin zu einer nachhaltigen Industrie, Wirtschaft und Mobilität.

"Ein maßgeblicher Baustein bei der Digitalisierung ist, dass unterschiedliche Anlagen störungsfrei und sicher miteinander kommunizieren können und man Netze mit einer breiteren Datengrundlage besser managen kann. So können mit diesem Frequenzband gerade auch die vielen dezentralen Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien noch effizienter in die Energiesysteme integriert werden", ergänzt Lies. Zugleich herrsche nun die notwendige Planungssicherheit für die nächsten Jahre, um die Digitalisierung der Netze auf Basis der  450 MHz-Technik umzusetzen.

Überzeugendes Frequenznutzungskonzept

Lies weiter: "Dass der Zuschlag der 450 MHz-Frequenzen an das von Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft getragene Joint Venture 450connect GmbH gehen soll beweist, dass deren Frequenznutzungskonzept für die Versorgung kritischer Infrastrukturen überzeugt hat – so kann nun zuverlässig, effizient und zeitnah das Konzept umgesetzt werden. Der Zuschlag ist die Anerkennung des Know-How, das die 450connect GmbH im Aufbau und Betrieb von 450 MHz-Funknetzen und in der Zusammenarbeit mit der Versorgungswirtschaft aufgebaut haben." (sg)

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