Bis 2050 soll die EU klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, sind regulatorische Änderungen nötig. Der jüngst veröffentlichte ACER-CEER-Marktbeobachtungsbericht 2024 über den Energieeinzelhandel und Verbraucherschutz unterstreicht, dass dies nur mit einem flexiblen Stromsystem und einer aktiven Beteiligung der Energieverbraucher möglich sein wird.
Der Berichts will eine aktive Teilnahme der Verbraucher an den Energiemärkten fördern, um die Dekarbonisierungsziele der EU zu erreichen. Die ACER (European Union Agency for the Cooperation of Energy Regulators) ist eine Agentur der Europäischen Union, die die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Regulierungsbehörden im Energiesektor fördern soll.
Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts
Bis 2030 wird sich der tägliche Flexibilitätsbedarf im EU-Stromsystem verdoppeln. Dazu sind mehr Speicher, dezentrale Erzeugung, grenzüberschreitende Unterstützung und Anpassungen in der Nachfrage nötig. Mit der steigenden Produktion erneuerbarer Energien verändert sich die Betriebsweise der Stromnetze: 2023 gab es eine 12-fache Zunahme negativer Stromhandelsgroßpreise in der EU. Die Kosten für die Eingriffe in das zunehmend überlastete Stromnetz lagen bei 4 Milliarden Euro EU-weit.
Aktuell dominieren feste Preisverträge den EU-Markt. 73 Prozent der EU-Haushalte haben regulierte oder marktbasierte Festpreisverträge für Strom.
Es fehlt an dynamischen und hybriden Vertragsangeboten, die es Verbrauchern ermöglichen, ihren Energieverbrauch an Zeiten mit höherer erneuerbarer Erzeugung anzupassen. Eine Empfehlung im Bericht lautet daher, vielfältige Vertragstypen zu fördern, damit Verbraucher zwischen stabilen und variablen Preisoptionen wählen können.
Bessere Informationen für Verbraucher nötig
Der Bericht fordert die Regulierungsbehörden und Mitgliedstaaten außerdem auf, passende Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören besser Bedingungen für nachfrageseitige Flexibilität. Auch die effiziente Nutzung von Stromnetzen und der Ausbau von Smart Metern werden genannt. Dynamische Preisgestaltung und flexible Verträge sind dabei entscheidend, um Verbraucher zu stärken, heißt es weiter. Für die Bereitstellung von Flexibilität könnten die Handelsmärkte eine zentrale Rolle spielen.
Verbraucher würden außerdem bessere Informationen und Anreize brauchen, um ihren Energieverbrauch anzupassen. Vor allem Haushalte mit hohem Energieverbrauch sollten zu mehr Flexibilität ermutigt werden.
Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts
In 10 EU-Mitgliedsstaaten liegt die Einführung intelligenter Zähler unter 30 Prozent in sechs sind es sogar weniger als 10 Prozent. Das schränkt die Wahlmöglichkeit der Verbraucher ein. Im Bericht wird daher eine Beschleunigung des Rollouts von intelligenten Stromzählern in allen EU-Mitgliedstaaten gefordert. Schließlich seien sie erst die Voraussetzung für dynamische Preismodelle und flexible Verbrauchssteuerung. (sg)
Der Acer-Bericht kann hier heruntergeladen werden (externer Link).



